Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 98 (11.12.1899)
- Date
- 1899-12-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2448953-2449044--49652-2500094- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XJt* Jahrgang. Beilage zu M 98 des „Israelit". Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen Oesterr.-Ungar. Monarchie. Nikolsburg, 19. Nov. Es wird wohl kaum eine Gemeinde geben, woselbst das Studium der heiligen Schriften so intensive Pflege findet, wie dies gottlob bei uns der Fall ist. Seit den ältesten Zeiten existirt hier eine dtp man. in welcher von gefehlten Männern die goldein n Worte des Talmud dem Publikum erschlaffen werden. Der alles nivellirende Geist der Neuzeit verschonte auch unsere Gemeinde nicht; nur noch ein paar Greise waren es,'welche sich glücklich einfanden, um im hiesigen tmon rra die Vorträge anzuhören. Dem hiesigen Rabbinars-Äff ffor, dem fast 90jährigen Joseph Knöpfelmacher gebührt das Verdienst, daß derselbe trotz der geringen Frequenz, wenn auch nur mündlich seine Vorträge hält und semer Ausdauer ist es auch zuzuschreiben, daß sich die vV man nicht auflöste. Schon im letztverflosienen Jahre zeigte sich der Umschwung zum Bafferen, welcher sich dadurch äußerte, daß die Zahl der Zudörer durch Beitritt jüngerer Kräfte eine wesentliche Vermehrung erfuhr. Ein unvermuthetes Cceigniß jedoch schien der Sache eine schlechtere Wendung zu geben. Der greise Mann *waKotoßßwp pjdi» n am wurde überfahren und die Folgen dieses unglückliche Ereignisses waren, daß dieser würdige Greis kopfleivend wurde und daher auf Anrathen der Aerzte die Vorträge aufgeben mußte. Wenn auch Dank der kräftigen Constitution das Leiden bald b-hoben wurde, so hielten es doch feine Freunde mit Rücksicht auf das hohe Alter angezeigt, ihm die Abhaliung weiterer Vorträge abzurathen. Da machte sich unser Rabbiner Dr. David F e U ch t w a n g n erbölig, die Stelle des Herrn Knöpfelmacher zu vertreten, und thut dies trotz seiner Ueberbürdung in der besten Weife. Die Zuhörer i2 an der Z chl bestehen aus den verschiedensten Altersstufen aus Greifen, Männern und Jünglingen, gegenwärtig wird der vierte Abschnitt aus rrc*a mdö gelehrt. Jüngst begab sich eine Abordnung der in hiesigen Geschäftshäusern angestellten Jünglmge zum Rabbiner Dr. David Feuchtwang, um ihn zu bitten, sie wöchentlich mit dem kommenden Wochenabschnitte und deffen Commentare vertraut zu machen; auch dieser Bitte willfahrte Dr. Feuchtwang, trotzdem er durch Unterricht im Gymnasium, in der Volksschule, wie in der man dtp vollauf beschäftigt ist : Es ist als ein wahres Glück zu bezeichnen, daß; wir einen Rabbiner haben, deffen ganzer Lebenswandel die Verb reu ung des Gottesworlcs ist; es ist aber auch das Bestreben der Jünglinge, die früher der Lehre unserer heiligen Schrill apathisch gegenüberstanden, als die aufsteigende Morqenröthe zu bezeichnen, welche anscheinend eine beffere Zeit bedeutet. Noch eines Ereignisses muffen wir erwähnen, welches beweist, daß es mitunter hochgestellte Christen gibt, welche Jnlereffe für bte jüdischen Schriften empfinden. Der hiesige Fürst Dlttrichstein, Flugeladjutant unseres Kaisers, hat in seiner Leihbibliothek auch hebräische Werke. Um nun deffen Inhalt kennen zu lernen, ließ er unseren Rabbiner Dr. David Feuchtwang kürzlich einladen, bei ihm zu erscheinen, um ihm Aufschluß über die erwähnten Bücher zu geben. Derselbe sprach auch alsbald bei ihm vor und es entwickelte sich eine lebhafte Disputation, in deren Verlauf der Fürst zeigte, daß auch er, merkwürdig genug, in der jüdischen Literatur bewandert ist, wobei auch derselbe ein staunenerweckendes Interesse an unseren heiligen Schriften an den Tag legte. Sollen wir diese angeführte Thalsache als die Strahlen einer lieblich untergehenden Sonne, oder als ein hoffaungSfreudigeS Morgenroth bezeichnen? Gott weiß es. England. London, 4. Dezember. Gestern fand in der Central-Synagoge der israelitische Militärgottesdienst statt, der alljährlich am Festtage der Maccabäer-Siege abgebalten wird. Etwa 200 israelitische Soldaten und 20 Offiziere, die zusammen unter dem Kommando des Oberstlieutnant de Lara Cohen standen, wohnten der Feier bei. Die Mehrzahl derselben gehörten den Freiwilligencorps an, aber auch die reguläre Armee war vertreten, man sah Artilleristen, Gordon-Hochländer, und selbst die Krim-Medaille war zu bemerken. Der Rabbiner der Synagoge von Walworth, F. L. Cohen, der zugleich das Amt des israelitischen Militärgeistlichen in Aldershot versieht, hielt von der mit dem Union Jack geschmückten Kanzel aus die Festpredigt. Er erwähnte in der Predigt, daß gegenwärtig 200 jüdische Soldaten in Südafrika kämpften und daß bereits 1847 jüdische Freiwillige bei der Vertheidigung der Kolonie Natal ihr Leben geopfert hüten. Am Schluffe des Gottesdienstes verlas der Oberrabbiner Dr. Adler ein besonderes Gebet für die britischen Truppen in Südafrika. Rußland. Moskau. Eine sehr kuriose Angelegenheit ist vor dem Friedensrichter in Lutchinetz, Gouvernement Patolsk, soeben verhandelt worden. Oberst- Lieutenant der Reserve, Witowsky, erklärte eines Tages in Gegenwart eines Juden, Namens Margu-