Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 101-102 (21.12.1899)
- Date
- 1899-12-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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3001 CBdjauie (&d)imon mehr als 4 Stunden in halbongekleidetem Zustand herumspazieren. Wer weiß, ob er nicht heute noch in der Mikwoh sein würde, wenn ihn seine Frau nicht vermißt und ihm seine Kleider gebracht hätte In ihrem Zorne soll ihm seine Frau zugerufen haben: „Schaute! mach' die Broche malbisch arumim." So, nun habe ich Euch Euren Rozaun *7) memale269) gewesen und hoffe, daß Ihr Euer Wort halten werdet und meiner Beile die 50 Dukaten gebet, lemasel ulebrocho." Bechaje roschim) ich werde die Milchomo27") vertteren!" schrie Faißel voller Entrüstung, „den Rebb Schimon expliziren sie für einen Schaute, es fehlt nur nach, daß sie mich für einen Chochem erklären, und die ganze Bescheerung ist da. Du, Schelomo, konntest zu gelegenerer Zeit gar nicht kommen, um Deine Badchonaus anzubringen.' Wer steht dafür ein. daß Du heute nicht bei einem Knaßmahle zugegen sein wirst? Aber wie dem auch sei, ein Schaute bleibe ich, vielleicht auch Rebb Schimon noch dabei, die Chachomim werden bei diesem Spiele nur die Sprinze, der Jom-tow und die Sara sein. Aber wo finde ich da Dein Mekaur hadowor?" „Den findest Du schon, Faißelleben, wenn Du Dich herunter bemühen willst. Der Rabbi und der Rosch-hakohol warten schon aus Dich." In seinem Eifer hatte Faißel ebenso übersehen, daß die Nacht währenddessen herangebrochen war und in, Zimmer vollständige Dunkelheit herrschte, wie er ..u l, überhört hatte, daß Sprinze in das Zimmer getreten, als er nach dem Mekaur suchte. „Schomaim voorez2^). daran habe ich gar nicht mehr gedacht", brach es ärgerlich über Faißels Lippen. „Du hast doch. Sprinzeleben, den Rabbi und Roschdatohol bekowaud godaul empfangen, wie es sich geziemt." „Ephscheher272) habe ich sie hinausgeworfen." lachte Sprinze. „Komm nur herunter, und Du wirst überrascht sein, welch' choschewer27^ Besuch auf Dich wartet. Außer dem Rabbi und dem Rosch-hakohol sind fast alle Chaschuwe hokahal27') unten versammelt. Doch, wer ist denn da bei Dir oben? Warum bringst Du mit Deinem Besuche in Dunkelheit zu?" „Wer wird es sein? Es ist Reb Schelomo, der Badchen von G., der Dir wahrscheinlich zu Deinem Siege verhelfen wird." „L>o, Rebb Schelomo ist es? Er mag auch mitkommen, um zu sehen, wie man in P. meinen Faißel ehrt, dem man in G. so viel Schimpf und Schande angetban." XI. Unterdeß ging es in den Empfangsräumen Rebb 267) Willen. 268) er üllt. 269) Beim Leben meines Hauptes. 270) Meine Kriegführung 271) Himmel u. Erde. 272) Vielleicht gar. 273) Vornehmer. 274) Die Vornehmsten her Gemeinde. Faißels ganz lebhaft und vornehm her. Der Rabbi eine herrliche Greisengestalt mit durchgeistigten Zügen, hat auf dem Divan Platz genommen. Ihm zur Rechten saß der Rosch-hakohol. Rabbi Meyer Leipnik und zur Linken der Obergabbei der Synagogen und der Lehrhäuser von P., Rabbi Bezaleil Golisch. Die anveren Männer, die zum Theil Vorsteher von Synagogen unv Genossenschaften waren, ließen sich auf die Stühle, welche um den Tisch standen, nieder, auf welchem alle Kerzen der silbernen Kandelaber angezündet waren. „Rabbauffai!" fing der Rabbi an. „Ich habe Euch gebeten. Euch hier zu versammeln, weil es gilt, einen Mann zu ehren, den leider die öffentliche Meinung bisher geschmäht und mit ihm lizonaus getrieben. Die Ungerechtigkeit, die ihm seitens vieler unserer Gemeindentitalieber widerfahren ist, belohnte er daurch. daß er deseser 275) der größte Wohlthäter unserer bedrängten Glaubensgenossen geworden. Wo es galt, Unheil, das unsere Feinde auf einen oder mehrere unserer Glaubensgenossen heraufbeschworen, zu zerstören, trat er mit der ganzen Wärme seines edlen Wesens dei dem Bezirksoberamtmann, seinem Gönner, dafür ein, unbekümmert. daß er dadurch vielleicht die Gunst des Bezirksoberamtmanns verscherzen könnte. So hat er Rebb Chaim Britsch/den ich ebenfalls hier laden lieh, seine Parnose m) erhalten, obgleich der Amtmann von Monschow für dessen Entfernung aus dem Krug mit der ganzen Kraft eintrat. Dabei hat dieser edle Mensch den Bezirksoberamtmann gebeten, er möge doch niemanden etwas sagen, was er alles für seine Glaubensgenossen schon gethan. Einem Zufall ist es zu verdanken, daß ich zur Kenntnrß seines Wirkens gelangt bin. Daß dieser Mann kein Anderer ist, als Rebb Faißel. in dessen Behausung wir uns jetzt befinden, ist wohl überflüssig zu betonen. Es gilt daher, einen Mann zu ehren, der in sich die schönsten jüdischen Tugenden vereinigt. Der Rosch-hakohol und ich sind übereingekommen, ihm die Gaboaus von der Chewre Kadischo 2“) zu übertragen. Außerdem soll er Schulgabbai der pernizischen Schule werden. Ich habe Euch gebeten, mir bei der Ehrung dieses Mannes zu assistiren; denn Ihr wisset ja, daß gar viele es waren, die diesen Biedermann geschmäht haben, und es ist nur billig, daß dessen Ehrung vor Vielen sich vollzieht. Aber wo bleibt Rebb Faißel? Er wird doch nicht wie Saul sich der Ehrung durch Verbergen entziehen wollen?" „Chas wescholem 2Tö), was denkt der Rabbi von mir?" rief Faißel aus, der mit seiner Begleitung in diesem Augenblicke das Zimmer betrat. „Wo werde ich mich einer solchen großen kowaud, wie den Rabbi und die Chaschuwe hakohol, 120 Jahre sollen sie leben, in meinem Hause zu begrüßen, entziehen wollen? Scholaum alechem, seid Alle mir auf's Herzlichste gegrüßt, möge es Euch in meinem bescheidenen Hause wohl gefallen! Doch was verschafft mir die Kowaud?" 275) Im Geheimem. 276) Erwerb. * 277) Heilt,- «enossenschaft. 278) Bewahre.