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Der Israelit · 1899-11-23 · Heft 93 (23.11.1899) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 93 (23.11.1899)
Date
1899-11-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1934 die Lebensvorsätze, die sie dort faßten, nahmen sie mit hinaus ins Leben und dort trugen sie ihre Blüthen und zeitigten ihre Früchte. Wohl war ihnen das Gottesheiligthum der Mittelpunkt ihres ganzen Lebens, aber nur damit sich dieses Leben wie der Vorhof um das Heiligthum lagerte, um von dort seine heiligende Weihe zu empfangen. Wohl waren sie 'n 7i'^- aber x nr-ttra. Aber wer selbst dem, was man gewöhnlich „Gottesdienst" nennt, eine höhere Bedeutung beilegt, derjenige, dem die Betheiligung und Nichtbetheiligung an demselben als Alpha und Omega unseres Judenthums gilt, der kann bei einiger Consequenz noch viel weniger als wir in den sabbatlichen Jugend- Gottesdiensten, wie sie nun einmal beschaffen sind, ein Anzeichen für die Wiederkehr zum verlaffenen, alten Judenthum erblicken. Unser Judenthum ist so wenig eine Kirchenwie eine Sonntags- oder Sabbat-Religion. Die Schüler, welche durch ihren Schulbesuch das ganze Jahr hindurch nicht mit der Gemeinde beten können, mögen in dieser Unmöglichkeit einen Dispens von dieser Pflicht erblicken. Aber Diejenigen, deren ganzes Gebet sich auf den Jugendgottesdienst am Sabbat beschränkt, die werden offiziell dazu erzogen, Gott nur alle Sabbat im gemeinsamen Gebet aufzusuchen. Als ob, wenn wir denn auf Gottes Schutz und Seine Gnade angewiesen sind, wir es nur am Sabbat wären und nicht auch am Sonntag und Montag, am Dienstag und Mittwoch, am Donnerstag und Freitag und an allen Tagen, die uns von Gottes Gnade beschieden sind! Solche Heiligung des Sabbat durch gleichzeitige Entgeistigung der ganzen Woche kann nicht das Mittel sein, um unserer Generation ihr Judenthum wieder theuer und heilig zu machen. Je höher man von Gebet, von Gottesdienst und synagogalem Cultus denkt, desto weniger darf er dem Leben der ganzen Woche entzogen und offiziell nur auf den Sabbat beschränkt werden! Wir glauben nun auch in der That nicht, daß Synagoge und Gebet die Momente sind, die bei einer Wiedergewinnung der zeitgenössischen Judenheit in erster Reihe ins Auge zu fasten wäre. Uns scheint der Weg, der zum Heile führt, nach ganz moderner Richtung hin zu liegen. Um ihn zu bezeichnen, schien es vorher geboten die Ursachen anzudeuten, warum wir ihn nicht dort finden, wo er sonst in erster Reihe so vielfach gesucht wird. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen Deutschland. ER. Berlin, 19. Nov. Eine nervöse Erregung hatte am heutigen Tage unsere Repräsentanten ergriffen. Man beschleunigte die Tagesordnung, uni nur schnell zur geheimen Sitzung zu gelangen. Anwesend waren 19 Repräsentanten. Bei der Wahl zweier Rabbiner erhielt Dr. E s ch e l b a ch e r in Bruchsal 16 Stimmen, Dr. Blu m enth a l in Danzig 17 Stimmen. — Auf Verlesung des Schreibens des Vorstandes des Krankenhauses betr. die Ausführung von Reparaturen wurde verzichtet. Auf Antrag des Herrn Dr. Minden wird der Kommission zur Berathung der Angelegenheiten des Religionsunterrichts Dank abgestattet. Zur Erweiterug des Religionsunterrichts in Pankow werden 270 M. bewilligt und beschlosten, daß die Kommission, welche die Central-' kasse reoidirt, auch das Krankenhaus und die Alterversorgungsanstalt revidiren soll. Elsdorf (Bez. Köln), 22. Nov. Unsere Glaubensgenossen auf dem Lande haben sich leider vielfach noch immer nicht zu der Höhe emporgeschwungen, die bei heutiger Zeit namentlich auf dem Gebiete der Gemeindeverwaltung unbedingt verlangt werden muß. Es ist daher Pflicht der israelitischen Preste, etwa vorkommende Unzuträglichkeiten öffentlich zu rügen, selbst aus die Gefahr hin, daß solche von unseren Gegnern ausgebeutet werden. Aus diesem Grunde möchte ich Ihnen folgenden Vorfall berichten. Am Nüsttage zum Sabbat Paraschath Noach wurde Herr Lehrer Eckstein plötzlich unpäßlich. Er bat deßhalb das Gemeindemilglied Herrn Hermann Danzig er, ihn an dem betreffenden Sabbat durch Uebcrnahme des Vorbetens und durch Verlesung aus der Thora zu vertreten. Der genannte Herr Danziger ist nun, wie das ja auf dem Lande leider nur allzuhäufig vorkommt, mit verschiedenen Mitgliedern „böse", und als der „Lewi" Herr Adolf Harf und der „Rewiji" Herr Hermann Baum zum Aufruf gelangten, weigerten sich diese beiden Herren dem Ruse Folge zu leisten und ließen den Vorbeter ruhig oben stehen, wodurch peinliches Aussehen in der Gemeinde hervorgerufen wurde. Nun besagt das die Gemeindeverhältniste regelnde Gesetz in seinem zwanzigsten Paragraphen, daß einem Gemeindemitgliede, welches die Ausübung einer Ehrenfunction unbegründet ablehnt, diesem solche drei Monate lang und im Wiederholungsfälle ein Jahr zu entziehen seien. Herr Danziger reichte deßhalb Beschwerde bei dem Vorsteher Herrn Martin Simon aus Berndorf ein und nun geschah das Merkwürdige: Herr Simon, der wohl mit Herrn

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