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Der Israelit · 1899-11-23 · Heft 93 (23.11.1899) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 93 (23.11.1899)
Date
1899-11-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1*30 bitter, ebenso wie auch ich es gethan, sich de-'Rathes und der Mitwirkung von Autoritäten bedienen müssen. Dr. Sattebad), Rabbiner. Personalien. Wöllstein (Posen). Kürzlich beging der erste Vorsteher der Gemeinde, der Buchdruckereibesitzer und Verleger deamtlichen Kreisblattes, Herr Samuel W o lf f s o b n, mit feiner Gemahlin das schöne Fest der silbernen Hochzeit. Von allen Seiten, auch aus nichtjüdifchen Kreisen, wurden dem Jubelpaare Aufmerksamkeiten und Ehrungen in reichstem Matze zu Theil und besonders die Synagogengemeinde ließ es sich nicht nehmen, ihrem so hochverdienten VorstandSmitgliede. das schon seit circa 18 Jahren hintereinander mit ganzer Kraft und rechtem Zielbewußtsein zum Segen der Gemeinde sein Amt verwaltete, ihre Anerkennung und ihr Vertrauen zu bezeugen. Um 11 Uhr de- Jubeltages erschien der Vorstand und das Repräsentantenkollegium und mit feierlichen, erhebenden Worten überreichte der zweite Vorsteher» Herr WUhelm Meieritz, als besonderes Ehrengeschenk einen mit einer Widmung der Gemeinde versehenen, herrlich verzierten, silbernen Pokal. Am Abend des genannten Tages fanden sich die gesammte Gemeindevertretung uno auch noch andere Gäste, u. a. auch der ehemalige Seelsorger der Woüsleiner Gemeinde, Herr Rabvimr Höxter, der eigenzur persönlichen Beglückwünschung des ihm eng befreundeten Jubelpaares aus Berlin eingetrofstu war, zu einer gemüthlichen Feier im Hause des Jubelpaares ein. Nach den obligaten Tischreden feierte Herr Rabbiner Höxter da« Jupelpaar als ein für ein jüdisches, häusliches Zusammenleben maßgebendes Beispiel und dann den Jubilar in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Synagogengemeinde, Vorstand der Chewra Kadischa u. s. w. Herrliche Worte, gleich Perlen fielen sie aus dem Munde des Redners und wahrlich nur ein Freund in rechtem Sinne konnte im Stande sein, so zu sprechen und so seine Gefühl« zum Ausdruck zu bringen. Gerührt lauschte das Jubelpaar und dessen Angehörige seinen Ausführungen und auch alle sonstigen Anwesenden sahen ein, daß wenn auch Jahre vergangen, seit Herr Rabbiner Höxter Wöllstein als Felo seiner segensreichen Thätigkeit aufgegeben hat, er immer noch in alter» treuer Weise für ferne ehemarige Gemeinde fühtte. Dies gab er auch in der Synagoge vor der ganzen Gemeinde zu erkennen. Andächtig lauschten Alle den Worten ihres Rabbiner- und erhebender und würdiger gestaltete sich wohl niemals rin Gottesdienst wie dieser, wo der so geliebte und hochgeschätzte Seelsorger nach langen Jahren der Trennung wieder einmal zu seinen einstigen Schutzbefohlenen sprach. > Vermischtes. •$- Frankfurt a M Die in Nummer 89 d. Bl. gebrachte Notiz aus Frankfurt a. M. ist dahin zu berichtigen, daß die Ueberreichung eines Quartalgehaltes anläßlich oer goldenen Hochzeit des Baron v. Rolhschilo'fchen Ehepaares ausschließlich auf die Angestellten dieses Hauses, nicht aber, wie irrthümlich berichtet, auf die Beamten der Israelitischen Religion sgesellschait sich erstreckte. Bad-Emb, 2V. Nov. Herr Bankier Joseph Kirchberger dahier, stellvertretender Vorsitzender des „Israel. Erntral-Waisen- und MädchenheimS", der schon zu wiederholten Malen sich als warmer Freund der Anstalt zeigte und ihr in freigiebigster Weise verschiedene Zuwendungen machte, spendete neuerdings anläßlich der Geburt feines ersten Sohnes eine namhafte Summe, stiftete für den Sitzungssaal des Heims eine herrliches Kaiserbild und schenkte für fämmtlichr 81 Zöglinge Stoff zu warmen Winterkleidern. Fertilleton. Der (Lhammer und der Schaute. Eine Humoreske aus dem jüdischen Leben der guten, alten Zeit. Von Maurice Ma?on. 10) (Alle Rechte Vorbehalten.) In Faißel's Innern tobte, gährte und grollte es, wie eine wilde Fluth. Dieses Brandmal/das ihm sein ehemaliger Fceund Simon Rosenzweig verliehen hatte, will von ihrn nicht weichen, wird ihn durch das ganze Leben begleiten, vielleicht auch der Inhalt der Inschrift seines Grabsteines werden. Jener Schimpf, welcher der Plagegeist seines Daseins geworden, ist ihm allenthalben ein Stein des Anstoßes, hindert ihn sogar Gutes zu thuu. Was kümmert es Gerschaun, wenn er ihm seine Waare halbgeschenkt geben will? Muß deßhalb gleich Rosenzweigs Beschimpfung erwiesen sein? Am liebsten würde er ja Gerschaun die Waare ganz geschenkt haben, wenn ihm dessen Empsindlichkeit in diesem Punkte nicht zur Genüge bekannt wäre . . . Alles bäumte sich in Faißel auf gegen die alte Schmähung, die an ihm haften dl-eb und die die Länge der Zeit selbst nicht zu verwischen vermochte. Müssen denn alle Initiativen, die er trifft, jener Individualität zugeschrieben werden, die an ihm Simon Rosenzweig entdeckt zu haben glaubte? Muß er es ruhig geschehen lassen, daß man ihn fort und fort als großen Schaute bezeichnet, weil er sich bestrebt, die nämlichen Pflichten zu ersülln, die tausend andere unangefochten üben dürfen? Aber wie vermöchte er es zu ändern? Bei Andern werden die Verkehrtheiten als ein Jrrthum, bei ihm selbst das Streben, Gutes zu vollbringen, als eine seiner persönlichen Eigenart entsprungene Thorheit angesehen. . . . . . Und dieser Narr, der Gerschaun, wagte es noch am Schlüsse des Briefes, für den Sohn seines Beleidigers und Peinigers einzutreten, für ihn um sein Kind zu werben? Welch' grenzenlose Dummheit." In den nämlichen Tönen, in welchen sie die Insulten, die ihm der Vater ungerecht zugefügt, bei ihm wachrufen, singen sie das Lob des Sohnes, des Jomtow und erwarten durch Schmähungen die Entsprechung ihrer Wünsche zu erzwingen? Wie einfältig.' Wenn er ihren Wünschen entsprechen würde, dann ja, dann wäre er sicherlich der Narr, für den

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