Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 93 (23.11.1899)
- Date
- 1899-11-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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WW 1931 er gelte. Aber niemals! niemals! wird er dazu zu bewegen sein! .... Aber seine Sarah, sein Goldkind, sein Alles? Nun, die wird sich schon trösten! Es ist noch Niemand an gebrochenem Herzen gestorben. „Prinzipalleben, welche Antwort schreiben wir Rebb Gerschaun?" Faißel suhr aus seinem trüben Hinbrüten, das er durch die Länge der Jahre durch eine zur Schau tragende Gedankenlosigkeit, meisterhaft zu verbergen verstand, empor und versetzte: „Was werden wir ihm schreiben, dem Schaute? In unserem Hause sind keine Achberoschim. Wenn ihm 40 Dutzend gecheschbent^) worden sind, wird es seine Richtigkeit haben, deßhalb gehen wir noch nicht mechule. Den Preis können wir vorläufig weder erniedrigen noch erhöhen. Wenn er seine Bestellung zurückzuschicken die Chuzpe^) haben sollte, wird sie nicht mehr angenommen. Wenn er sich aber untersteht, sich weiter um unsere Familienangelegenheit zu kümmern, werden wir eine noch geringere Meinung von seiner Chochmeh haben. Sonst sehen wir seiner Bestellung immer Besimchoh rabbo^) entgegen, werden aber, als streng reelles Haus, von unseren Preisen nicht abgehen." „So", schmunzelte Faißel, „jetzt hat der Chamaur auch sein Chelek! Nun ist es aber Zeit, Scholaum, daß Ihr zum Mittagstisch geht. Ich erwarte außerdem noch einen Besuch, der von Euch gesehen zu werden nicht wünscht!" „Wie Ihr es wünscht, Prinzipalleben!" erwiderte Scholaum, „den Brief an Gerschaun kann ich ja heute Nachmittag noch schreiben." Scholaum legte seinen zerfetzten Bureaurock ab, zog sein Straßengewand an und empfahl sich. VII. Kaum hatte Scholaum das Zimmer verlassen, als die Gleichgiltigkeit, welche Faißel bisher zur Schau trug, von seinen Zügen wich und der ganze Jammer seines schmerzzerwühlten Herzens sich deutlich auf seinem Gesichte wiederspiegelte. Er war doch sehr unglücklich, seit Jomtow die Augen zu seinem Töchterchen erhob. Ist seine jetzige Lage nicht eine höchst verzweifelte? Vor wenigen Wochen noch war er ein glücklicher, zufriedener Mann. Ist ihm auch die Anerkennung, die er so gerne gesehen, von seiner Gemeinde in Folge Rosenzweigs ehemaliger Insulten — wie er nämlich glaubte — versagt geblieben, so herrschte in seinem Hause Ruhe, ungetrübtes Glück, 192) Gerechnet. 193) Frechheit. 191) Ll.it großer Freude. jene Behäbigkeit des Wohlstandes, die dem Menschen reichen Schadenersatz für die Verunglimpfung des Lebens darbieten. Dazu hat er die Hoffnung noch gar nicht aufgegeben, mit der Zeit doch noch ein Ehrenamt in der Gemeinde zu erlangen; dazu wird ihm schon die Gunst, in welcher er seit Jahren schon bei dem Bezirksoberamtmann steht, verhelfen. Aber jetzt? Disharmonien in eignem Hause, Unfrieden mit seiner treuen Sprinze, grausam gegen sein geliebtes Kind, schließlich zerfahren und uneinig mit sich selbst. Ist es nicht ein Jammer? Er fuhr mit der stachen Hand über feine Stirn, als wolle er die düster« Schatten von dort verscheuchen und murmelte vor sich hin: „Oser^) habe ich jetzo Zeit, an meine eigene Dagaus zu denken. Ich darf auch dato an diese nicht denken! Die Geseroh^ muß ich zuerst mewatel^ sein, davon hängt gar viel, sehr viel ab! Es kann nicht nur dadurch den Rabbi, hundertundzwanzig Jahr soll er leben und gesund sein, die Freiheit kosten, sondern es könnte chas wefckolaun^) daraus eine Verfolgung für Klall jisroöl200) entstehen. Wie lieb von der Frau Oberbezirksoberamimann, leben soll sie, daß sie mir Andeutungen gab, daß etwas gegen den Rabbi vorliege und wenn es sich bewahrheiten sollte, böse Folgen für die ganze Gemeinde zu befürchten seien. Mehr war aus der Hochwohlgeborenen Gnadenleben nicht herauszubringen. Ich will doch mal sehen, ob der Secretär, Anton Rabnik, der mir hundert Dukaten schuldig ist, für das Vernichten des Schuldscheines nicht mehr sagt." Faißel zog seine Uhr. „Aber wo bleibt er nur? Er versprach mir doch um zwölf, spätestens um halb eins mich zu besuchen?" Er trat an das Fenster, welches die Aussicht nach der Hauptstraße gewährte. „Wo er nur bleibt?-Ob ich bei ihm überhaupt etwas pauel^) fein werde? Gut ist es freilich, daß keiner in Kahl etwas davon weiß, sie würden sich sonst sträuben, diese Angelegenheit in die Hände des großen Chamaur und Schaute zu legen. Und doch, wenn Jemand etwas dafür beim Bezirksoberamtmann ausrichten kann, ist es nur dem Chamaur und Schaute möglich. Wem hat es Rebb. Wolf Britisch zu verdanken, daß er den Krug im Mouschow 195) Verboten sei es mir (Interjektion). 195) Sorgen. 197) Verhangniß. 198) vereiteln. 199 Gott bewahre. 200) Gesammt J-rael. 201) bewirken.