Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 101-102 (21.12.1899)
- Date
- 1899-12-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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2096 seines glänzenden Talentes und gelangte dann nach München, wo er in dem bekannten Hause Landauer zunächst als Buchführer, bald aber als inniger Bertrauter und Freund, sowie als Vertreter des Oberhauptes dieses Hauses wirkte. Schon damals ging in Bayern der Name des großen Talmudgelehrten von Mund zu Mund, wechselte R. Wolf Jsak Responsen mir den Heroen der jüdischen Gelehrtenrepublik; er, der Kaufmann und Jüngling mit greisen Rabbinen. Man wußte nicht, ob die Chochmah in ihm die tiefe Jirah, oder umgekehrt, übertreffen. Diese Harmonie von Wissen und Leben war eine Erscheinung. Nach verschiedenen Wechselfällen gelangte er nach Köln, wo er im Verein mit Brüdern ein Geschäft begründete. Wenn je, so bewährte sich hier das wahre „Schewes Achim". Das Bureau dieser Brüder war ein Beth Ha-Midrasch. Hier standen neben den Hauptbüchern des Geschäfts die Hauptbücher des Lebens, Thora und Talmud; und die heiligen Folianten lvaren ihnen theurer als jene. Die Geschäftskunden unterbrachen oft genug die lebhafte, gelehrte Auseinandersetzung; ebensoviel Zuspruch wie die käuflichen Maaren fand das kostbare, hier aufgespeicherte, unveräußerliche, köstliche Gut der heiligen Thora. Denn jeder Freund der jüdischen Wissenschaft, ob reich ob arm, ob hoch ob niedrig, nahm seinen Weg vom Bahnhofe Cöln in das Comptoir Rabbi Wolf Dünner's. Dort fand er in iiberfließender Fülle, was er suchte für den Hunger des Leibes und der Seele. Von der Art der Zedokoh dieses Großen in Israel zu sprechen, das widerstreitet gegen die Ehrfurcht vor dem Theuren. Davon erzählen und werden erzählen die armen und ärmsten Talmide Chachochim, welche, Kinder seines patriarchalischen Hauses, Geist und Herz dieses Herrlichen kennen und schätzen gelernt haben. Nur bewährte und wirtlichem wagten es mit 2X7" ernstlich zu disputieren. Jede Abweichung und Entgleisung von der Wahrheit konnte den in diesem Punkte leicht Erregbaren, erzürnen, zumal er es als Beleidigung der heiligen Thora betrachtete, in der Auslegung der Worte unserer Chachonim fehlzugehen oder sie zu mißdeuten. Wie sollte dies auch anders sein bei einem Manne, der Schaß und Poßkim wie ein Souverän beherrschte und die Rischonim und Acharaumm bis zur gestern erschienenen Response im Kopse trug; wie anders bei einem gottbegnadeten Gedächtnis, das niemals etwas vergessen konnte, was sich ihm einmal eingeprägt hatte und dessen Adlerblick eindrang in die geheimsten Fächer der heil. Wissenschaft. Kein Wunder also, wenn Gedole Ha-Dor, wie R. Jizcho! Elchanan Spector und R. Jakob Ettlinger u. v. A. an ihn, wie an einen Ihresgleichen schrieben' Und er war und blieb der schlichte .Kaufmann. Wohl ihm und Heil ihm, daß er nie in die Lage kam, sein Wissen benutzen zu müssen smpr! .'Viele, viele Nächte opferte er seiner heißen Liebe zur Thora; unermüdlich war er und seine Partner mußten oft genug bitten, sie zu entlassen. Ja, es war eben eine jener herzlichen Gestalten, die. wie aus alter Patriarchenzeit, in unsere arme, kalte Zeit hineinragen und wie verlorene Posten auf einsamer Höhe stehen. Er aber stand nicht einsam. Kamen auch wenige ihm gleich. Viele bewunderten ihn. Und wie sah sein nicht minder großer Bruder in Amsterdam aus ihn in liebevoller Bewunderung; wie sein ganzes Haus, das er mit und für Gott gebaut und durch Eheverbindungen mit edlen Töchtern, durch Frömmigkeit und Gottesgelehrtheit geadelter Häuser geweiht hat; wie seine Kinder, seine hochangesehene große Familie nah und fern.!! Sein allzufrüher Tod bedeutet in der That einen schweren Verlust für das Judenthum unserer Zeit. Denn es ist an solchen Trägern der Thora-Krone allenthalben kein Ueberfluß. Um die Gesammtheit hat sich der edle Mann bleibende Verdienste erworben. Er war Mitgründer und feuereifriger Förderer der Kölner orthodoxen Gemeinde, nachdem er in der Großgemeinde daselbst eine erste Rolle gespielt hatte; er war ebenso Mitbegründer des Lehrerseminars, als dessen Curatvr er in heißem Bemühen wirkte; er war überhaupt eine ragende Säule des strenggläubigen Judenthurns, an dessen eisernen Fond er nicht die leiseste Berührung duldete und für dessen stetig erstarkende Größe sein gutes, frommes Herz so tiefwarm empfunden hat. Wenn wir nun in lauter Klage rufen: 'rrn bv nv-xb -ytei >n£*tfc>, so dürfen wir mit ungeschmälerter Inbrunst und tröstend sagen: N2i2^> p'nic ->27. Rabb. Dr. David Feucht vd an g. ,Den Nachruf, den der Rabbiner der Synagogengemeinde zu Köln, Herr Dr. Ludwig Rosenihal dem Heimgegangenen gewidmet hat, werden wir in einer späteren Nummer zum Abdruck bringen. Red.) Aeitttttg-nachrichten unv Eorrespo«derrre« Deutschland. Berlin, 13. Dez. Geleitet von der edlen Absicht, die jüngere Generation jener jüdischen Kreise, in denen nock> heute der Kleinhandel, insbesondere der Hausierhandel, vor allen anderen Erwerbsarten bevorzugt zu werden pflegt, diesem Herkommen zu entfremden und zürn Gartenbau, znm bäuerlichen Kleinbetrieb und zum Handwerk, überhaupt zur „produktiven Arbeit" zurückzuführen, hat in? Jahre 1.893 Konsul Simon in Hannover mit einer Spende von 200 000 dl eine Anstalt in's Leben gerufen, in der israelitische Knaben und Jünglinge in allen Zweigen der Landwirthschaft, besonders im Gartenbau, ansgebildei und die betreffenden Knaben schon von der Schule aus in Verbindung mit Gartenbau und Handfertigkeit erzogen werden, um dadurch Lust und Liebe für diese Berufe in ihre Herzen zu pflanzen: die Israelitische Erziehungsanstalt in Ahlem bei Hannover. Diese Anstalt, welche im Jahre 1896 die Rechte einer juristischen Person er-