Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 98 (11.12.1899)
- Date
- 1899-12-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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2049 liS, daß alle Juden Gauner wären. Margulis versetzte Witowsky, daß, wenn man Händel mit einer Person hatte, man nicht das Recht habe, diese Angriffe zu verallgemeinern, und die Gesammiheit dafür verantwortlich zu machen. Der Oberst-Lieutenant erging sich darauf in Angriffe gegen Margulis und drohte, ihn zu schlagen. Dieser letztere reichte Klage ein. Der Vertheidiger deS Offiziers sagte in seinem Plaidoyer, daß es kein Vergehen sei, die Juden zu beleidigen; liest man nicht täglich in den öffentlichen Blättern die heftigsten Angriffe gegen die Juden, ohne daß diese Blätter verfolgt werden? Der Friedensrichter hat dies Raisonement nicht zugelaffen, indem er sich auf Artikel 139 des Codex stützte und verurtheilte Witowsky zu 10 Rubel oder drei Tagen Gefängniß. Rumänien.? Jassy. Herr Trietsch, der für sein Project, die Insel Cypern mit Juden zu besiedeln, Propaganda macht, ist auf seinen Reisen auch nach Rumänien gekommen. Während er aber in Westeuropa überall Körbe bekommen hat, haben seine phantastischen Versprechungen bei den armen verzweifelten Juden hierzulande Glauben gefunden und viele von ihnen sind bereit nach Cypern auSzuwandern, ja sie sind so eifrig dabei, daß Trietsch selber abmahnen muß. In Galatz haben sich 70 Familien zur Auswanderung vereinigt, in Jaffy hat sich sogar ein Verein Agudath Achim gebildet, der 130 Familien zählt und 50 000 Frs. Vermögen hat. Glaubt denn Herr Trietsch, daß sich mit solchen kleinen Mitteln, 400 Frs. die Familie, eine Kolonisation treiben läßt? Die armen Leute, die sich ihm anschließen, kann man nicht allzuhart beurtheilen, sie verstehen es neben nicht besser, aber es wäre zu wünschen, daß die berufenen Autoritäten diesem Treiben ein Ende machen. Türkei. § Konftairtinopel. Das Amtsblatt veröffentlicht eine kaiserliche Jrade, in welcher der jüdischen Gemeinde in Salonichi gestattet wtrv, mit den 200 000 Francs, die ihr die verstorbene Baronin Hirsch hinterlaffen, ein Krankenhaus im modernen Style zu erbauen und da das Grundstück, auf dem der Bau aufgeführt werden soll, schon erworben wurde, so wird mit dem Bau unverzüglich begonnen werden können. Afrika. Marokko. Die Correspondenten des Central- KomiteeS der „All. isr." theilen eine ganze Anzahl der schrecklichsten Attentate mit, die an den Israeliten begangen wurden. (Fünffacher Mord von Ouazzan.) Ouazzan ist eine Stadt von 20 000 Seelen, drei Tagereisen von Tanger entfernt. In einer der Stadt benachbarten Gegend, in Mzguilda — am selben Ort, wo vor mehreren Jahren drei Israeliten ermordet wurden — wurde ein neues Verbrechen begangen. Am 27. Tamus (5. Juli) befanden sich fünf Israeliten, von denen drei Brüder waren, Hausirer von Beruf, in diesem Dorfe, als sie von Arabern überfallen wurden, die sie alle fünf löteten. Der Grund des Mordes ist offenbar Raub. Der Schrecken, den dieser Mord in Ouazzan verbreitet, ist groß. Die unglücklichen Juden dieser Stadt, die meist Hausierer sind, wagen nicht mehr, ihr Viertel zu verlassen, aus Furcht vor demselben Schicksale, das ihre Glaubensgenossen gehabt; sie sind buchstäblich in dem Mellah eingeschlossen. Die Junta, von ihrer Lage benachrichtigt, hat versucht durch ein Gesuch an Sidi Mohammed Torres, Minister der auswärtigen Angelegenheiten des Sultans, Htlfe zu schaffen und durch Bestrafung des Urhebers des Verbrechens Gerechtigkeit walten zu lassen. Aber Sidi Mohammed Torres hat erklärt, er sei wehrlos gegen die Mörder von Mzguiloa und zeigte sich zurückhaltend über die Ausführung der Befehle, die er den Lakalgemeinden geben könnte. Das Central-Komitee seinerseits hat die Aufmerksamkeit des Ministers von Frankreich in Tanger angerufen und gebeten, zu Gunsten der Israeliten seinen Einfluß geltend zu machen. — (Eine Bastonade von 700 Schlägen.) Ein Jude, Namens Moses Suessia, war ausgegangen, um seine Maaren in einem Dorfe zu verkaufen, das nahe bei Mazagan lag. Nachdem er einem Araber ein Paar Pantoffeln übergeben hatte, forderte er von ihm den vereinbarten Preis. Der Araber weigerte sich zu zahlen, und wurde nun von dem jüdischen Hausirer bei der Localbehörde angeklagt, die nichts Besseres zu thun fand, als dem Juden 700 Stockschläge geben zu lassen. Der Zustand, in welcher dieser nach Mazagan gebracht wurde, ist schwer zu verstehen. Der Unglückliche mußte mehr als einen Monat im Bette liegen. Die Juden von Mazagan waren natürlich über eine derartige Behandlung aufgebracht. Nachdem man osftziel von Beamten den Gesundheitszustand des Opfers hatte feststellen lassen, tvaten sie Schrille beim Gouverneur von Mazagan. Dieser zeigte sich über solche Akten aufgebracht, forderte den Urheber der Sache zu sich, entließ ihn aber wieder unbestraft. Ein Weinrausch hatte dies Wunder vollzogen. Sussia wandte sich nun an die Junta von Tanger, die wie immer sich beeilte, Schritte beim Sidi Mahamed Torres zu thun. Dieser sandte dem Gouverneur Mazagan einen Brief, in welchem er sehr streng seine Haltung verurtheilte; er erinnerte