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Der Israelit · 1899-12-21 · Heft 101-102 (21.12.1899) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 101-102 (21.12.1899)
Date
1899-12-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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2099 Michael Oppenheimer. David Gottschall, A. TVvdnlct, ' Dr. Buxbaum, Salvnwn Heß und Rudolf Rosenbauuc gewählt. Da am 12. Dezember 1874 die Statuten einstimmig angenommen wurden, so wurde dieser Dag als Stiftungstag festgesetzt. Die Mitgliederzahl wuchs rasch an, so daß Ende 1880 diese sich auf 120 belief mit einem Vermögen von 8249,55 ,//. Im Jahre 180<> wurde dem Verein am 8. Juni eine Sefer Thora ge schenkt. Durch noch verschiedene Schenkungen und Beiträge hat der Verein heute ein Vermögen von ca. 12 000 , H bei einer Mitgliederzahl von 1?o. Der vereheliche Redner schloß mit den Worten, das', es sich der Verein stets zum Grnndprinzipe gemacht hatte: „Einer für Alle und Alle für Einen". Er wünschte dem Vereine fernerhin ein rechtes Gedeihen. Hierauf hielt Herr üanbrabbiner Dr. Prager einen sehr schön gehaltenen Vortrag, in dem er die Verdienste und Thätigkeit der Chewra hervorhob. Hierauf begab man sich (ca. SO Personen) zu Tisch. Der Vorsitzende Herr Jakob Goldberg brachte den ersten Toast aus Se. Mas. unsrrn gnädigen Landesherrn aus. Daraufhin toasteten die verschiedenen Vertreter der Vereine ans den , Verein, die Gründer, Herrn Landrabbincr Dr. Prager, und Herr Banquier Fiorino als Vertreter der „Humanität" brachte ein Hoch aus das 25 jährige Vorstandsmitglied Herrn Jacob Goldberg, sowie Herrn Fränkel aus. Als einzig anwesender Mitbegründer toastete Herr Samuel Oppenheimer auf das fernere Bestehen des Vereins. So blieb inan in steter Unterhaltung bis Morgens 1 Uhr gemüthlich zusammen und trennte sich in der Hoffnung, in 25 Jahren mit Gottes Hilfe das 60 jährige Bestehen feiern zu können. Nicht unerwähnt möchte ich lasten, daß durch Versteigern das Tischgebet mit dl 200 erlauft wurde, welches Geld der Chewra zu wohlthätigen Zwecken überwiesen wurde, und tvar dieses gewiß ein würdiger hübscher Schluß des Festes. Leipzig. Offene Worte in der „Antis. Korresp." (Deutsch-soz. Blätter) zu lesen, ist eine Seltenheit. Um so wirksamer sind sie. Und so drucken wir aus der Nr. 588 vom 28. November folgenden Passus aus einer Studie ab. die ein „aktiver Offizier" geschrieben hat, der bereits als Gymnasiast die „Antis. Korr." gelesen hat und Anhänger der deutsch-socialen Neformpartei ist. „In zwei Städten der Provinz Posen war ich mehrere Jahre das Mitglied der Menagekommission meiner Truppe, das die Lieferanten der Mannschafts¬ und-Unteroffizierküchen in erster Linie zu überwachen und den Abschluß der Verträge mit diesen vorzubereiten hat. Sowohl nach meinem ersten Eintritt in dies Amt, als später vor Neuvergebung der Lieferungen Jahr für , Jahr, bemühte ich mich, die jüdischen oder in der einen Garnison diese und die polnischen Lieferanten auszuschließen, und fand dafür bei meinen Vorgesetzten stets größtes Entgegenkommen. Aber zum Schluß wurde mir ganz mit Recht immer wieder gesagt: „Was Sie wollen, wollen wir längst, aber es.geht nicht!" Und thatsächlich geht es nicht, meist, weil die Deutschen zu faul sin'", noct gelinder auSgedriicki, die größere?fr beit scheuen, die die strengen .Kontrakibedingungen der Militärbehörden ihnen verursachen, denn tvaü sic zu ihrer Entschuldigung ansiihrcn, ihre geringere Kapital traft, die ihnen nicht ertaubte, das angebliche Risiko zu übernehmen, hat aus derartige kleinere Lieferungen, die Tag für Tag oder Woche fiir Woche dieselben sind, bei Führung nur guter Äaare keinen Einfluß. Dem Deutschen, sei er .Kaufmann, sei er Handwerter. paßt es eben nicht, genau auf die Minute nach den Abnohmebedinguugen beste. Waarc fiir kleinen Preis, bei also anscheinend kleinem Nutzen (den Ver dienst bringt wohl erst die Regelmäßigkeit und die große Zahl der Licfernngcn) liefern zu miisseu. Er aul wortel, wenn mau bittet wie ich öfters lhcil die Lieferung zu übernehmen: „Es lohnt sich für mich die viele Scheererei nicht." Ganz anders ist der Jude und Pole. Sic dräu gen sich nicht nur zu dein Geschäft, sondern sic liefern auch meist so gut und den scharfen Bedingungen entsprechend (z. B. wird jede Eßwaare, besonders Fleisch, vor und nach der Zubereitung von einem Offizier, Assistenzarzt und Roßarzi tagtäglich untersucht, uiw kann der Lieferant ohne weiteres von der Kommission zur Nachlieferung oder Strafzahlung verurtheilt loer den, auch wenn sich erst nach der Zubereitung herausstellt, daß die Procente der nahrhaften Substanzen in der betreffenden Lieferung nicht genügen), daß fast nie Ausstellungen zu machen sind. Und lvenn, ivic ich es einmal bei einem jüdischen Großschlächter fand, der Versuch gemacht wird, unvorschriftsmäßige Maare der Kiichenverwaltung anzudrehen, so kann solcher Lie- serant so getriezt werden, daß er bald Uebergewicht und bessere Qualität liefert, als er braucht, um die noch schärfere Einhaltung des Wortlauts des Kontrakts künftig kos zu werden. Also kurz gesagt, im Kleinen (bei Lieferungen an die Truppen direkt) sucht die Militärbehörde fast stets zuerst Deutschen den Verdienst zuzuschieben; e3 gelingt fast nie, und sie muß mit Juden sich einlassen, die aber dabei nur reell verdienen können, Iveil die Kontrolle, und Sie können es mir glauben, neuerdings nicht nur nominell, sondern thatsächlich sehr scharf ist. In letzter Zeit werden Fleischlieferungen (um die Inanspruchnahme der Truppen-Offiziere für die Abnahme um 6 Uhr Morgens und um 11 Uhr Vormittags zu verringern) garnisonsweise von der Intendantur vergeben, und sucht diese, wie ich bestimmt weiß, meist möglichst Innungen oder einen Ring von mehreren den^ scheu Fleischern damit zu betrauen, scheitert aber ebenso [. oft an der Uneinigkeit und Unkulanz, so daß der Jude, nicht durch Unterbietung allein, sondern manchmal nur infolge größern Entgegenkommens, schließlich die Lieferung erhält." Nürnberg, 14. Dez. Von einem imposanten, unübersehbaren Trauergefolge wurde gestern Nachmittag die Gattin des hiesigen Kaufmanns Herrn Bernhard Münz, Frau Dina Münz, im blühenden Alter von

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