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Der Israelit · 1899-12-14 · Heft 99 (14.12.1899) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 99 (14.12.1899)
Date
1899-12-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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2058 mann aus Heidelberg am 29. November in dem dichtbesetzten Saal der Loge zum Frankfurter Adler, dem Ruf des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur folgend, hielt. Die heilige Schrift, so etwa lauteten die Einleitungsgedanken des Redners, nennt Gott den Schöpfer des Himmels und der Erde — nicht als Nationalgott Israels, sondern als Gott der Menschheit. Zu seinem eigentlichen Thema übergehend, besprach der Redner die Frage, wo das Paradies gelegen habe, von welcher die Frage nach den ältesten Sitzen der Menschengeschlechter auf Erden abhängt. Ihre Entscheidung ist aus den von der heil. Schrift angeführten Namen der das Paradies einschließenden Flüsse zu gewinnen (1. Mos. 2, 11 ff.). Pischon ist altindisch Payasvan, der alte Name des Indus; Gichon (griech. Geon) die Bezeichnung des Nils, der das Land Kusch ----- Egypten bewässert; Chidekel — Diglito ist der Name des Tigris, und daß Perath der Euphrat ist, steht außer Zweifel. Das gewaltige Gebiet zwischen diesen Flüssen ist also das Paradies. Parallelen zu dem biblischen Bilde vom Paradies sin den stch bei sehr vielen Völkern. Ties vergraben im Schutt von Ninive fand sich ein Thoncylinder mit dem Bild von Baum und Schlange; und der Schlangengeist des Todes (oder der Lust) an dem Baum des Lebens wird bei den Indern von Buddha überwunden. Besonders wichtig ist die biblische Darstellung über den Ursprung der Sprache, über welchen der Menschengeist bereits seit Jahrtausenden nachgedacht hat. Die Bibel antwortet kurz und einfach: die Dinge treten vor den Menschen hin, er characterisirt ste. und wie er sie anruft, so ist ihr Name. Die folgende Erzählung von den ersten Regungen der Selbstsucht und dem Brudermord belegte der Redner mit Parallelen aus indischen Ueberlieferungen; und mit kurzer Berührung der 10 Geschlechter von Adam bis Noah (an der Zahl derselben hält er rrotz aller Hypothesen der Geologen und Alterthumsiorschung fest) wendet er sich zu einem Excurs über die Sündfluth, die bekanntlich auch von vielen anderen Völkern berichtet wird. Der Held wird dort Menes, Manas, Minos genannt; wie der Redner meint, hat der Name Noah einen Nedennamen Mansach gehabt lvgl. Richter 13, 2; Gog und Magog, Menachem und Nachum), aus welchem jene Namen abzuleiten sind. Auch die in der sog. Völkertafel (1. Mos. 10) auf. gezählten Bezeichnungen wußte der Redner zu deuten und nachzuweisen, daß unter den Söhnen Jephets die Jndogermanen zu verstehen sind, deren Zusammenfassung als einheitliche Völkergruppe erst der modernsten Wissenschaft geglückt ist. Auch die Erzählung der Bibel über Nimrod und die ältesten Staatengründungen in Babel bestätigen die Funde bei Birs Nimrod und die erhaltenen bildlichen Abbildungen des Thnrmpalastes der babylonischen Könige. Vergeblich hat man versucht, gegen die biblische Völkereintheilung Einwände geltend zu machen: die Wissenschaft hat sie bestätigt, und ste ist ebenso sicher, wie die Lehre der Bibel, daß ein Gotteswalten herrscht im Leben des Einzelnen und der Nation. Mit einem warmen Appell an die Versammlung, sestzuhalten an der Bibel und an den Traditionen der Väter („ein Volk, das seine Traditionen verleugnet, verdient nicht mehr zu existiren"), schloß der Redner seine höchst belehrenden und sehr beifällig aufgenommenen Ausführungen. Mainz. In Jezierzanij bei Czorttow will sich eine Anzahl Personen zusammenthun, um die Mildthätigkeit ihrer Glaubensgenossen auszubeuten. Einer von ihnen wird als Rabbiner unterzeichnen, um mehr Eindruck zu machen. Jezierzanij liegt nahe bei Skala, Aorczow, Kudrynce, die durch ihre Schnorrerkonsortieu bekannt sind. LLcscl, 11. Dez. Durch ein hochinteressantes Wert hat der hier wohnende, durch seine schriftstellerische Thätigkeit nicht nur in unserer Stadt, sondern weithin renommirtc Journalist und Sprachkundige Herr Simon Frankfurter die hiesige Chevro tadischo erfreut. Er hat nämlich eine Geschichte des schon seit ca. 120 Jahren bestehenden Vereins ver faßt und diesem gewidmet. Im vorigen Monat wurden die Mitglieder desselben und ihre Angehörigen, sowie andere Familien der hiesigen Gemeinde vom Vorstande der Chevroh eingeladen, um der Vorlesung de-? Wertes durch den Autor anzuwohnen. Sie füllte drei Abende aus, und der reiche Stoff, sonne die geschickte Behandlung desselben übten eine so fascinirende Wir tung auf die Zuhörer, daß der geräumige Saal des Vereins am zweiten und dritten Abende dicht besetzt war. Alles folgte mit gespanntester Aufmerksamkeit der Vorlesung, und der Autor erntete begeisterten Beifall für den gebotenen hoben Genuß. Herr Frankfurter hatte für das Wert, an welchem er über ein Jahr gearbeitet, umfangreiche Studien geinacht. So hat er sich die größte Mühe gegeben, die uralten, ver witterten Grabsteine des alten Begräbnißplatzes zu entziffern, und so werthvolle Daten cufs Licht gebracht. Außerdem hat er durch sorgfältiges Nachforschen alte | werthvolle Manuscripte aufgefunden und vieles Ehr > würdige für die Nachwelt gerettet und geborgen, denn j wenige Städte mögen aus ihrer Vorzeit so bedeutende i Männer und Gelehrte aufzuweisen haben, wie Wesel. I Das Wirten dieser Männer war für Judenthum, Vateri land und alles Gute und Schöne ein umfassendes und j segensreiches. So enthält das ebenso umfangreiche,; wie gediegen und anziehend geschriebene Werk hoch-! interessante Biographien und Begebenheiten, die einen ■ eminent kulturhistorischen Werth haben, welche auch für! weitere Kreise von literarischem Interesse sein dürften.! Die prächtige Arbeit fand die allfeitige größte Aner! kennung, und ihr hat die Chevroh durch eine am-letzten | Chanukah-Abende in's Leben gerufene großartige

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