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Der Israelit · 1899-12-11 · Heft 98 (11.12.1899) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 98 (11.12.1899)
Date
1899-12-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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2041 in Erstaunen, der je das Glück ijatte, sich mit ihm zu unterhalten. Die Beerdigung, welche heute Nachmittag i/23 Uhr stattfand, war eine imposante und für die hiesigen Verhältnisse ganz außergewöhnliche. J:n Hause selbst sprach Herr Rabbiner Dr. N o b e l in bekannter Meisterscbaft, war jedoch von Schmerz derartig überwältigt, daß er seinen Nachruf kaum zu Ende führen konnte. Auf dem Friedhofe widmete zunächst Herr Gemeinde-Rabbiner Dr. R o s e n t h a l dem Verstorbenen b'x herrliche Worte des Abschiedes. Er knüpfte an den Satz der kommenden .rno nmjo nti m b 1 s an und führte aus, wie der theure Verblichene b"x die nm;o nur in ans — sib p» •To — gefunden hat. In tief ergreifenden Worten verabschiedete er sich dann von ihm als Rabbiner, Freund und Schüler. Dann ergriff der Bruder des Verblichenen ‘n , Herr Qbberrabbiner Dr. Dünner '"3 aus Amsterdam, das Wort. Mit Bezug auf Prophetenwort des Esekiel "]b npb '-m njrt icno n« drückte er den Schmerz aus, der ihn und feine ganze Familie durch den Tod des Bruders getroffen habe. Wie sehr die jüdischen Gelehrten den Verstorbenen zu schätzen wußten, das bewies, so bemerkte der Redner, der berühmte Rabbi Akiba Lehren, der Rabbi Wolf Dünner in seinen jungen Jahren gesprochen und von dem Wissen des Mannes geradezu entzückt war. Ihm, dem Redner, wären in seinem Leben nur zwei Männer von wirklich immensem jüdischen Wissen begegnet, und zwar der bekannte Rabbinowitz, der Verfasser der c.'ibib ’pvtpn und der -npn pnji. In wahrhaft erschütternder Weise sprach dann ein Schwager des Verblichenen, Herr Oberrabiner Wagenaar aus Arnheim. Einige Abschiedsworte widmete dem Verstorbenen sodann noch Herr Rabbinatskandidat Lasar Dünner, ein Neffe des großen Todten. Zum Schluß sagten Herr Dr. Braunschweig aus Würzburg tief ergriffen und mit thränenerstickter Stimme dem verstorbenen Schwager ein letztes Lebewohl. Inzwischen war es Abend geworden, und die Beerdigung mußte vorgenommen werden. Unter den Trauernden bemerkten wir noch Herrn Ettlinger aus Karlsruhe, Herrn Seeligmann aus Amsterdam u. m. A. Der Schwiegersohn, Herr Landesrabbiner Dr. David Feuchtwang aus Nikolsburg, konnte der großen Entfernung wegen nicht rechtzeitig hier eintreffen. Möge der msT des theuren Dahingeschiedenen seiner geehrten Frau — ein b'r rwx im strengsten Sinne des Wortes — seinen Kindern und brriL" bj beiftehen! I. M.t. Mainz, 6. Dez. In den städtischen Schulvorstand, in dem seither nur die katholische und die evangelische Geistlichkeit vertreten war, werden nunmehr zufolge Verfügung der Regierung auch der israelitische und freireligiöse Geistliche als stimmberechtigte Mitglieder eintreten. Königstein i. T., 8. Dez. Einen schweren Verlust hat unsere Kultusgemeinde zu beklagen. Am Freitag den 24. v. Mts. verschied die Gattin unseres langjährigen Lehrers Herrn I. Thalheimer im Alter von 58 Jahren. Ihre gesetzestreue Gesinnungs- und Handlungsweise, ihre häuslichen Tugenden, ihr schlichtes, bescheidenes Auftreten stempelten sie zu einem Biederweibe und verschafften ihr hohe Achtung in ihrem Bekanntenkreise. Ihre Mußezeit widmete sie dem Taurohstudium. Diese Lernbeflissenheit verdankte sie ihrem gottesfürchtigen Vater, dem berühmten Reb' Schmuel Jgstädter , Rabbiner in Wiesbaden und zuletzt Klausrabbiner in Hamburg. Möge der allbarmherzige Weltenlenker den schwergeprüften Gatten und die halbverwaisten Kinder in unserer heiligen Religion lindernden Trost finden lassen. Lobsens, 6. Dez. (Von der jüdischen Gemeinde.) Seit etwa 10 Jahren befindet sich die hiesige jüdische Gemeinde ohne Rabbiner, weil sie wegen ihrer geringen Zahl nicht im Stande ist, einen solchen zu besolden. Die Andachten werden daher nur von einem Kantor abgehalten, während zu Trauungen und Beerdigungen die Rabbiner der größeren Nachbarstädte herangezogen werden. Jetzt hat sich die jüdische Gemeinde dem israelitischen Gemeindebunde der Provinz Posen angeschlossen. welcher bezweckt, solchen Gemeinden von Zeit zu Zeit einen Rabbiner zur Abhaltung des Gottesdienstes zu senden. In der hiesigen Synagoge findet der erste oerartige Gottesdienst am 23. d. Mts. statt, der von dem Rabbiner Dr. Walter aus Vromberg, einem geborenen Lobsenser, abgehalten wird. Mülhausen i. E., 7. Dez. Wenn auch im Allgemeinen die Verhältnisse hier bezüglich unserer heil. Religion sehr viel zu wünschen übrig lassen, wie Sie dies in Ihrem geschätzten Blatte des Oefteren erörtert, so freut es mich, auch einmal Gutes berichten zu können. Seit 1895 besteht hier ein „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" , der sich trotz mancher entgegentretender Schwierigkeiten sehr gut entwickelt hat und während der Wintersaison jeweils eine rege Thätigkeit entfaltet. Als zweiter Redner der Saison erschien gestern Abend unser allverehrter Freund, Herr Rabbiner Dr. Cohn aus Basel, der über die Reformbestrebungen der Juden der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sprach. Der Referent, der schon zweimal hier gesprochen, steht hier in gutem Andenken, denn er wurde bei seinem Eintritt in den Saal mit großem Beifall empfangen. In gedrängter Kürze, soweit mich mein Gedächtniß nicht im Stiche läßt, will ich den ungefähren Inhalt dieses sehr zeitgemäßen aber hochinteressanten Themas zu Papier bringen.

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