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Der Israelit · 1899-11-20 · Heft 92 (20.11.1899) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 92 (20.11.1899)
Date
1899-11-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1914 Emigration der Juden täglich zunimmt. Aus der Stadt Tulccza allein sind in einer kurzen Zeit 16Ü6 jüdische Einwohner ausg wondert. Auch aus Jaffy wandern fast wöchentlich viele Familien aus. Die dortigen jüdischen Fiakersleute haben sogar einen Verein gebildet, um Geld zum Zwecke der Auswanderung zu sammeln. Afrika.? Kapstadt. Der Noth unter den Tausenden von Flüchtlingen aus,Transvaal abzuhelfen, hat sich ein Uitländer-Komittee gebildet, dem von angesehenen Glaubensgenoffen die beiden Stadträthe von Johannisburg Solomon und Graumann angehören, die mit größter persönlicher Aufopferung an der Arbeit sind, wenigstens einen Theil der unvermeidlichen Noth zu lindern. Man hat besonders große Mühe gehabt Obdach für die Tausende Flüchtlinge zu finden, indeffen zur Zeit sind wohl die meisten untergebracht. Auch mehrere Tausend Juden befinden sich unter den Hilfesuchenden und die Glaubensgenossen in Kapstadt haben Gelegenheit gehabt ihre Hilfsbereilschaft in vollstem Maße zu zeigen. Erfreulicherweise haben sie dies auch gethan! Personalien. Juowrazlaw, 9. Rov. Der 80. Geburtstag, den Herr Kaufmann Sakomon hierselbst am vorigen Samstag beging, brachte ihm eine Reihe von Ehrungen. Schon am Freitag hatten sich die zahlreichen Familienangehörigen eingefunden, um dem in allen Kreisen unse er jüdischen Gemeinde beliebten Jubilar zu gratuliren. Samstags Vorm'ttag gegen ‘/* 12 Uhr erschienen nach dem Gottesdienst in der Wohnung des Jubilars eine große Anzahl Freunde und Bekannte, Arm und Reich, Jung und Alt, um Herrn S. an feinem Ehrentage persönlich zu beglückwünschen. Wir bemerkten unter den vielen anwesenden Gemeindemitgliedern die Herren Rabbiner Dr. Kohn, Rabbinatsassessor Dr. Tietz Rabbiner Bamberger, den Vorsitzenden der Sunagogengemeinde Stadtrath Kertzig, Vorstandsmitglieder, sowie eine große Anzahl Mitglieder des Repräfenta en-Kollegiums u. A. Im Namen der jüdischen Gemeinde sprach Herr Nabb. Dr. Kohn. Er betonte dabei die unermüdliche und segensreiche Thätigkeit des Jubilars als Mitglied des Nepräsentantenkollegiums und der Leichenbestattung, erinnerte daran, daß He r S., der 50 Jahre lang Vorsteher des letzteren Vereins war, in der Cholerazeit mit eigener Lebensgefahr Kranke besucht habe und denselben nach Möglichkeit opfertvillige Hilfe geleistet; er hob ferner die außerordentliche Arbeitskraft und die nimmer ermüdende Thätigkeit helvor, d'e Herr S. noch jetzt in hohem Greisenalter ausübe. Derselbe besitzt in Berlin einen verheil atheten Sohn, der in seinen Handlungen in den Fußtapfen fe'nes Vaters »vandelt und streng-religiös ebenso wie alle seine Kinder lebt. Der Redner gedachte dann ferner der großen Wohlthätigkeit des Jubilars, die er besonders als Vorstandsmitglied des hiesigen jüdischen Arnlenvereins ausübt und seiner Frömmigkeit. Nachmittags erschien der Golus-Achim Verein in «wrpor«, um seinem langjährigen Vorstandsmitglied zu gratuliren. Der Jubilar erfreut sich geistiger und körper licher Frische. Neuntels n. Der Lbammer und der schaute. Eine Humoreske aus dem jüdischen Leben der guten, alten Zeit. Von Maurice Ma^ou. 9) (Alle Rechte Vorbehalten.) „Warurn will er denn nicht vorlesen? lächelte Faißel erstaunt. „Ist ih:n die Sechauroh zu fi-ker18S)? Mein Auftrag ist doch pünktlich ausgeführt worden?" „Ja, Prinz'palleben, Euer Auftrag ist pünktlich ausgeführt worden. Die Sechauroh ist 10 pCt. unter dem Selbstkostenpreis berechnet und außeroem 10 Dutzend von der besten Qualität >xlra beigelegt, die in Cheschbon^") nicht eingetragen worden sind." „Und was will der Schaute?" „Er findet die Sechauroh nicht nur viel zu billig, sondern behauptet, sie sei ganz geschenkt." „Hast Du ein Chamaur gesehen?" rief Faißel ärgerlich aus. „Das habe ich nicht nöthig erst durch ihn zu erfahren; ewade ist die Sechauroh fast bechinom 135), das weiß ich bester als er! Aber was will ich mit dem Schaute Gerfchaun machen? Hat nebbich eine große Familie, ich glaube 8—10 Kinderle, sollen leben, rnepharne's l3°) zu s in und kaum lechem leächaul:3T). Zdoko 138) nimmt er nicht und ihm solche anbieten, hieße ihn kränken. Wie soll man ihm auf die Beine helfen, wenn.? Doch leset mal vor, Scholaum, was schreibt der Schaute?" Faißel war nämlich des Lesens und Schreibens vollständig unkundig, nur seine Namensunterschrift hat er mit großer Mühe in hieroglyphenartigen Zeichen zu malen erlernt. Scholaum war also sein besoldeter Schreib- und Leseapparat. „Ich möchte doch lieber die Chuzpes^8) nicht vorlesen'" versetzte Scholaum mit bittender Stimme. „Rebb Gerschauns Brief ist so voller ungerechten Rigsaus“°).!" „Aber ich will wiffen was der Schaute schreibt", unterbrach ihn Faißel unwillig. „Leset vor, Scholaum! „Aber Prinzipalleben", wandte Scholaum ein, „Ihr wiffen ja schon, was er schreibt, den Tauchon hadowor"*) habe ich Euch ja schon erzählt!" 133) Theuer. 134) Rechnung. 135) Umsonst. 136) ernähren. 137) Kein Brod zu essen. 138) Almosen. 139) Frechheiten. 140) Ingrimm. 141) den Inhalt.

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