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Der Israelit · 1899-12-14 · Heft 99 (14.12.1899) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 99 (14.12.1899)
Date
1899-12-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Xi* Jahrgang. Erste Beilage M M 99 des „Israelit". Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M. Gs dürfte auch weitere Kreise interessiren, zu erfahren, daß die hebr. Vuchdruckerei und der Verlag von M. L e h r b e r g e r & C o. in Rödelheim in den Besitz der bekannten Buchhandlung von I. $1 auff m ann in Frankfurt a. M. übergegangen ist. Der Sitz und die Firma M. Lehrberger erleiden durch den Wechsel des Besitzes keine Aenderung. -Hamburg, 10 Dez. Mit Ausgang des Sabbats ist eine N2'L>n ntrx aus der Gemeinde ins bessere Jenseits übergegangen. Die treue Gattin unseres bocbberühmten Rabbi Getsch Schleßinger, die länger als 50 Jahre mit diesem zur beiderseitigen Zierde vereint gewesen, ist nach kurzem Leiden int 77. Lebenswahre von seiner Seite gerissen lvorden. Aus specielle Anordnung des trauernden Gatten wurde heute, Sonntag, Mittag 2 Uhr das Begräbnis; angeordnet, das bei großer Betheiligung und innigster Theilnahme stattsand. Der älteste Sohn, Herr Dr. David Schlesinger, sprach im Hause über die Vorzüge der edlen Frau als Gattin und Mutter vortreffliche Worte, die alle zu Thranen rührten. In der Leichenhalle zu Langenfelde hielt der jüngste Sohn, Herr Dr. M. Schlesinger, Ravbiner in Bingen, einen von tiefer Trauer erfüllten -£ n unter Anführung einiger sehr passenden Stellen ans u. Midrasch. An die Seite der im vorigen Jahre früh dahingegangenen begrub man diese ihre Freundin. Am Mittwoch findet eine Neuwahl von fünf ''Mitgliedern zum Delegirten-Kollegium des Synagogen- Verbandes statt. Die Eigenthümlichkeit der neuerdings beliebten Wahlhandlung hat die nicht gouvernementale Partei veranlaßt, Wahlenthaltung zu empfehlen. Die sogenannte Regierungspartei dürfte daher ihre noch unbekannten Kandidaten ohne Kampf u. s. w. lvohl einstimmig durchbringen. Somit wäre es gelungen, der „kleinen, aber rührigen Partei" das bisher so rege Interesse für den Svnagogen-Berband abwendig zu inachen ■--- ick fürchte zum Nachtbeil des Synagogen- Verbandes. N. B. Hamburg. Das Testament des Herrn Marcus N o r d h e i m wurde heute Nachmittag im Rathhause publirirt. Das Testament verfügt über ein Kapital von mindestens 10 Millionen Mark. Dasselbe enthält' außer Familienbestimmungen die folgenden Wohlthätigkeitslegate: Die Deutsch-Israelitische Gemeinde erhält ein Capital von 60 000 di, wovon 50 000 dl der Armencommission zufallen, während die übrigen 10 000 dt zur Erhaltung der Grabstätte des Testators und seiner Ehefrau bestimmt sind. Der Lehrerpensionsfond der Israelitischen Töchterschule erhält 10 000 dl Legate von 5000 dt erhalten die folgenden Wohlthätigkeits-Jnstitute: 1. Das Paulinenstift. Waisenhaus für Israelitische Mädchen. 2. Die Talmud-Thora-Realschule. 3'. Das Deutsch-Israelitische Waisen-Jnstitut. 4. Der Miethe-Hilfsverein. 5. Der Israelitische Feuerungsverein. 6. Der Verein zur Unterstützung armer Wöchnerinnen in der Deutsch-Israelitischen Gemeinde. 7. Der Vaterländische Frauen- Külfsverein. 8. Das Krankenhaus der Deutsch-Israelitischen Gemeinde. 9. Die Poliklinik des obigen Krankenhauses. 10. Das Altenhaus der Deutsch-Israelitischen Gemeinde. 11. Der Wohlthätige Schulverein. 12. Das Pestalozzistift. 13. Das Seemanns- Krankenhaus. Die Kunsthalle erhält ein Legat von 10 000 dt, außerdem erhält das „Siechenheim und Pflegestätte der Deutsch-Israelitischen Gemeinde" 15 000 di. Der Geburtsort des Verstorbenen, Memmelsdorf in Bayern, erhält 10 000 dl', außerdem erhält das vom Testator in Gemeinschaft mit seinem Bruder Jacob Nordheim dort.gegründete Kinderheim die Summe von 5000 ,ji und die gleiche Summe die dortige Israelitische Gemeinde zu Wohlthätigkeits -• zwecken. Die reiche Gemäldesammlung des Verstorbenen erhält die hiesige Kunsthalle. Außerdem ist das Comptoirversonal des Verstorbenen, sowie die Bediensteten desselben mit reichen Legaten bedacht. Dec gesummte übrige Nachlaß, soweit über denselben nicht verfügt ist, soll zu Wohlthätigkeitszweckeu verwandt werden. Zu Testamentsvollstreckern sind der Bruder, des Verstorbenen, Herr Jacob Nordheim. sowie Dr. Albert Wolfson ernannt worden. Das mit zahlreichen. Nachträgen versehene Testament datirt vom 1. Februar 1897. O e st e r r.- Ungar. M o n a r ch i e. TLien, 11. Dez. Der Kaiser empfing bei den heutigen Audienzen den Prager Rabbiner Dr. Kisch, oer für die Verleihung des goldenem Verdienstkreuzes danUe. Der Rabbiner bedeckte dann sein Haupt und sprach hebräisch und deutsch den Segen über den Kaiser; er sagte u. A., daß die Gnade des Kaisers allein seinen Glaubensgenossen in Böhmen in diesen schtveren Tagen Trost biete. Der Kaiser erwiderte: „Ja, Ihre Glaubensgenossen haben jetzt schwere Tage, aber es ist schon besser geworden. Ich bin sehr empört über diese Rohheiten." Dr. Kisch bat um die Erlaubnis;, diese Worte seinen Glaubensgenossen mit theilen zu dürfen, worauf der Kaiser sagte: „Ich bitte, thun Sie das?" .. '

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