Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1899-12-14 · Heft 99 (14.12.1899) · page 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 99 (14.12.1899)
Date
1899-12-14
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448953-2449045--49679-2500122
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

aors mütt) bildenden Weise zu entwickeln und fruchtbar zu machen". Das geschieht am zweckmäßigsten und nachhaltigsten dadurch, daß der Lehrinhalt und die Nußanwendung für das Leben je nach dem Fassungsvermögen der Schüler von innen heraus durch Ausfragen entwickelt werden. — In der Debatte wurde zunächst von Dr. Bccrmann-Jnsterburg statt des konzentrischen Lehrganges empfohlen, auf der Unterstufe biblischen Anschauungsunterricht an Wandbildern, welche Scenen aus der biblischen Geschichte darstellen, zu ertheilen und dabei Merksprüche ans den Psalmen zu verwenden. Auf der Mittelstufe sotten biographische Skizzen und Eharalterbilder ohne sonderliche Rücksicht aus den geschichtlichen Zusammenhang der einzelnen Skizzen geboten werden. Aus der Oberstufe endlich solle die pragmatische Darstellung der biblischen Geschichte, als Geschichte des göttlichen Waltens in Israel, zur Anwendung kommen. Demgegenüber wurde von dem Reserenten ans die Schwierigkeit hingewiesen, welche gerade dieser Lehrgang in sich schließe, zumal die Lehrbücher dem Lehrer dafür gar keine Vorarbeiten bieten. Aus praktischen Gründen sei deshalb der konzentrische Lehrgang als der bestere zu empfehlen, wenngleich nicht verkannt werden soll, daß ein Lehrer auch anders zum Ziele gelangen könne. Diese Ansicht wird auch von den folgenden Rednern Dr. Olitzki, Scherbel, Dr. Munk, Gorezewski, Stürmann, Rosenkhal, Dr. Pick getheilt. Die Debatte brachte außerdem noch verschiedene Eiuzelfragen zur eingehenden Besprechung. Zum Schlüsse wurden die Leitsätze des Referenten mit großer Majorität angnommen. Es sprach hierauf Rabiner Dr. Munk-Königsberg über die Frage: „Ist es zweckmäßig, die Aufmerksamkeit der Schuljugend auf die gegen den Glauben gerichteten Angriffe zu lenken?" Die gegen den jüd. Glauben resp. den Glauben ini Allgemeinen gerichteten Agriffe zerfallen unter Auslassung der Behauptungen der Bibilkritik, für deren Erörterung die Schuljugend nicht reif sei. in 1. diejenigen, welche die biblischen Lehren über Gott als Richter betreffen, 2. diejenigen, welche die religiösen Vorschriften über das Verhalten der Juden zu den Mitmenschen und zu den Thiereu bestimmen, 3. diejenigen, welche die Angaben der Bibel über Natur und historische Ereignisse betreffen. Die Popularistrung der diesbezüglichen Erörterungen bewirke, daß fall jeder gebildete Jude von allen oder einzelnen dieser Angriffe erfahre und dieselben infolge Unkenntnis; der Momente ihrer Widerlegung für mehr oder minder gerechtfertigt halte. Redner zeigt, daß die Widerlegung von 1. und 2. in allen Punkten erfolgen könne, von 3. einstweilen erst in einzelnen Punkten. Da die Angriffe sub 3 geeignet sind, durch den Hinweis auf die unerschütterliche Autorität der Wissenschaft die Autorität der Bibel zu untergraben, so sei es nicht sowohl erforderlich, allen Streitpunkten einzeln nachzugehen, als vielmehr die Wandelbarkeit der wissenschaftlichen Standpunkte und somit die Unzuverlässigkeit und Schwäche ihrer Autorität zu zeigen, und zwar an solchen Punkten, bezüglich deren die Wissenschaft viele Jahrhunderte lang die Bibelangaben befehdet hat, um schließlich nach neuen Entdeckungen zur Auffassung der Bibel zurückzukehren, z. B. bei der Sündflut. Aus der Erwägung heraus, daß die Angriffe zum Theil schon kurz nach Schulaustritt zur Kenntniß gelangen, zuin Theil — bei Zöglingen höherer Schulen — noch während der Schulzeit, daß ferner eine offensive Polemik aus pädagogischen Gründen in der Schule unstatthaft sei, gelangt Redner zu folgenden Thesen: 1. Der jüdische Religionsunterricht soll die gegen dir Religion gerichteten Angriffe abwehren, indem er die llnrichtigkeit der gegnerischen Behauptungen beziehungsweise die Unzuverlässigkeit ihrer Voraussetzungen nachweist. 2. Die Abwehr soll einen getrennten Zweig des Religionsunterrichtes nicht bilden, sondern nur eine Richtung angeben, nach welcher sich die verschiedenen Disciplinen des Religionsunterrichtes miterstrecken sollen. 3. Die Abwehr muß stets sachlich bleiben und darf aus dem Rahmen der Defensive nicht heraustreten. 4. Die Abwehr darf nur vor gereifter Schuljugend unternommen werden. Zur Abwehr glaubensfeindlicher, philosophischer Weltanschauungen sowie der Bibelkritik wird im Allgemeinen keine Schulstufe als geeignet erachtet. — Dein Vortrage folgte eine ausgedehnte Debatte, an der sich die Herren Dr. Barnas, Dr. Olitzki, Kanter, Dr. Piek, Dr. Beermann, Peritz, Dr. Ehrlich betheiligten. Besonders lebhaft wurden die Auseinandersetzungen bezüglich der von einer Seite anempfohlenen biblisch-kritischen Behandlung geeigneter Fragen im biblischen Geschichtsunterricht. Die Versammlung vertrat im Ganzen den Standpunkt, daß solche Darlegungen principiell nicht in die Schule gehören, daß sie nur statthaft sind, soweit im einzelnen! Falle eine direkte äußere Veranlassung dafür vorliegt. I Gegenüber der von anderer Seite hervorgehobenen! Gefahr, welche eine irrige Aufassung und falsche Durchj führung der empfohlenen pädagogischen Maßnahmen in j sich schließt, betonte der Referent ausdrücklich, daß es! sich nur um Abwehrbestrebungen handle, die wiederum j nur vor den gereiften Schülern der oberen Schulstufen zur 58et't)ätx$um gebracht werden sollen. Wie bei der i allgemeinen Schule, so sei es auch Aufgabe der Relii gio:.. schule, die Schüler für das Leben vorzubereiien, und diese Forderung verlange praktische Arbeit mit festem und klarem Blick auf die Bedürfnisse und Erscheinungen des Lebens. Aus solcher Gedankenfolge! werde man die Nothwendigleit der in dem Referate; anempfohlenen Maßnahmen nicht verkennen können, j Die Leitsätze des Referenten wurden unverändert an- : genommen. i Den nächsten Vortrag von Birnbaum-Königsberg! über die liturgische und lantorale Vorbildung der Kultusbeamten dürfen wir an dieser Stelle übergehen, { da er anderweitig ausführlich zur Veröffentlichung kommen wird. Es folgte darauf ein Referat über „Die Schulzncht in der Religionsschule", gehalten von Herrn

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.