Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 99 (14.12.1899)
- Date
- 1899-12-14
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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2074 Scherbel-Gumbinnen. Redner, ein im ostpreußischen Schuldienste ergrauter Lehrer, gab aus dem Schatze seiner Erfahrung bedeutsame Fingerzeige für die rechte Art der schweren Kunst, in der Religionsschule Zucht zu halten. Der Redner vertrat im Ganzen den Standpunkt, daß in der Religionsschule nur die milden Zuchtmittel in Anwendung gebracht werden dürfen, und daß des Lehrers ernster Eifer, sein klarer, anschaulicher Vortrag, seine interessante Behandlungsweise des Unterrichtsstoffes, sowie endlich die Verinnerlichung des Gelernten für die Gewinnung einer geordneten Zuck: in der Religionsschule die besten Mittel seien. Der Vortrag wurde mit vielem Beifall ausgenommen. Den Vorträgen folgten zwei Lehrproben, die erste aus der syst. Religionslehre über „den Beruf Israels", gehalten von Gorczewski-Lyck, die zweite aus dem Siddur-Unterrichte über „atto kidaschto", gehalten von Samuel-Königsberg. Letztere war ganz besonders gelungen. Nach kurzem Schlußwort faßte der Vorsitzende darauf die Resultate der beendeten Tagung noch einmal kurz zusammen und wünschte, daß das an diesem Tage Gelernte, Angeregte und durch die Debatte in uns zur Reife Gelangte den Schulen und der jüdischen Jugend unserer Provinz zum Segen gereichen möge. Die Versammlung ließ durch Dr. Munk dem Vorstände und im Besonderen dem jugendsrischen „Alten" auf dem Präsidentensitze den Dank für die mühevolle Vorbereitung der gegenwärtigen Conferenz und die unparteiische Leitung der Geschäfte aussprechen. Mit einein Hoch auf den Verein schloß der Vorsitzende um Uhr Nachmittag dieVersammlung jüdischer Reli gionslehrer Ostpreußens. Tie Vereinsmitglieder waren während ihres fast zweitägigen Aufenthaltes in allen? als Gäste der Ge meinde Tilsit gehalten worden. Am Abend nach beendigter Conserenzarbeit folgte die Versainmlung noch der freundlichen Einladung des Gemeinde-Vorstandes zu einem gemeinsamen Abendessen. Vertreter des Vorstandes, der Repräsentanz und eine große Zahl Gemeindemitglieder mit ihren Damen nahmen an der Feier lheil. Herzliche Reden, die dabei gewechselt wurden, gaben Zeugniß von dem harmonisch-schönen Ber hältnisse, das hier zwischen Gastgeber und Gästen, zwischen Gemeinde und Lehrerschaft waltet. Königsberg i. Pr. A. P e r i tz, Vereins-Schriftführer. Unrill dn irr. Lehrer der fauöcscabbiöatsbtjtclic Emden nnd Oldenburg, Protokoll über die IS. Konferenz. _ __ .wV" »VNi M.-/V -- Erste Sitzung. Der Vorsitzende, Hauptlehrer A. Levy, eröffnet die Conferenz, begrüßt die Anwesenden mit einigen herzlichen Worten und wirft einen Rückblick auf die jüd. Schule und ihre Lehrer zu Anfang und zu Ende des zur Neige gehenden Jahrhunderts. Mit Dank gedenkt er der Errungenschaften der Lehrer während der Regierungszeit Sr. Majestät des Kaisers und Königs, dem er sein Hoch weiht, in das alle Anwesenden begeistert einstimmen. — Lehrer Gottschalk-Esens erhält das Wort zu seinem Vortrage über das Thema: „Stoffvertheilung des Gebetbuches auf die Glaubens¬ und Pflichtenlehren". In einem überaus sachlich gehaltenen Referate geht der Vortragende alle diejenigen Stellen durch, die geeignet sind, den systemat. Religionsunterricht, dein er Bambergers Leitfaden zu Grunde legt, durch das Gebetbuch zu ergänzen, zu vertiefen und zu beleben, und giebt dabei das von ihm in seiner Schule angewandte Verfahren an. Die Debatte, an der sich die Herren Dr. Löb, Klein, Selig, Levy, Meyer, Popper, Löwenstein und Wolkowsky betheiligen, ergiebt im Allgemeinen die Zustimmung zu den Ausführungen des Vortragenden. Um diese Arbeit für die Schulen unseres Vereins zu verwerthen, wird eine Commission, bestehend aus dem Referenten und den Collegen Löwenstein, Selig, Klein und Wolfs mit dem Aufträge ernannt, die gebotene Stoffvertheilung nochmals durchzusehen und sie im nächsten Jahre mit etwaigen Abänderungen und Zusätzen der Konferenz zu unterbreiten. Der Vorsitzende steht sich datauf veranlaßt, dem Referenten für seine fleißige, mit vielein Geschick durchgeführte Arbeit den Dank der Versammlung auszusprechen. Hierauf theilt Herr Dr. Löb als Kreisschulinspector die in jüngster Zeit für den Landrabbinatsbezirk Emden-Osnabrück ergangenen Erlasse, Ausschreiben und Bekanntmachungen mit und giebt, wo erforderlich, die nothwendigen Erläuterungen. Zweite Sitzung. Die Vereinsmitglieder und die Kinder der Oberstufe haben sich Morgens 8 Uhr in der ersten Klasse der jüd. Volksschule zu Emden versammelt. Herr Landrabbiner Dr. Löb eröffnet die Versammlung, indem er dein Lehrer Lotheim das Wort zur Abhaltung seiner Lehrprobe ertheilt. Das Thema lautete: „Unsere Pflichten als Unterthanen und Bürger". Um 10 Uhr übernimmt Hauptlehrer Levn in Nordheimers Gasthof