Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1899-11-20 · Heft 92 (20.11.1899) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 92 (20.11.1899)
Date
1899-11-20
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448953-2449038--49503-2500035
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

1920 Am jüdischen Neujahrs- und Versöhnungstage wurden sämmtlichejüdischenGeschäftezur Verwunderung der spanischen Bewohner der Stadt geschloffen. Es wurde ein Gottesdienst nach streng orthodoxem Ritus abgehalten, wobei im Gebete des Ex-Capitains Dreyfus und des verewigten PHLlantropen Baron Hirsch, sowie deffen Gemahlin, gedacht wurde. Ferner wurde der einstimmige Beschluß gefaßt, dem Reverend Dr. Adolf Spiegel, der früher von den Kanzeln des herrlichen Tempels in Scholes Str., Brooklyn, und der Synagoge East 29. Str., New Aork, das Wort Gottes verkündigt und sich auf Porto Rico um das dort ansässige Judenthum nach jeder Richtung hin im höchsten Grade verdient gemacht hat, den Dank der neuen Gemeinde zu votiren. Gleichzeitig wurde vereinbart, diesen Beschluß in geziemender Weise in den dortigen, wie in amerikanischen Blättern zu publiciren. Sitüit 9tac6ftditett. Wie«, 17 Nov. (Protest gegen die Blutbeschuldigung.) Der Abg. Dr. Byck hat in seiner Eigenschaft als Präsident der Lemberger israelitischen Cultusgemeinde dem Ministerium des Innern, dem Justizministerium und dem Ministerium für Cultus und Unterricht eine von den Rabbinern sämmtlicher galizischer Cultusgemeinden unterfertigte Protesterklärung gegen die Blutbeschuldigung überreicht. In dieser Erklärung beiheuern die genannten Rabbiner unter Anrufung Gottes, daß es keine Partei und keine Seele im Judenthum gibt, welche zu irgend einem rituellen Zwecke Menschenblut gebraucht, weil dies mit sämmtlichen religiösen Normen und Vorschriften absolut im Widerspruche steht. Die Rabbiner machen sich überdies erbötig, diese aus gründlicher Kenntniß des Judenthums und aller seiner Schattirungen geschöpfte unumstößliche Ueberzeugung überall zu vertreten und vor jedem Gerichte eidlich zu erhärten. Kuttenberg, 17. Nov. (Der Polnaer Mädchenmord.) Dieser Tage fand bei dem Kuttenberger Strafgerichte eine Commission statt, welche die bei der Leiche der Agnes Hruza Vorgefundenen Kleider einer Untersuchung unterzog, um festzustellen, ob dieselben mit einem Meffer oder mit einer Scheere ausgeschnitten wurden. ES wurde konstatirt, daß die Kleider nicht, wie in der Anklage angenommen wurde, mit einem Meffer, sondern mit einer Scheere ausgeschnitten worden sind, ein Umstand, welchem Professor Masaryk in seiner Broschüre große Bedeutung beimißt. Prag, 17. Nov. (Die Demonstrationen gegen Professor Masaryk.)Professor Masaryk erhielt gestern seitens,der akademischen Behörde die schriftliche AÄfforderüng, seine Vorlesungen auf einige Tage zu ststiren. Profeffor Masaryk äußerte jedoch den Wunsch, seine Vorlesungen fortzusetzen. Der akademische Senat gab aber diesem Wunsche nicht statt, sondern entschied nach einer neuerlichen heute obgehaltenen Berathung, daß Professor Masaryk mit Rücksicht auf die Demonstrationen vorläufig k^nicht lesen solle. In Folge deffen erschien der Rector Profeffor Gebauer umsll Uhr Vormittags in dem dichtgefüllten Hörsaale, in welchem die Vorlesung Masaryk's stattfinden sollte, und theilte den Hörern mit, daß dieselbe entfalle. Die Studenten, zumeist Anhänger Masaryk's, verließen hierauf den Saal. Unmittelbar darauf fuhr Profeffor Masaryk vor dem Clementinium vor. Als er jedoch hörte, daß der Rector die Studenten entlassen Hobe, kehrte er, ohne von Demonstranten bemerkt zu werden, wieder zu Wagen in seine Wohnung zurück. Später füllte sich der Hörsaal des Professors Masaryk wieder. Zahlreiche Studenten, zumeist solche, die dieses Collegium nicht hören, und auch andere Elemente hatten sich 'daselbst eingefunden. Rector Professor Gebauer erschien abermals in dem Saale und erklärte in einer Ansprache, daß man die von Profeffor Masaryk in seiner Broschüre ausgesp-ochene Ansicht in maßvoller Weise widerlegen könne, daß dies aber keinesfalls durch Tumulte auf der Universität geschehen dürfe. In der für Sonntag einberufenen Studenten-Versammlung werde aus die Nothwendigkeit der Errichtung einer zweiten czechischen Universität, welche in Mähren erstehen soll, hingewiesen werden, und jetzt werde seitens der czechischen Studirenden den deutschen und anderen Feinden eine Waffe gegen das ezechische Volk in die Hand gegeben. Die Worte des Rectors wurden häufig durch Slava- Rufe unterbrochen. Auch der Dccan der philosophischen Facultät Profeffor Mourek, hielt eine Anrede an die Studenten und beschwor sie, von Demonstrationen abzulaffen, zu welchen die gegenwärtige Zeit am allerwenigsten geeignet sei. Auch die im Hofe angesammclten Demonstranten suchte der Rcctor und der Decan zu beschwichtigen. Dennoch kam es zu Demonstrationen. Aber auch an Kundgebungen der Ergebenheit für Profeffor Masaryk läßt es wenigstens ein Theil der Studentenschaft nicht fehlen. Gestern Nachmittags erschien in deffen Wohnung eine Deputation czechischer Studenten, welche dem Profeffor das Bedauern 'über die Vorgänge aussprach, und deren Sprecher versicherte, daß selbst jene Studenten, welche mit dem Inhalte der Broschüre nicht einverstanden sind, die Demonstrationen mißb lligen. Einen Akt der größten Brutalität beging vor einigen Tagen ein Student gegen die Tochter des Prost fforS Masaryk. Fräulein Masaryk hat seiner- ' zeit die MaturitätS-Prttfung abgelegt und ist jetzt im dritten Semester an der philosophischen Facultät inscribirt. Im Hörsaale machte ein in ihrer Nähe

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.