Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 100 (18.12.1899)
- Date
- 1899-12-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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30dl trrn iibitlkfcttcn Judenthums zu einem harmonischen Ganzen vereinigen möchte. Das war der Gedanke, der seinem nunmehr bald zehn Jahre uns leider entrissenen Begründer vorschwebte, und dessen Verwirklichung das unermüdliche, gottgesegnete Schaffen und Wirken seines ganzes Lebens galt. Wie Joseph's Brüder bei dem Tode ihres Famtlienhauptes Trost und Aufrichtung in dem Bewußtsein fanden, daß Gott ihnen blieb, wenn auch ihre menschttcye Srutze ihnen schwand, so hat auch uns dieser Gedanke ausgerichtet, und uns mit dem Muthe beseelt, die der väterlichen Hand entsunkene Fahne des orthodoxen Judenthums weiter hochzuhallen und durch alle Fahrniß zu tragen. Und diese vertrauensvolle Zuversicht hat sich so glänzend bewährt, daß wir nicht in das einundvierzigste Jahr des „Israelit" eintreten können, ohne dankend zu Gott emporzublicken, „der den Müden neue Kraft giebt und die Machtlosen mit neuer Ausdauer reichlich ausftattet". Wiederum hat sich der Leserkreis des „Israelit" bedeutend erweitert, was naturgemäß auch die Wirksamkeit unserer Zeitschrift wesentlich erhöht. Je größer der Kreis ist, in welchem der „Israelit" Verbreitung findet, desto weiter reicht sein Einfluß, mag eS sich nun um den belehrenden, unterhaltenden oder denjenigen Theil handeln, der die Anzeigen zum Gegenstände hat. Wir haben es auch dementsprechend nicht fehlen lassen, durch Heranziehung gediegener Kräfte den Kreis unserer Mitarbeiter ebenfalls zu erweitern. Dem vielfach neu erwachten Interesse für jüdische Geschichte und Literatur, das in den dafür gegründeten Vereinen vielfach nur eine ungenügende, nicht selten aber eine so bedenkliche Vertretung findet, daß wir wiederholt dagegen Stellung nahmen, haben wir durch eine neue, regelmäßige, ausschließlich diesem hochwichtigen Gegenstand gewidmete Beilage zu entsprechen gesucht. — Aus allen Theilen der Erde bringt der „Israelit" Berichte über das Wohl und Wehe unserer überall hin zerstreuten Brüder und Schwestern und in alle Theile der Erde, wo nur deutschredende Juden toohnen, gelangt der „JSraelit" hin, allwöchentlich zweimal ein sehnsüchtig erwarteter Gast in Haus und Familie. Ihn unseren geehrten Lesern einen Ueberblick über die Verbreitung unseres Blattes zu verschaffen, wollen wir ihnen heute Einiges aus unseren Abbonnentenlisten verrathen. Daß der „Israelit" innerhalb des Deutschen Reiches in jedem Einzelstaate, in jedem Regierungsbezirk, ja fast in jedem Dörfchen, wenn auch nur ein Jude dort wohnt, gelesen wird, das braucht, weil allzu bekannt, nicht besonders erwähnt zu werden. Dagegen wissen aber vielleicht Viele nicht, daß der „Israeli!" frt fvlßendrii Ländern Abonnenten besitzt-. Oesterr.-Ung. Monarchie: Oesterreich, Ungarn, Galizien, Böhmen, Bukowina, Mähren, Siebenbürgen, Dalmatien. Italien, Frankreich, Schweiz, England, Rußland, Holland, Luxemburg, Belgien, Dänemark, Schweden, Rumänien. Amerika. Palästina. Egypten, Afrika, Indien, Australien. Und wie der „Israelit" räumlich überall verbreitet ist, so sucht er auch in Bezug auf die Zeit und ihre Geschichte seine Aufgabe stets zu erfüllen. Au8 der Vergangenheit und der Gegenwart des jüdischen Volkes bietet er Belehrendes und Unterhaltendes in reicher Fülle und schürzt auf diese Weise mit jedem neuen Erscheinen einen Knoten in dem Bande, das uns feit Jahrzehnten in inniger Zusammengehörigkeit verbindet. So möge denn auch mit Antritt seines fünften Jahrzehntes, es dem „Israelit" gelingen, seine alten Freunde zu fesseln und neue zu gewinnen für Gott, sein Gesetz und dessen gewissenhafte Erfüllung. Wir treten in diesen neuen Abschnitt ein mit Dank an Gott für die Vergangenheit und der Bitte um Seinen Bekstand für die Zukunft. Nächst Gott aber erbitten wtr auch von unseren alten bisherigen Freunden wie stets ihre thatkräftige Mitwirkung für die Zukunft. Wir wiederholen daher unsere schon früher gemachte' und auf fruchtbaren Boden gefallene Anregung, daß jeder Leser es sich angelegen sein lassen möge, dem „Israelit" stetsneue Leser zuzu führen. So treten wir mit der Bitte um den Beistand Gottes und um die freundliche Mitwirkung der Leser des „Israelit" in den neuen Jahrgang ein. Möge die Huld Gottes über uns walten und das Thun unserer Hände fest gründen, damit Gottes Herrlichkeit auf unserer Thätigkeit ruhen könne. 12T nrvoi 712712 12'T mwrai i2'br> n 0712 m .fB» 12'-!' mw»a nra* rrwrw pn vn .17,2212 Zeitnrrgsrrachrichleir traft Correfpottdraze«. Deutschland. Berlin. Ernst Wichert, der bekannte Dichter und Kammergerichtsrath a. D. hat einen Band Memoiren erscheinen lassen unter dem Namen „Richter und Dichter" und in diesem Buche u. A. dem Antisemitisnrus eine Besprechung gewidmet. Bei dem großen Ansehen, das Wichert genießt, erscheint es angebracht, dieselbe wiederzugeben. „So entsteht mitten unter dem Frieden ein gesellschaftlicherKriegszustand, dessen Ende Ächt ahzufehen ist und unter dem Jeder leidet." Das scheint mir die Signatur dieses letzten Viertels des Jahrhunderts zu sein. Es ist dabei noch nicht einmal an die widerwärtigste Verirrung der Neuzeit im Antisemitismus gedacht. Von allem, was ich erlebt habe, ist mir dieser