Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 101-102 (21.12.1899)
- Date
- 1899-12-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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3097 langte, hat sich seitdem unter verständnisvoller Leitung so trefflich entwickelt, daß es sich in Anbetracht der großen volkswirthschaftlichen Bedeutung dieses Unter nehmens wohl lohnt, auf die Einrichtungen und Erfolge dieser ländlichen Erziehungsanstalt einmal weitere Kreise aufmerksam zu machen. Dem Charakter der Anstalt entsprechend, nehmen den weitaus größten Theil des ca. 80 Morgen umfassenden Komplexes die gärtnerischen und landwirthschaftlichen Anlagen, sowie die Wirthschaftsgebäude, Gewächshäuser u. s. w. ein. In den ausgedehnten Gemüseländereien, den prächtig bestandenen Baumschulen, auf den Wirthschaftshöfen u. s. w. waren überall kräftig entwickelte Lehrlinge mit Arbeiten beschäftigt, wie sie die Herbstzeit in landwirthschaftlichen und gärtnerischen Betrieben mit sich bringt, und alle erfreuten in gleicher Weise durch die offensichtliche Lust und Liebe zur Arbeit, den guten Willen, den Anordnungen und Belehrungen der Vorgesetzten mit Fleiß und Sorgsamkeit nachzukommen, und ihr ebenso bescheidenes, wie aufgewecktes Betragen. In allen Zweigen der Gartenwirthschast werden die Lehrlinge von tüchtigen Inspektoren und Gärtnern vollständig ausgebildet, so daß sie später befähigt sind, in dem erwählten Berufe vorwärts zu kommen. Die stramme Zucht in der Anstalt im Verein mit der allen Zöglingen zu Theil werdenden freundlichen Fürsorge hat hier bereits gute Früchte getragen; eine ganze Anzahl von in der Ahlemer Anstalt ausgebildeten Gärtnern u. s. w., zweiunddreißig, hat in den letzten Jahren ihrer Befähigung entsprechende Anstellung gefunden. Uebrigens beschränkt sich die praktische und theoretische Ausbildung der Lehrlinge durchaus nicht auf das rein Gärtnerische, sie werden vielmehr auch in den wichtigsten landwirtschaftlichen Arbeiten von erfahrenen Kräften unterwiesen und praktisch geschult. Für die kleineren Knaben unter vierzehn Jahren, welche unter der Leitung sorgfältig ausgewählter Lehrer als Schüler vollständigen Unterricht in der Anstalt empfangen, ist die stete Verbindung mit der freien Natur, der fortdauernde Einfluß der ländlichen Umgebung, in welcher sie aufwachsen, ebenfalls von der größten Bedeutung; die angestrebten günstigen Wirkungen auf die Denkweise und die Neigungen der Knaben zeigen sich in den meisten Fällen schon bald nach ihrem Eintritt in die Anstalt. Einstweilen dient, soweit Neigungen für die einzelnen Zweige des Handwerks bei diesen Knaben hervortreten, besonders der Handfertigkeitsunterricht für die Schüler dazu, diesen Sinn zu mehren. Entscheiden sich die Knaben nach Beendigung der Schulzeit für den landwirthschaftlichen oder gärtnerischen Beruf, so verbleiben sie auch ferner in der Anstalt als Lehrlinge, wollen sie sich einem Handwerke zu wenden, so werden sie von der Leitung bei einem guten Meister in die Lehre gegeben. Vorwiegend ziehen die Schüler allerdings den gärtnerischen Beruf jedem andern vor. Es handelt sich hier um ein überaus wichtiges, der regsten Förderung werthes Unternehmen, in welchem die Bestrebungen seines Begründers und anderer Förderer i dieser guten Sache auf's Beste verwirklicht werden. Soll die Ausführung dieser edlen Absichten jedoch für die Dauer gesichert sein, so bedarf es weit größerem Umfange, wie bisher, der thatkräftigen, nachdrück : lichen Förderung dieses hervorragenden Werkes nicht allein durch wohlhabende Glaubensgenossen des Stif- ■ ters, sondern aus den weitesten Kreisen, ohne Unter- 1 schied der Konfession, denn das hier Erstrebte dient, mag es sich auch in erster Linie um eine der wichtigsten Aufgaben der „inneren Mission" unter den Israeliten handeln, zugleich auch der Allgemeinheit. Von dieser . Anschauung ist auch ein Schreiben erfüllt, das der hochj verdiente Leiter einer christlichen Erziehungsanstalt in ■ Hannover an den Vorstand der Anstalt Ahlem richtete, , und in welchem es heißt: „Ich möchte zuerst im Allgemeinen sagen, daß der Grundgedanke des Ganzen: i die für Ackerbau und Gärtnerei bestimmten Zöglinge! so früh wie möglich in die Anstaltserziehung aufzuj nehmen, ein sehr glücklicher und gesunder Gedanke ist. : Der ganze Betrieb bat dabei etwas so Wohlgeordnetes , und Wohlgefälliges, daß er wohl geeignet ist, nicht bloß Verständnis, sondern auch Lust zum Fach zu erwecken. : Die Lebenshaltung der Zöglinge ist, soweit wir das! bei einem flüchtigen Besuche sehen konnten, so einfach.! schlicht und stramm, daß sie durch dieselbe für den zu-! künftigen Beruf gestählt werden, und dabei machte die ganze Jungenschaar einen gesunden und harmlos! fröhlichen Eindruck. Kurz, ich bin der Ueberzeugung, > daß Sie mit dieser Anstalt ein bochnöthiges und werthvolles Werk unternommen haben." — Hoffentlich wird diese Bedeutung der Anstalt Ahlem kn Zukunft in immer weiteren Kreisen erkannt und gewürdigt. Eine Bethätigung solchen Interesses — möge es sich min durch thatkrästige Förderung dieser Anstalt oder j auch dadurch zu erkennen geben, daß noch an anderen > geeigneten Orten gleiche Anstalten zur Erziehung und , Heranbildung israelitischer Knaben für die landwirthj schriftlichen Berufe, für das Handwerk ins Leben ge-! rufen werden - würde von segensreichen Folgen be-! gleitet sein.!- Cassel, 12. Dez. Heute vor 25 Jahren entstand der hiesige Verein „Israelitische Brüderschaft" (Chewro | gmillus chasodim). Ans diesem Anlaß wurde das i 25 jährige Stiftungsfest heute gefeiert. Abends j 7ss Uhr versammelten sich außer den Vereinsmitj gliedern die geladenen Ehrengäste und Deputationen I des mesigen israelitischen Krankenpfleger-Vereins, Vorsteheramts, der Humanität und der Gemeinde- ' Aeltesien. Zuerst nahm der Vorsitzende des Vereins.; Herr Jacob Goldbera, das Wort, indem er die Grün! düng und Thätigteit des Vereins heroorhob. Als i Gründer bezeichnet derselbe die Herren Aron Loewem ' stein, Samuel Oppenheim, Rudolf Rosenbaum, Moritz Rosenbaum, Louis Rosenbaum und A. Nußbaum. In den Vorstand wurden alsdann am 31. Okt. 1874 die Herren H. Schwarzschild, A. Nußbaum, L. Rosen baum, A. Loewenstein und Jacob Goldberg, und in die Kommission die Herren Matthias Rosenberg,