Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 101-102 (21.12.1899)
- Date
- 1899-12-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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2099 27 Jahren zu (?iraf*c geleitet. Diese fromme und cdle Uran, Tochter des allgemein geachteten Industriellen Herrn Joses Goldschniidt in Nürnberg, Schiviegertochter des chrivürdigen Herrn Rabbiners Dr. L. Atünz in Kempen, thcilte das Loos unserer srominen Stamnimutter Ra Hel.- auch sie lieh ihr junges Leben, inden, sie einem Sohn das Leben gab. Welche Liebe und Verehrung die in so bcweiuenswerther Weise selig Entschlafene. die trotz aller angewandten ärztlichen Hilfe nach (Voltes unerforschlischeiu Rathschluß aus dein Leben scheiden muhte, allenthalben genossen, beloeist die große Trauer und innige Theilnahine, die ihr Heim gang in den weitesten Dreisen unserer Stadt hervor gerufen hat. Am Grabe ividmetcn der so früh Der blichenen unser geehrter Herr Nabbinr Dr. Ziemlich sotvic Herr Rabbiner Dr. Wilhelm Münz ans Gte: Ivitz, der Bruder des tiefgebeugten Gatten, Worte weh muthsvoller Trauer, indem sic in tiefergreifender Weise aus die Größe deS Verlustes hinlviesen. Mit der selig Entschlafenen wird eine Fülle der edelsten Frauenlugenden, jener Tugenden, die, gepaart mit einem tie fen und gcr,rüthvollen Empfinden, sie zu einerrr Biederlveibe in deS Wortes schönster Bedeutung machten. So voller Liebe und Hingebung zu ihrem Gatten, beut fie mit einer Setbfttofipfeit und s>tufopfevunci fonbet:* gleichen ergeben war, so voller Milde und Demuth gegen Jedermann, so voller Einfachheit und Schlichtheit, weiche sie in ihrem eigenen Hause die ganze Welt erblicken lieh, so voller gottergebener Frömmigkeit und unverfälschter, aufrichtiger Gesinnung, die fein Trug und Falsch im Leben kannte, diente die Verklärte als leuchtendes Beispiel und Vorbild nicht nur ihrem eigenen Hause und ihrer eigenen Familie, sondern auch bem weiten Kreis derer, die sie kannten und verehrten. Möge der Allgütige den schwergeprüften Gatteri, die bejahrten, tiefgebeugten Eltern und den in Trauer verfehlen Familienkreis aus dem Gnadenborn seiner heiligen Tröstung stärken und aufrichten. Möge sich an der Verblichenen dasselbe Prophetenlvort erfüllen, lvie an der Stainmmntcr Rahel, daß reicher himmlischer Lohn für des Lebens .Kampf und Mühe ihr beschieden sein möge. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Salzburg, 1.?,. Dez. Ein Meisterstück antisemitischer Kritik hat vor Kurzem der Aesthetiker des „Salzburger Tagblatt" geliefert', er wollte den Juden hauen, aber seine Prügel trafen einen Christen. Ueber eine Premiere des dortigen Theaters schreibt er Folgendes: „Großmama", Schwank in vier Akten von Max Dreyer. Wenn künftighin bei einer Novität aus dem Theaterzettel die Marke: Aufgesührt am Hoftheater in X. oder Repertoirestück des Hoftheaters in P steht, so wird das Publikum in seinem eigenen Interesse gut thun, dem Theater an dem betreffenden Abend in möglichst weitem Bogen auszuweichen. Wie die „Großmama" dieses jüngsten Literarhebräers dazu kam, am Hoftheater in Berlin aufgeführt und am Hofburgthea tcr in Wien zur Ausführung angenommen zu werden, welche Hintertreppen und Protektionspfade hierzu benützt wurden, wißen wir nicht; das aber tviffen tvir, daß wir und mit uns wohl die meisten der glücklicherweise spärlichen gestrigen Opferlämmer den Herrn Direktor Blasei am liebsten gelyncht hätten für das Attentat, das er mit der Aufführung dieses erbärmlichen Schuudstiickes auf unsere Sanftmuth und Geduld verübt hat. So etwas Jämmerliches, Albern- Langweiliges und dabei Aufdringliches von einem jiidi scheu Machwerk ist uns noch nicht vorgekommen, und wir haben auf dein orientalischen Literaturtandelnwrkt doch schon Vieles erlebt. Es ist die absolute Geistlosigkeit, gepaart mit dummprotziger Selbstgefälligkeit, die in diesem Stücke tvahre Orgien feiert. Wir hoffen und erwarten, daß die gestrige Erstausführung auch die Lepta,ifführuiig gelvesen sei. -— Der Literar-Anti semit aus Salzburg erfahre hiermit, daß Mar Dreyer der blondeste, blauäugigste, arischste Arier ist, den man sich denken kann. Das wäre ja. wenigstens für Leute, die keinen antisemitischen Salzburgertops auf ihrem arischen Leib tragen, noch kein Grund, daß sein Stü:! gut sein muß. Es ist auch schon bei Christen vorpefommen, daß sie keine Dichter waren, und Tandelmärkte sind international. Aber wenn so ein Redaktions-Cherusker seine Feder zieht, um aus dem Teutoburger Urwald seiner literarischen Begriffe hervorzubrechen und sein Volk wieder einmal zu retten, dann sehe er sich den Gegner gefälligst genauer an. Aber sich zu seinem Grimm immer gleich einen Juden zu erfinden, den man damit erschlagen kann, das ist der Gipfel der Unkkugheit, die aus Mangel an Objekten sich selber beim Kragen nimmt. Der kritische Salzburger Raeenreiniger steht entschieden einzig (?) da — und wir haben auf dem antisemitischen Zeitungstandelmarkt doch schon Vieles erlebt! Geehrter Herr Recensent! Der Dreyer ist Ihr Glaubensgenoste! Sie haben die Unkosten des Zornesausbruches umsonst gemacht! Herr Vlasel ist berechtigt, zu fordern, daß Sie die Kritik umschreiben und sie arisch gestalten. Vorsicht, mein Herr! „Seid behutsam im Ürtheil!" sagt der semitische Talmud. Das könnte Ihnen wohlthun. Schütte»,Hofen. Am 11. d. Mts. verließ der hochgeachtete und beliebte Rabbiner Herr Dr. Josef Woblstein Schüttenhosen, um dem ehrenvollen Rufe als Krcisrabbiner nach Malmö (Schweden) Folge zu leisten. Die allgemeine Werthschätzung und Beliebtheit, deren sich dieser bedeutende herrliche Mann erfreute, gab sich so recht am verwichenen Samstag zu erkennen. An viesem Tage hielt nämlich Herr Dr. Wohlstein in dem zahlreich besuchten Gotteshaus eine bis zu Thränen rührende, meisterhaft durchgearbeite Abschiedsrede, welche mit äuß-erst geschmackvoller Bezugnahme auf den Wochenabschnitt mit den Worten begann und endete: Und ich, bin Euer Bruder Josef! Mit einem treffenderen Ausdruck konnte Herr Dr. Josef Wohkstein sein Verhältniß zu der Kultus-