Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 94 (27.11.1899)
- Date
- 1899-11-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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MWWWWWWWWWWWWMIWWWMV^M!!^ 1953 Schwierigkeiten hervor, die sich gerade dem Unterrichte in der jüd. Religion entgegenstellen; es sei wegen dieser Schwierigkeit unsere Pflicht, die Methode dieses Unterrichtsgegenstandes zu verbessern und zu vervollkommnen. Nachdem Herr Wildberg sich sür die freundliche Einladung und Begrüßung bedankt und das Interesse betont hatte, das die Schulkommission an den Bestrebungen der Lehrer nehme, erhielt Kollege Sulmann das Wort zur Begründung der Methode seines Unterrichts. Seine Ausführungen veranlaßten eine lebhafte und anregende Diskussion, als deren Quintessenz die Aufstellung folgenden Lehrganges für den Unterricht im Pentateuchübersetzen auf der Mittelstufe sich ergab: 1. Vorbereitung: a Erwecken des Interesses durch kurze Inhaltsangabe des Durchzunehmenden; i) Lesen des Pensums. 2. Darbietung: a Aufsuchen der bekannten Wörter und Anschreiben der unbekannten Wortstämme'; b abschnittweises Vorübersetzen jedes Verses. 3. Einübung: a Einprägen der unbekannten Wörter; b versweises Nachübersetzen einzeln und im Chore. 4. Grammatische Uebungen: Mehrzahlbildung, Suffixe, Abänderung des Hauptwortes. Nunmehr erstattete der Unterzeichnete den Bericht über die vorhergehende Konferenz, gegen welchen von keiner Seite Einwendung erhoben wurde. Auf Wunsch des Kollegen Se e lig—Siegburg wurde alsdann beschlossen, die nächste Konferenz dortselbft abzuhalten und als Termin der 7. Januar k. Js. festgesetzt. Seelig übernimmt eine Lehrprobe im „Uebersetzungsuntcrricht auf der Oberstufe", Gut— Köln ein Referat: „Die Vertheilung des grammatischen Lehrstoffes für die Volksschule." Auf Antrag des Kollegen Salomo n—Beuel wird Punkt 4 der Tagesordnung für die nächste Konferenz zurückgestellt und sogleich in die freien Besprechungen eingetreten. Waren die Thatsachen, die hierbei zur Sprache kamen, auch nur zum geringsten Theile freudiger Art, so lieferte doch die Art und Weise, wie sie vorgetragen und behandelt wurden, den unumstößlichen Beweis dafür, daß die jüdischen Lehrer sich betrachten als eine große Familie, die immerdar bestrebt ist, für das Wohlergehen aller ihrer Glieder einzutreten und zu arbeiten. Möge diesem Streben der Erfolg nicht versagt bleiben! Der Schriftführer: S. Vogel, Köln-Ehrenfeld. -ä- München, 19. Nov. Die Verhandlung, welche am 16. d. Ms. gegen die Redakteure Schoy vom „Bayer. Vaterland" und Wenng vom „Deutschen Volksblatt" wegen groben Unfugs, verübt durch Zeitungs-Artikel „Polna in München" stattfinden sollte, wurde vertagt, weil das Landgericht nach Mittheilung des Amtsgerichts noch keinen Beschluß über die Beschwerde gefaßt hatte, welche Wenng gegen die Abweisung seiner Beweisanträge erhoben hatte. Inzwischen erfolgte eine Zustellung seitens des Landgerichtes, in welcher die Beschwerde zurückgewiesen wird. Ein neuer Termin ist noch nicht angesetzt. Im Aufträge ausländischer Blätter waren bereits behufs Berichtersta'tung mehrere Journalisten in München eingetroffen. Die ..Nowoye Wremja" St. Petersburg hatte den Herausgeber des „Ceske Zajmy" I. Husek mit der Berichterstattung betraut. Eine antisemitische Galavorstellung mit Ludwig Wenng als Haupt-Acteur wurde am 14. er. im „Restaurant zur Blüthe" gegeben. Die bekannten Lügen und schamlosen Verläumdungen kamen bei Besprechung des Polnaer Mädchenmordes natürlich wieder aufs Tapet. Wenng kritisirt das Verhalten des Landgerichtsrathes Reichenbach, der anfänglich die Untersuchung nicht eingeleitet haben soll, bezichtigte den Rabbiner Dr. Goldberg in Kuttenberg direct der Theilnahme am Wad und verweist natürlich auch darauf, daß ja der verurtheilie Hülsner ein Geständnis abgelegt habe, so daß eine Revision des Prozesses, nach der jetzt viele Blätter verlangen, nicht angebracht sei. Die bekannte Brochüre des Prager Professor Masaryk ist natürlich auch von Juden bestellte Arbeit. Wenng erging sich ferner in weiblichen Schimpfereien gegen die nicht-antisemitische Presse, besonders gegen die hiesigen ..Neuesten Nachrichten", deren Haltung „schlimmer sei und verderblicher wirke, als das Schandgewerbe der dreitausend Prostituirten, welche München beherbige." Die „Neuesten Nachrichten" reagiren hierauf nur wie folgt: „Auf den Inhalt der Auslassungen Wenng's, den wir nur von der komischen Seite zu nehmen im Stande sind, einzugchen, haben wir keinen Anlaß " Redner bespricht in der gleichen Versammlung auch den Krieg Englands mit Transvaal unb führt aus, daß die Engländer nur um in den Besitz der reichen Goldfelder und Diamant-Distrikte zu gelangen, den Krieg begonnen hätten, der Vorwand des Schutzes der in Transvaal lebenden Stammesgenossen sei nichtig, die Sympathien aller Deutschen stünden auf Seiten des stammverwandten Volkes. An den diplomatischen Vertreter Transvaals in Brüssel Dr. Leyds, ging ein Telegramm ab. um die Sympathien der Versammlung für die deutschen Stammesgenossen Ausdruck zu verleihen. Als characteristisch für die urdeutsche Gesinnung dieser Versammlung verdient hervorgehoben zu werden, daß einer der wüthigsten Czechen und fanatischsten Deutschenfeinde, Redakteur I. Husek von der „Ceske Zejmy" in Prag zugegen war und aufs wärmste begrüßt wurde. Seine Ansprache, in welcher er die Grüße der czechischen Gesinnungsgenossen üb^rbrachte, fand bei diesen edlen Germanen „brausenden Beifall und herzlichste Erwiderung."