Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1899-12-21 · Heft 101-102 (21.12.1899) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 101-102 (21.12.1899)
Date
1899-12-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448953-2449047--49716-2500161
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

gemeinde wohl kaum zum Ausdrucke bringen, und darum fand auch feine Rede bei allen Zuhörern eine so warme, verständnißvolle Aufnahme. Am darauffolgenden Nachmittag würde diesem großen Priester und Menschenfreunde auch eine besondere Ehrung seitens der Schüttenhofener Schulleitung zu Theil. Der Direktor der öffentlichen deutschen Volksschule, Herr Oberlehrer Wild, hielt an den scheidenden Rabbiner eine seine Vorzüge als Lehrer in» hellste Licht setzende Ansprache unter Ueberreichung einer herrlich ausgeführten Adresse, worauf dann noch die kleine Schülerin Elsa Weiner im Namen der Schuljugend sprach. Herr Dr. Wohlstein dankte allen, namenlos gerührt. Möge ihm in seiner neuen Wirkungsstätte die gleiche Würdigung und Anerkennung zu Theil werden! England. London, 10. Dez. Wenn Ihnen über hiesige Versammlungen berichtet wird, so ist dies gewöhnlich über imposante Massenversammlungen. Heute will ich jedoch über eine bescheidene Versammlung berichten, die leider nicht so besucht war, wie es die hohe Wichtigkeit der auf der Tagesordnung stehenden Sache wünschenswerth hätte erscheinen taffen. Es handelt sich um die Errichtung einer eigenen jüdischen Küche für die jüdischen Patienten in dem hiesigen deutschen Hospital. Dieses Hospital, welches von der Londoner deutschen Kolonie und durch Beiträge aus dem Vaterlande unterhalten wird, genießt hier verdientermaßen eines hohen Rufes infolge seiner vorzüglichen Einrichtung, geschickter Aerzte und aufopfernder Pflegerinnen. Ein sehr hoher Procentsatz der Kranken sind Juden — Deutsche, Oester reicher. Polen — die bisher (meine Feder sträubt sich vor Scham, dies niederschreiben zu müssen) durch die bittere Nothwendigkeit gezwungen waren, unseren heiligen Gesetzen zuwider Trefah zu essen. Dies war schon längere Zeit eine Ursache großen Herzeleids für unsere Brüder, die sich moralisch verantwortlich fühlen müssen, daß Kranke in solche Zwangslage versetzt sind durch Mangel eines jüdischen Hospitals. Bisher war es nur möglich gewesen, die Kranken mit koscher zubereiteter Kost während des Pesach-Festes zu versehen. Es hat sich jedoch in jüngster Zeit auf Anregung des Herrn Ludwig Felfenstein und seiner Freunde ein Komitee gebildet, dem Herr Hermann Landau prässdirt, und das es sich zum Ziele gesteckt hat, diesem Uebelstande abzuhelfen. Die Leitung des deutschen Hospitals ist diesen Bestrebungen mit anerkennenswerther Liebenswürdigkeit entgegen gekommen und hat sich bereit erklärt, einen Raum für Küche und Vorrathskammern u. s. w. zur Verfügung zu stellen. Für die nothwendigen baulichen Veränderungen sowie Einrichtung sind ca. 25 000 J( erforderlich; doch war es trotz aller Anstrengungen bis jetzt nur möglich, 12 000 cU zu sammeln, und steht zu befürchten, daß, falls der fehlende Betrag nicht in aller Kürze herbeigeschafft werden kann, die Sache sich wieder! zerschlägt. Bei der heutigen Versammlung, die offen! lich angekündigt war. waren fast nur solche Herren erschienen, die bereits beigetragen haben und die auch noch weiter emsig für die Sache arbeiten wollen. Da aber weder die Gemeinde osficiell, noch der größere Theil des hiesigen jüdischen Publikums sich für diese Sache interessiri, würden vielleicht einige Ihrer hochherzigen Leser Theil nehmen an der großen Mizwah, deren Wichtigkeit ich in den Spalten Ihres geschätzten Blatres nicht erst auseinanderzusetzen nöthig habe. Jeder deutschsprechende Kranke wird ausgenommen, und ist es selbstredend für in fremdem Lande auf dem Kranienbetie Liegende eine große Wohlthat, umgeben zu sein von solchen Menschen, mit denen man sich leicht verständigen kann. Ein jeder Jehudi fühlt, was es heißt, gezwungen zu sein, Trefah zu essen, und wie ganz besonders dieses Bewußtsein hindernd und lähmend auf die fortschreitende Genesung wirken muß. Ich hoffe, daß diese Worte Veranlassung sein werden, daß alle Förderer jüdischer Interessen beitragen werden zu dieser Mizwah, sind doch Kol Jisrael arebim seh losch, und besonders, da hier zu befürchten ist, daß, wenn die Genesung durch den Genuß verbotener Speisen verhindert wird, wir außerdem das bekannte Verbot -pn en bv noyn sb übertreten. Ich hoffe, daß der „Israelit", dem Details zur Verfügung stehen, durch Empfangnahme von Beiträgen uns hilfreich zur Seite sein wird.*) N € u f 11 € t 0 II. Der (Lhammer und der Schaute. Eine Humoreske aus dem jüdischen Leben der guten, alten Zeit. Von Maurice Ma§ou. 18) (Alle Rechte Vorbehalten.) Am Erew-Roseh-Haschono kam ein Aurach^") in unsere Kehile, der ganz korui webolui **) war, er bettelte deshalb um eine Hose, um am Jom-tow em andcr Ponim zu haben. Rebb Schimon versprach ihm die Hose, die er gerade anhatte, zu schenken, wenn er mit ihm in die genannte Anstalt gehen, sie dort in Empfang nehmen und nachher zu Rebb Chaim Chajet^jden Ihr ja kennt, laufen wolle, und ihm sagen, er solle ihm die neue Hose, welche ihm geute abgelrefert werden sollte, hinbringen. Die Hose nahm der Schnorrer wohl in Empfang, aber dem Schneider sagre er kein einziges Wort davon. So mußte der *) Sehr gerne. Red. 264) Gast. 265) zerrissen und zerfetzt' 266) Schneider.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.