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Der Israelit · 1899-12-18 · Heft 100 (18.12.1899) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 100 (18.12.1899)
Date
1899-12-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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2080 WWW Wahn und Götzencult versunkene Welt auf der andern Seite. .-INN 12V 1*>12 O^iyn ^21 -INN 12p V.N12N Man sieht, unsere Antisemiten sind den alten Anti- Hebräern noch um eine Sprosse in der Erforschung des jüdischen Stammbaums voraus. Aber die egyptische Bezeichnung hatte wenigstens einen Sinn. WaS soll die Beschnüfselung des jüdischen Blutes bis in vor-. sündfluthliche Zeiten hinauf Gravirendes für die Epigonen des alten Sem zu Tage fördern? Die „Jbrily" waren in Wirklichkeit das, was dieses Wort bezeichnet. Ihre isolirte. eigenartige, sich mit der Umgebung nicht vermischende Haltung hatte schon, als sie noch eine einzige Familie im Lande Kanaan bildete, die Aufmerksamkeit der Welt in dem Maaße auf sich gezogen, daß dieses Land allgemein unter dem Namen „Land der Jürim" bekannt war. Die Söhne Israels hatte man, als sie von der Hungersnoth getrieben, zum ersten Male Egypten betraten, unter den vielen zu gleichen Zweck dorthin Gekommenen als „Söhne Israels" herauserkannt. c'K27J -pra 1210b bniiv ‘«21 (1. B. M. Cap. 42, 5). Als dann die ganze Familie durch eine wunderbare göttliche Fügung sich in Egypten niederlieh, mag Joseph, dieser rettende Wohlthäter Egyptens, die EgYPter wohl überzeugt haben, daß die Jsolirung der Jbrim in der That nur eine scheinbare ist, daß dieselbe sie nicht hinderte, gute Staatsbürger und treue Förderer des Staatswohls zu sein, und so entwickelt sich für die eingewanderte Jakobsfamilie ein erfreuliches Verhältniß. Besonders imponirte Jakob, das greise Haupt der Hebräersamilie, Pharao und dem ganzen egyptischen Volke, wovon die vielen Beweise aufrichtiger Trauer beim Tode Jakobs ehrendes Zeugniß ablegen. Dabei hatte Jakob keine Gelegenheit vorübergehen lassen, seinem Haufe und selbst dem Könige gegenüber zu betonen, daß er weit entfernt sei, Egypten als seine zweite Heimath anzusehen, daß er vielmehr nur vorübergehend in Egypten weile, und daß er nicht einmal seine Leiche in egyptischer Erde, sondern in dem Boden seiner Väter bestattet wissen wolle. Jakob starb. Auch Joseph folgte ein halbes Jahrhundert später seinem Vater nach, nicht ohne den verwaisten Brüdern die Mahnung zu hinterlaffen, auch seine Gebeine mit sortzunehmen, sobald Gott seinen den Heimgegangenen Vätern geleisteten Eid erfüllen und die Enkel wieder in ihre Heimath zurückführen' werde. Josephs Tod änderte plötzlich die ganze Lage der inzwischen zu einem ansehnlichen Volke angewachsenen übrigen Eingewanderten. Achtzig Jahre lang war Joseph, der sremde Hebräer, König Egyptens gewesen, hatte die ganze väterliche Familie in seine Nähe gezogen. hätte das ganze Volk vom Hungertode gerettet, hatte Egypten zur Kornkammer der ganzen alten Welt gemacht, den egyptischen Boden als Grundeigenthum dem Staate erworben, eine solche Äerjudung des egyptischen Staates, mußte den Vollblut-Egyptern längst unerträglich sein. So lange Joseph lebte, konnte die Unerträglichkeit sich nicht wohl Luft machen, aber kaum hatte man ihn mit allen Ehren eingesargt, so folgte auch der verhängnißvolle Wechsel. Daß Joseph durch und durch Joseph bis zu seinem letzten Athemzuge geblieben war, konnte seiner egptischen Umgebung kein Geheimniß sein. Wenn nun die ganze übrige Familie ebenfalls ihren väterlichen Ueberlieferungen treu, sich nicht mit egyptischer Sitte und Unsitte amalgamirte, so mochten die egyptischen Anii-Hebräer dies nur der Abhängigkeit von Joseph zuschreiben. Mit Joseph's Tod mochten aber auch sie die Zeit gekommen glauben, in welcher Sem und Ham sich die Hand reichen und so die Sonderstellung der Hebräer aufhören werde. Darin hatten sich die Herren Hamiten verrechnet. „Joseph starb im Alter von 110 Jahren; man balsamirte ihn ein, und er wurde in einen Sarg in Mizrajim gelegt. Und dieses sind die Namen der Kinder Israels. Dieses „Und" am Anfänge des die Geschichte Israels einleitenden zweiten Buches bildet den ungemein charakteristischen Uebergang zwischen dem ersten und dem zweiten Buche, zwischen der Geschichte der Jakobs- Familie und derjenigen des Jakobs-V 0 l k e s. So folgenschwer auch der Wechsel sein mochte, den Joseph's Tod dem äußeren Geschicke seiner Hinterbliebenen Brüder brachte, ihr inneres Wesen blieb davor unberührt, sie waren auch dann dieselben Söhne Israels geblieben. rftria ivnnr» Dpe bs ro« *21 -0« mstv >1^ C‘J*»Kin bv n2v 5]*trn rrctr [kd f,hi v'Enin bv .(«einjjn s>iivr Nicht Joseph, ihr Gott war es, dessen Dient! ihnen ihre isolirte Stellung auferlegte, und wenn auch Joseph gestorben und ihnen so ihr mächtiger Schutz entzogen war, so lag für sie darin keine Veranlassung, ihr Vätererbe muthlos preiszugeben-. Joseph war tobt, aber ihr Gott lebte. .Mpi" Bni») ns nb cnrVx, r>w v bt sjp" n»r Daß es zwischen dem Leben der Familie und des Voltes keinen Unterschied giebt, daß nach jüdischer Anschauung das Volt nichts alsder erweiterte Familienkreis ist, daß ein und dasselbe Sittengesetz für beide gilt, dies und noch viel mehrals das spricht die Verbindung aus, welche der erste Buchstabe des zweiten Buches der Thora mit dem abgeschlossenen ersten Buch? vermittelt. Dieselbe Verbindung der jüdischen Familie und jedes einzelnen Gliedes mit der großen Gesammtheit ist die Aufgabe, die sich der „Israelit" seit vierzig Jahren gestellt hat. Er ist das Bindeglied, das die einzelnen und vereinzelten Kreise der großen jüdischen Diaspora unter dem Banner des einzigen, wahren, von den Bä-

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