Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 92 (20.11.1899)
- Date
- 1899-11-20
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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1981 sitzender czechischer Student so laut, daß sie es hören mußte, die Aeußsrung, es sei sehr leicht, Broschüren zu schreiben, wcnn man von den Juden bezahlt werde. Fräulein Musaryk verließ sofort den Sral und blieb der Vorlesung fern. Am nächsten Tage erschien eine Deputation czechischer Studenten bei ihr, welche ihr das Bedauern über den Vorfall anssprach und das Benehmen des Schuldigen auf das schärfste v?rurtheilte. Auch der Prostssor, in dessen Hörsaale sich der Zwischenfall abspielte, sprach in der nächsten Vorlesung seine Mißbilligung über das Vorgehen des Studenten aus. Prag, 18. Nov. (Professor Ma s a r y k über die Studenten-Demonstrationen.) Profesiar Masarpk veröffentlicht in der heutigen Nummer des „Czas" folgende Erklärung: „Die clerical-antiftmitischcn Demonstrationen, zu welchen sich ein Theil der akademischen Jugend gegen mich hergiebt, beleuchten in klarem Lichte unsere politische und culturelle Situation. Nom antisemitischen Wen aus commandirt das Organ des berüchtigten Vergani, daß man mir Demonstrationen bereiten solle, und unsere patriotischen Blätter übergeben dieses Commando gehorsamsi der Studentenschaft. Die clericalen „Kotolice Lifiy" fordern dazu auf, daß die Studentenschaft ihre Gesinnung mir gegenüber kundgebe; die altczechische „Narodni Polit'ca" verkündet, wenn man die Demonstrationen fortsetzen solle, u> d die „Narodni Listn", das führende Organ der jungczechifchen Partei, zögert nicht, dem Straßenpöbel meine Wohnungsadresse und die Lage der Fenster meiner Wohnung anzugeben. Die „Radckalni Listv" besorgen zu dem Allem die clericalantisemitische Musik. Der geistige Führer dieser sonderbar genuschen Gesellschaft ist der politische Ctericalismus, dem der Polnaer Prozeß als Mittel für Errungenschaften dient. Dort, wo der Ctericalismus herrscht, nisten sich auch die geistige und phvsische Gewaltthätigkeit und Finfterniß ein. Ich sagte öffentlich, daß ich an den Ritualmord nicht glaube, und daß insbesondere der Polnaer Prozeß einen solchen Mord nicht nachweist. Diese Meinung habe ich nicht blos ausgesprochen, sondert! auch begründet: und das sollte man in ezechifchen Volke nicht thuu können? Man sollte nicht selbstständig denken und w ssenschaftlich arbeiten können? Meine Kritik des Polnaer Prozesies ist eine ebenso wissenschaftliche Arbeit wie meine anderen wissenschaftlichen Arbeiten. Es ist wahr, daß meine Meinung von der allgemeinen Meinung abweicht; abr was ist das für ein Grund zu Demonstrationen? Es ist seit den langen harten Kämpfen für die Freiheit, des Denkens und Fühlens das erstemal, daß ein Theil der czechischen Studentenschaft sich gegen die Freiheit des Gewissens gestellt hat. Der rituelle Aberglaube entstand durch den Einfluß des Ctericalismus, hauptsächlich aber durch den Einfluß der ..Narodni Listy", die ihn als einen Artikel des radicalen patriotischen Glaubens hinstellen. Ich theile diesen Glauben nicht und kann ihn nicht theilen, weil ich ihn als ein großes nationales Unglück ansehe. Dem materialistischen Clericalismus und Antisemitismus genügt die geistige Blindheit; ihnen genügt der geistige Knüttel. Deßhalb wurde die Behauptung unter die Menge geworfen, daß ich mich den Inden verkauft habe. Ueber mein Auftreten bezüglich der Revision des Polnaer Prozesses habe ich mich mit Niemandem verständigt. Ich trat selbstständig auf, weil ich es für selbstverständlich erachtete, meine Meinung auszusprechen. Die Beschuldigung von irgend einer Bestechung ist eine grobe, gemeine Lüge, und wer sie — in welcher Form immer — verbreitet, ist ein Lügner. Ich wundere mich über eine demoralisirte Journalistik nicht, daß sie solche Lügen verbreitet; sie kämpft so wissentlich und in wohldnrchdachter Weise gegen ein täglich erscheinendes Blatt, von dessen Schaffung man bereits seit längerer Zeit spricht und das auch erscheinen wird." Anknüpfend daran macht Professor Masaryk die Mittheilung, daß in Kürze ein neues, täglich erscheinendes Blatt auf den Plan treten wird, zu dessen Mitarbeitern er gehören wird. Privat-Telegrarnm des „Zsraelit". Berlin, 19. Nov., 2 Uhr 25. Zn Rabbinern an der hiesigen Hauptgemeiude wurden die Herren Dr. Eschclvacher Bruchsal und Dr. Blumenthal- Danzig gewählt lae «. Für deu folgendes Theil ist die Redsetios nicht verlMtdorMch. gut- Conditor, tüchtiger, intelligenter Fachmann, mit kaufmännischer vielseit. Bild., aus guter jüdischer Familie, suche ■§etrfltti8gi!lf(i£iil)?it iit größeres Unternehmen. Gcfl. Off. unt. A- Z. 7730 an die Geschäftsst. dss. Bl. Israel. Mädchen, in Küche u. Hausarbeit erfahren, wird in religiösem, bürgerl. Haushalt gesucht. Selbige muß auch etwas nähen können. 17708 Frau M Meyer, Köln, Frankstraße 1:2. /Line durchaus zuverlässige Pers (Fräulein oder Wittwe) beh Beaufsichtig d. Kaschruts und Hülfe beim Kochen, in ein. feinen jüdisch. Hotel I. Rang., n. 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