Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 101-102 (21.12.1899)
- Date
- 1899-12-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448953-2449047--49711-2500156- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
M101 & lOÜ Jer Israelit. Ci» gentrat-Hrgan für das ortyodore Iudenlyum. Begründet von »f. felwtnn ti ttUini Donnerstag, de« 21. Dezemder SSS0 (lSVV). Unsere^achste"Nummer ^sche^nt Donnerstag, 28. Deeember. Da mit dem 1. Januar 1900 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1900 eingetragen unter Nr. 3863. Neu eintretende Abonnenten (Postabonnenten gegen Vorlage der Postquittung) erhalten das Blatt bis Ende dieses Monats gratis. Nur noch einmal erscheint der »Israelit" in diesem Kalenderjahre. Wir bitten deshalb um rechtzeitige Neubestellung bei dem i» Frage kommenden Postamte. Leitender Artikel. Wolf Dünner “1"*. Nikolsburg, 15. Dez. Es ist sonst nicht Gebrauch, einem schlichten Kaufmann an dieser hervorragenden Stelle einen Nachruf zu widmen, Ausnahmefälle erklären die Abweichung vom Gebrauche. Jüngst geschah es bei dem verblichenen Oheim des Schreibers dieser Zeilen, Isaak Hirsch in Hannover, diesem herrlichen Jehudi und würdigen Sohne des großen R. Samson Naph. Hirsch. Heute gilt es dem Schwiegervater des Schreibers, R. Wolf Jsak Dünner in Köln. Zur seelischen Erbauung und als leuchtendes Vorbild eines von tiefgründiger Gottesfurcht, reinstem Menschenadel erfüllten Lebens, das getragen war von einer aller Schilderung entrückten und an das Märchenhafte grenzenden Kenntniß der gesammten heiligen Litteratur Israels, mögen dem herrlichen Manne einige Worte des Nachrufes gewidmet sein, dem mit Fug und Recht der stolze Ehrentitel eines Gaon olam gegeben wurde, welchen er allerdings niemals annahm und keinem verlieh. Rabbi Wolf Jsak Dünner wurde im Jahre 1836 in Krakau seinen schlichten, frommen Eltern als zweiter | Sohn geboren. Glückliche und traurige Tage fah dieses wackere Elternpaar. Sein ungetrübtes Glück jedoch war der nie unterbrochene, still ergebene Gottesdienst. Diesem wurden auch die Knaben gewidmet, es waren ihrer vier, welche fcen der Vorsehung so geleitet wurden, daß der älteste heute Oberhirte wohl einer der herrlichsten Judengemeinden Europas ist, und zwei andere als biedere Kaufleute ein frommes Leben führen. Wolf Jsak war, gleich seinem Bruder Joseph, das Wunder und Ergötzen seiner Jugendlehrer. In der damals von Schristkundigen erfüllten Ir we-em bejisroel in Krakau waren die Knaben zur Berühmtheit gelangt; die Talmudkämpfe, welche die zarten Knaben in den Lehrhäusern mit gewiegten Talmudisten auskämpften, waren sensationelle Ereignisse. Kaum bar mizwah, verließ Rabbi Wolf die Vaterstadt, von seinem guten Vater, den er nie wieder sah, inbrünstig gesegnet. Er zog nach Deutschland und kam auf seinen Wegen auch nach dem damals hoch gerühmten Zell, wo er als Lehrer wirkte.. So wie aus ärmsten Häusern allzeit große Männer hervorgegangen sind, so erblühte damals, wie oft genug auch heute, aus den kleinen Landgemeinden echtes jüdisches Leben. Ueberall feierte das bewundernswertste Wissen des jun gen Mannes Triumpfe. Das Gebiet des Talmuds u. der jüdischen Litteratur war und blieb sein Glanz und Glück bis an das frühe Ende. Hier war seine Heimath, sein Wohnsitz; denn die Beschäftigung mit Profanem und den Zweigen des Erwerbs war ihm durch das ganze Leben nur ein nothwendiger Zwang gewesen. Und doch ward er auch als Kaufmann hochangesehen; und durch seine beispiellose, goldene Treue und Redlichkeit in Handel und Wandel verschaffte er später seiner Firma Ruf und Klang in weitester Ferne. Auch in Hürben, wohin er zog, hinterließ er Spuren