Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 92 (20.11.1899)
- Date
- 1899-11-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1919 erkannt, daß die Schilderverfügung sich auf keinen Gesetzesparagraphen stützen kann und daher aufzuheben ist. Mitau (Ein sehr seltenes Fest.) Vor einigen Tagen feierte der jüdische Krankenverein „Bikur Cholim" sein hundertundfünfundzwanzigstes Stiftungsfest. Der genannte Verein, welcher sehr segensreich in unserer Gemeinde wirkt, gehört zu den ältesten Vereinen Rußlands. Entsprechend der großen Beliebtheit, deren stch der Krankenverein in unserer Gemeinde erfreut, war auch die überaus zahlreiche Betheiligung der jüdischen Gemeindemitglieder an der Feftfeier, welche im Zehr'schen Saale stattfand (der Saal wurde kostenlos vom Besitzer dem Vereinsvorstand zur Verfügung gestellt) und eine bedeutende Reineinnahme erzielte. Die Feier wurde von Sr. Ehrwürden, Herrn Rabbiner Segal, mit einem begeisterten Toast auf Seine Majestät eröffnet, worauf der Synagogenchor die Nationalhymne intonirte. Ernste und heitere Reden und Gesangsvorträge wechselten mit einander ab und verschönten das Fest, welches Dank der uneigennützigen Mitwirkung mehrerer Damen der Intelligenz als überaus gelungen zu bezeichnen ist. Allgemeinen Beifall fand ferner die von Sr. Ehrwürden gegebene Anregung, eine Commission mit der Absaffung eines kurzen historischen Berichts über die mehr als hundertjährige Tbätigkeit des Vereins zu betrauen. Wir hoffen, daß diese Anregung des Herrn Rabbiners, welche ja auch das Interesse weiterer Kreise verdient, auf fruchtbaren Boden fallen wird. Bulgarien. Sophia. Eine Deputation der hiesigen Kultusgemeinde, bestehend aus den Herren Abraham L e w y, Rissim Faschi, Miochas Lewy und Ptnchas Bukos, hat sich am Freitag zum Minister des Innern, Herrn Radoslawoff, begeben, um seine Aufmerksamkeit auf das Treiben eines erst vor Kurzem hier neuentstandenen Winkelblättchens zu lenken, das, um Abonnenten anzulocken, die schauderhaftesten Geschichten von den Juden erzählt und ihnen alle erdenklichen Laster andichtet. Die Antwort des Ministers lautete dahin, daß er das Blättchen gar nicht kenne — dasselbe wird in der That nur in den untersten Volkskreisen gelesen — er werde es sich jedoch sehr angelegen sein lassen, demselben seinen Judenhaß zu benehmen. Zugleich versicherte der Minister, daß er sein Augenmerk auch dem Treiben des neulich hier gegründeten Antisemiten-Clubs zuwenden und dem Polizei-Direktor die nöthigen Anweisungen zukommen lassen werde, damit dieser Club seine Propaganda baldigst einstelle. Der Minister erklärte dann, die Israeliten können sicher sein, daß die bulgarische Regierung ihnen zu jeder Zeit den nöthigen Schutz angedeihen lassen werde, damit sie ruhig im Lande leben können. Amerika.? New-Uork, 27. Nov. Die „United Hebrew Charities" zur Zeit wohl der größte jüdische Wohlthätigkeitsverein, feierte in dieser Woche sein 2öjShr. Jubiläum. Welch riesigen Umfang die Thätigkeit dieses Vereines angenommen hat, dafür nur einige Zahlen als Illustration. Während des Jahres 1898/9 nahmen 24,000 Personen diesen Verein in Anspruch, für die rund 580,00t) Mark zur Verwendung gelangten. Merkwürdig klein ist dagegen die Zahl der Kontribuenten, denn nur 1 00 Personen bringen diese ganze Summe auf, so daß auf jeden Beitragzahlendcn im Durchschnitt 41)0 Mark entfallen! Sät ihrem Bestehen haben die United Hebrew Charities 18,0 >0,000 Mark verausgabt und in 883,361 Fällen Hilfe geleistet. Die Ausgaben an Gehältern, Unkosten 2(. betragen 6«,000 M. pro Jahr. Aber gigantisch, wie diese Ziffern, ist auch die Roth, die zu lindern solche Summen bestrebt find, und eine neue Gefahr bedroht das jüdische Ghetto von New Dark, es ist die Schwindsucht, die in erschreckendem Mähe unter den armen Juden der schlechteren StadtlheÜe sich ausbreitet. Kann aber auch die Roth nicht arK der Welt geschafft werden, so verdienen doch die Leistungen der New-Aorker Juden die höchste Anerkennung seitens der ganzen jüdischen Glaubensgemeinschaft. Porto Rico. Porto Rico. (Gründung der ersten jüdischen Gemeinde auf der Insel.) Ein bemerkenswerthes Erergniß bat sich vor einigen Wochen in Ponce, Porto Rico, vollzogen. Am 3. September 1899 traten sämmtliche dort ansässige Israeliten — fast alle amerikanische Bürger — zusammen, um eine fest organisirte jüdische Gemeinde — die erste und bisher einzige auf der Insel — zu gründen. Der Organisation wurde der Name „The First Jewish American Congregation of Puerto Rico" gegeben und die folgenden Mitglieder zu Beamten erwählt: Präsident, Herr Nathan Finkelstern, Mit-Jnhaber einer angesehenen Firma in Ponce; Vice-Präsident, Herr Louis Harry, Manager im Quartermaster Departement (ein Vetter Dr. Herzl'S in Wien); Kassirer, Herr H. Bercowitz, ein Importeur in Ponce; Trustees, die Herren: Dr. Mbander, Dr. Meyer (ein Neffe des Hofraths Dr. Johann Meyer in Wien) und Herr Leon Rosenberg, Chirurg im Militärischen Hospital zu Ponce; Finanz- und Protokollicercher Secretär, Herr Louis Weißberg und die Herren Reverend Dr. Adolph Spiegel und I. ReenS, ein geborener Holländer, Botschafter.