Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 93 (23.11.1899)
- Date
- 1899-11-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1935 Harf befreundet, mit Herrn Baum hingegen in Feindschaft lebt, bestrafte den einen und ließ das Vergehen des anderen hingegen ungeahndet. Eine solche Parteilichkeit dürfte sich doch ein Gemeindevorsteher nicht zu Schulden kommen lassen und beabsichtigt Herr Danziger die Bestrafung des Herrn Simon beziehungsweise die Absetzung von feinem Ehrenamte beim König!. Landrath in Bergheim herbeizusühren. (Das Letztere könnten wir nun nicht billigen, man sollte die Behörden mit jüdischen Angelegenheiten so wenig wie möglich befaffen. Red.) Aus Westfalen. Aus ärztlichen Kreisen wird uns geschrieben. Im Anschluß an die in Rr. 9t Ihres gesch. Blattes erschienene Mittheilung, in der vor dem Genuß vonHommel's Haematogen gewarnt wird, möchte ich ergänzend bemerken, daß eS außer diesem Haematogen noch eine ganze Reihe von Mitteln gibt, welche aus Blut dargestellt werden und infolgedeflen zum Genuß verboten sind. Die Benennung derartiger Präparate ist zumeist auf das griechische Wort to ctlfia das Blut zurückzusühren, so daß aus dem Namen leicht der Ursprung resp. die Herstellungsart zu erkennen, wie z. B. Haemin, Haematin, Haemoglobin, Haemol, Haemogallol u. a. m. Gewarnt muß auch vor dem Gebrauch von Mitteln werden, welche aus dem Fleisch genommen werden, wie Somatose, Carno Puro, Toril rc. Im Uebrigen ist zu bemerken, daß alle die genannten Präparate leicht entbehrt werden können. Gewöhnlich finden sie bei Erschöpfung nach langdauernden Krankheiten oder bei Stosfwechselstörungen, wie Bleichsucht, Blutarmuth, Anwendung, alles Zustände, bei denen von einer überhaupt nicht die Rede sein kann. Grade bei derartigen mit allgemeiner Körperschwäche einhergehenden Leiden verfügt die moderne Medizin über eine so große Anzahl von Kräfte stärkenden Mitteln, daß ein jeder Arzt in der Lage ist, an Stelle des verordneten zum Genuß verbotenen Präparats ein anderes mindestens gleichwerthiges zu verordnen, besten Anwendung vom religionsgefitzlichen Standpunkt aus nichts im Wege steht. Di-, med. R München, 20. Nov. Dieselben Klagen, die anderweitig darüber erhoben werden, daß im Verhältniß zur Bevölkerungsziffer einmal ein Jude zuviel eine Anstellung gefunden habe, werden seit Jahren von katholischer Seite mit Vorliebe gegenüber den Protestanten in Bayern erhoben. Bayern ist zu 2/s unngesähr katholisch und nur zu Va protestantisch. Gegenwärtig sind von den sechs bayerischen Ministern gerade die drei ältesten protestantischer Religion, darunter übrigens der Ministerpräsident selbst. Dieser hat nun in der letzten Kammersitzung folgende interestante Worte gesprochen: „Abgeordneter Dr. Schädler hat dann eine Frage de-! rührt, die in der Preise ausführlich erörtert worden ifi, und auf die zu antworten mir nicht emfallen würde, wenn . ich nicht die prinzipielle Seite der Frage dabei berühren! könnte. Er sprach davon, daß in den höheren Verwaltungsstellen die Konfessionen nicht entsprechend vertheilt seien. Ich fasse die Parität nicht in dem Sinne auf, daß in jeder Verwaltung zwei Drittel Katholiken und ein Drittel Protestanten sein müßten. Die Parität ist vielmehr dahin auszufassen, daß die Konfession kein Htnderniß sein kann, den richtigen Mann an die richtige Stelle zu setzen. (Bravo! Links.) Ich wende mich in Besetzungsiragen an da- Ministerium des Innern mit dem Ersuchen, mir diejenigen Herren zu bezeichnen, die geeignet seien, Plätze im Ministerium des Aeußern einzunehmen. Es wurden stets Diejejenigen bezeichnet, die die erste Note im Staatskonkurse und außerdem die besten Oualisicationsnote hatten. Daß die betreffenden Herren zufällig Protestanten waren, dafür kann doch ich nichts." Es wäre sehr erfreulich, bemerkt dazu die „Allg. Ztg. deS Judenthums," wenn diese goldenen Worte des höchsten Beamten des zweitgrößten deutschen Bundesstaats, insbesondere auch wenn es sich um Bewerber israelitischer Religion handelt, im ganzen Deutschen Reiche zur Anwendung kommen würden; die Aussichten dazu sind aber für die nächsten Jahre wohl nur gering. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 20. Nov. In einer Sitzung des Polenclubs äußerte Abgeord. P. Pastor den Wunsch, es möge im Hause im Namen des Polenclubs erklärt werden, daß die von den Abg. Dr. Byk, Dr. Rappaport und Genossen in der Polnrer Affaire eingebrachte Interpellation nicht vom Polenclub, sondern nur von den einzelnen Mitgliedern desselben unterschrieben wurde. Abg. Ritter von Jaworski erklärt, er habe die Interpellation nicht als Obmann des Polenclubs unterschrieben, sondern als erster unter den polnischen Abgeordneten u. zw. aus folgenden drei Gründen: Erstens wünscht er, daß die nothwendigen Unterschriften durch Clubmitglieder ausgebracht werden und es vermieden werde, diesfalls an die Mitglieder anderer Clubs heranzutreten; zweitens, weil er fest überzeugt sei von der Umvahrscheinlichkeit der schrecklichen Lüge, daß die Juden Christenblut zu rituellen Zwecken benöthigen und er sich deßhalb verpflichtet fühlte, die Interpellation zu unterschreiben und dadurch die weitere Verbreitung dieser Lüge zu verhindern; und weil er drittens höchst nothwendig sei, der in dieser Affaire entwickelten Agitation entgegenzutreten. Abg. Vladimir von Gniewosz erklärt, er habe die Interpellation unterschrieben und würde sie noch zehnmal unterschreiben, weil er von der Unwahrheit des Blutmärchens überzeugt sei und die weitere Verbreitung dieses Märchens als höchst gefährlich für die öffentliche ^Ruhe und Ordnung halte. Schweiz. Zürich, 16. Nov. Seit über 30 Jahren zum ersten Male wurde hier ein jüd. Mitglied, Herr Siegfried Bloch, in die Unterrichtskommission der Handelsschule des hiesigen kaufm. Vereins gewählt.