Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 93 (23.11.1899)
- Date
- 1899-11-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1929 Bades benutzt. In Wirklichkeit scheint es aber keine Quelle, sondern nur sogenanntes Grundwasser (rraseri '») gewesen zu sein. Die Einrichtung war außerordentlich primitiv. In dem dunkeln, kellerartigen Raum führte eine Treppe von mehreren Stufen in das Bad hinab, dessen Wasser Wochen, ja Monate hindurch unverändert blieb und nur ganz selten ausgeschöpft wurde. Ein kleiner eiserner Ofen diente zur Heizung des Gelasses, das er nicht selten statt mit behaglicher Wärme mit Rauch anfüllte. Es bleibt allezeit ein erhebender Beweis der hier herrschenden hingebenden Frömmigkeit, daß diese Nebelstände ebensowenig dem regelmäßigen Gebrauche der Mikwe Abbruch thaten, wie die ungünstige Lage innerhalb eines zu Gebetzwecken und für die Schule dienenden Gebäudes mit einem einzigen Eingang. Es ward deßhalb ungemein freudig begrüßt, als mit Unterstützung der Behörde von einer Aktiengesellschaft eine öffentliche Badeanstalt im Jahre 1875 errichtet ward, und die Gesellschaft sich bereit finden ließ, für die israel. Gemeinde ein rituelles Bad herzustellen. Da die Badeanstalt an der Waknitz, einem Nebenfluß der Trawe, liegt, ward das sogenannte „Quellenbad" durch Zuleitung aus dem Flusse gespeist, d. h. NXL D rrpe -nr» durch in: '2 gebildet und dann, je nach Bedarf, aus der Wasserleitung kaltes und heißes Wasser dazu gelassen. Wir hatten einen großartigen Tausch gemacht: Eine nach allen Anforderungen koschere n'ps, ein zum jedesmaligen Gebrauch frisch gefülltes Bassin, in einem schönen ansprechenden Raum, für dessen Heizung und Beleuchtung nicht wir, sondern die Anstalt zu sorgen hat. Als Eintrittsgeld ist eine Gebühr von M. 1.40 festgesetzt; doch werden an der Kasse Jedem, ohne weiteren Ausweis, auch Freibillets verabreicht zum kostenlosen Eintritt und diese Freikarten nachher von der Gemeindekasse eingelöst. Mißbrauch von Zahlungsfähigen ist damit bisher nicht getrieben worden. Der Anstalt mußte die Gemeinde eine Einnahme von mindestens M. 400 p. a. garantiren. Diese Einrichtung hat sich so gut bewährt, daß der auf fünf Jahre abgeschlossene Contract mit der Badeanstalt immer wieder erneuert ward. Es war auch Mancher auszusetzen. An Sonn- und christlichen Festtagen ward die Anstalt schon Vormittags um 9 Uhr geschloffen; nach 0 Uhr Abends wurden Eintrittskarten nicht mehr verabreicht; ab und zu kamen Betriebsstörungen vor. Aber die Vorzüge überwogen und man nahm deßhalb die Nachtheile ruhig in Kauf und dachte nicht an eine Veränderung. Aber von anderer Seite kam ein Friedensstörer. Durch den Bau des Elb-Trave-Kanals ward der Lauf der Waknitz geändert und der an der Badeanstalt vorttberfließende Arm abgelenkt. Wir waren dadurch buchstäblich „auf's Trockene gesetzt." Die Verhandlungen und Pläne, wie dein drohenden Uebel vorgebeugt und für anderweitigen Zufluß gesorgt werden könne, zogen sich sehr in die Länge und erwiesen sich schließlich als unausführbar oder zu kostspielig, so daß wir eines schönen Tages ohne Mikwe waren. Es war dies im schönen Monat Mai. Für uns war die Sache nichts weniger als schön. Wir suchten uns zuerst dadurch zu helfen, daß wir, im Einverständniß mit bedeutenden Autoritäten , ca. einen Kubikmeter Natureis in das Bassin schaffen und dort langsam zergehen ließen. Ein theures Bad! Aber dieser Nothbehels erforderte außer den großen Kosten so viel Umstände, daß wir ihn nicht wiederholten, sondern es vorzogen, die Reife zur Hamburger Mikwe zu empfehlen und den Armen die Reiseunkosten zu erstatten. Inzwischen wurden natürlich alle möglichen Pläne weiter gemacht. Das Einfachste, durch Regenwaffer das Bassin zu füllen, erklärten die Sachverständigen für unthunlich, weil durch den Qualm des Schornsteins das Dach so dick mit Ruß bedeckt ist, daß dar Wasser nicht gereinigt werden könnte. So ließen wir einen Brunnenbohrer kommen, um einen artesischen Brunnen zu ergraben. Der Oberlehrer am hiesigen Gymnasium, Herr Dr. Friedrich. eine Autorität auf dem Gebiete der hiesigen Grunvwasserverhältnisse, hatte mit großer Wahrscheinlichkeit einen Erfolg in Aussicht gestellt, lind richtig, bei ca. 30 Meter Tiefe fand sich eine ausgiebige Quelle. Wir hatten eine Freude, wie der Stammvater Jizchak, als seine Knechte den Brunnen R'chauvaus erschlossen hatten. Aber, o weh, das Wasser stieg nicht genügend in die Höhe, es blieb fast zwei Meter unter dem Boden des Bassins. Da half uns aber eine E«-sindung der Neuzeit, der Pulsometer. Die Einrichtung desselben beruht darauf, daß durch Zuleitung von Wasserdämpfen die über dem Brunnen befindliche Luft verdünnt wird und das Wasser alsdann, ohne Vermittelung eines Kolbens, in die Höhe steigt. Verschiedene Fabriken befassen sich mit der Herstellung dieser Maschinen und geben aus ihren Preislisten' auch eine genaue GcbrauchSanwcisuug. Unser Pulsometer fungirt bis jetzt sehr gut, nur mußte bei Eintritt der kälteren Witterung das Rohr, welches die heißen Dämpfe zuführt, gut umwickelt werden, weil sonst der Dampf nicht dre genügende Kraft ausüben kann. Ich hielt mich für verpflichtet, alle meine Erfahrungen und Erlebnisse in diesem Gebiete der Oeffentlichkeit mitzutheilen, weil sie vielleicht manchem in gleicher Lage Befindlichen einen Fingerzeig zur Befreiung aus der Verlegenheit geben können. Es ist jedoch selbst verständlich, daß aus solch schwerem und verantwortungsvollen Gebiete, wie die Einrichtung einer Mikwe, nicht nur Laien, sondern auch Rab-