Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 93 (23.11.1899)
- Date
- 1899-11-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2448953-2449039--49510-2500043- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1926 der jüdischen Vergangenheit. Wenn die Aufgabe des Chanukkalichies darin gipfelt, Begeisterung für die jüdische Lehre und ihre Geschichte zu erwecken — mxan wn np'nn „das Entflammen ist die Pflicht" — so glauben wir die eindrucksvolle Predigt der achtarmigen Mnora nicht brffer unterstützen zu können, als wenn wir in knappen Zügen die Lichtgestalten zeichnen, deren wir im Kerzenschimmer zum H ile unserer Gegenwart gedenken müssen; den acht Chanukkalichtern mögen die acht bahnbrechenden Lichtträger entsprechen, die wir im Folgenden betrachten — onnnoa m« nvr birt»' »ja, „auf daß allen Kindern Israels Licht werde in ihren Wohnungen!" An die Wiege des jüdischen Glaubens führt uns die Erinnerung. Abraham, der zum Lichte der Völker entsandte Gottesbote, der liebevolle Gottes¬ und Menschenfreund ist der erste voranleuchtende Typus in der jüdischen Geschichte. Ein lichtigeS Diadem war nach der Sage fein eigen, es brachte Heilung den Siechen und Hoffnung den Verzweifelten, es war die Macht feines Gottesbewußtfeins, es war die leuchtende Sonne seines Glaubens. Dem Blute nach als Abraham nur der erhabene Stammvater Israels, dem Geiste als Abraham der Ahnherr der ganzen gottverchrenden Menschheit. Seine Aufgabe ist: ein Segen zu werden. In diesem Geiste ermahnt er die Erben seines hehren Vermächtnisses vvvvi np-ix nwyb „zu üben Liebe und Recht". Und wie im Dunkel der Nacht zum sternbesäten Himmel des Patriarchen Auge blickt, und die leuchtende Wahrheit in ihm aufblitzt "pn» nw na „so werden sein Deine Nachkommen,- so hat Israel den Sternen gleich in die Nacht der Jrrthums die Strahlen der abrahamitischen Erkenntniß Hineinströmen und den leuchtenden Edelstein, den Abraham der Welt geschenkt, mit Sonnenkraft den Nationen erglänzen lassen. nenn ^6;a nbn: ns so*. Zunächst sollte den eignen Kindern Abrahams im finsteren Leide egyptischer Knechtschaft, das Licht, das der Ahn entzündete, tröstend und ermurhigend leuchten. Wie der junge Tag sich aus dem Schoße der dunklen Nacht erhebt, so ward das GotteSvotk aus der finsteren Winterszeit mizrischen Sklaventhums durch Moses mit dem Gnadengt schenk der FrecheitSfonne beglückt. Der wunderbare Erlöste ne»o ward zum wunoerbaren Erlöser v'rr>« seines unglücklichen Volkes, und der Mann, bei deffen Geburt das Wort ertönte: aw »a „er ist gut" — das selbe Wort mit dem Gott bei der Weltschöpfung das Llcht segnete, — war dazu berufen, der Lichlbringer seines Volkes zu werden. Denn die Thora ist ein Flammenmeer und das Gottes-Gebol ist eine Leuchte nj »a m* rrrini {rot:. JS ael erhielt des Ewigen Lehre und ward begnadet mit göttlichem Licht. Aber bald legten sich dichte Wolken und graue Nebel vor den Strahlenglanz der goldenen Sonne und verdunkelten den lichten Horizont. Auf heiligem Boden versank Israel in den Götzendienst. Das leuchtende Wort des Ewigen ward selten pis: ptn p», keine Offenbarung ward vernommen, die Priester erkannten nicht den Ewigen und schändeten die Heiliqthümer D»p^x ui -pa» Dia und das von Moses entfachte Licht drohte zu verlöschen. Da berief der Ewige den Samuel, daß er von neuem das Licht in die Herzen trage. Samuel gründete Prophetenschulen, rüstete seine Jünger mit Thorabegeisterung aus und erfüllte ihre Herzen mit flammender Sehnsucht, von dem Heiligen zu zeugen. Durch die Jahrhunderte leuchtete das von dem Sohne der Hanna entzündete Licht der Prophetie und sandte seine Strahlen in die erwählten Herzen und schuf Heroen der Wahrheit, Anwälte der Gerechtigkeit, Vertheidiger der Bedrückten und Enterbten. Der Zauber ihres Wortes ist durch die Jahrtausende nicht geschwächt, und selbst die nüchterne Kritik ruft angesichts dieser Männer begeistert aus: „Die Geschichte der gesammten Menschheit hat nichts hervorgebracht, was sich auch nur emsernt mit dem israelitischen Prophetismus vergleichen ließe. Durch seinen Prophetismus ist Israel der Prophet der Menschheit geworden." (Cormll.): Und wieder zog die Nacht herauf, um mit dem Lichte zu ringen, und wieder entstanden dem Lichte opferbereite Helfer. In Babels Exil war das Gottesvolk gegangen, unter fremdem Volke drohte dem Gotteslicht erneute Gefahr. Als das Licht der Thora erlöschen wollte, kam Esr a aus Babel und goß neues Oel hinzu. Für das heimkehrende und das in der Fremde bleibende Israel entzündete Esra ein Nertamid, eine ewige Glaubenslampe, durch die Einführung regelmäßiger Thoravorlesung, durch die Ausgestaltung der Synagogenandacht und durch die Sammlung der Prophetenreden, die als Erbauungsschriften die Lichtsaat des Heils allerorten ausstreuten. Es ist eine sinnige und gerechte Würdigung des geschichtlichen Wirkens Esras, wenn der Talmud mit seiner Thätigkeil einen neuen lrchterfüllten Früdling im JudtNthum beginnen läßt tmv n pi.sa wu c»js:n mv"vi. Er war ein segengekrönter Sendbote des Lichts, der durch seine heilsamen Einrichtungen die religiösen Lehren, die bisher fast nur von Priestern und Propheten gepflegt wurden, zum Gemeingut des ganzen Volkes machte und so das Wort zu bewahrheiten suchte: pnp ui D’jna naSao vnn nr.K „Ihr alle sollt mir sein ein Reich von Priestern und em heilig Volk." Aber auch der zweite Tempel auf Morias Höhen sank, das Herz der jüdischen Religion — die durch Esra neubegründete Thora — blieb unversehrt. Allmählich entfernten sich die Zerstreuten immer weiter