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Der Israelit · 1899-11-20 · Heft 92 (20.11.1899) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 92 (20.11.1899)
Date
1899-11-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1911 selben die Staatsunterstützung ihres Religionsunterrichtes auf Muth und Zuverficht betreiben mögen. | Frankfurt a. 2R« Es freut mich, daß ich mit meiner Correspondenz in Nr. 64 Ihrer geschätzten Zeitung die Lehrer- resp. Seminarfrage in Fluß gebracht habe. Bevor ich nun heute noch einige neue Gesichtspunkte aufs Tapet bringe, muß ich mich gegen den Herrn Correspondenten aus Bayern wenden, der mit seiner Kritik meiner Zeilen einen Schlag in die Luft vollführt hat. Erstens habe ich nur gesagt, daß uns die genialen Führer, wie wir sie in dem Dreigestirn Bamberger- Hirsch-Lehmann gehabt haben, heute fehlen; doch eine Behauptung, als ob die eminente Lebensthätigkeit dieser Männer in unserer Gegenwart bereits wirkungslos geworden wäre, ist mir auch nicht andeutungsweise aus dem Munde gekommen. Was dann die zweite Bemänglung des Herrn betrifft, so kann ich im Interesse der Wahrheit nicht umhin, für die — wie der betreffende Herr sagt — „orthodox sein wollende" Burgpreppacher Präparandenschule ganz energisch eine Lanze zu brechen. Ich wünschte wirklich, sämmtliche orthodoxen Lehrerbildungsanstalten hätten die streng-religiöse, dabei aber straffe, thatkräftige und mustergiltige Leitung, welcher sich Burgpreppach erfreut. Trotzdem dürfte es dem Herrn Director der Burgpreppacher Schule sehr schwer fallen, die Abiturienten zu veranlassen, nicht in das staatliche Casseler Seminar überzutreten, welches ihnen bessere Zukunftschancen gewährt, wie irgend eines der anderen jüdischen Seminare. Hier genießen die Schüler die Annehmlichkeit, beide Examen mit ihren eigenen Lehrern zu machen; und außerdem hält es das Rektorat für eine Pflicht, seinen Zöglingen Stellen zu verschaffen. Ferner fragen die Ettern bei der Auswahl des Seminars gewöhnlich den jüdischen Lehrer ihres Ortes um Rath und nicht den Leiter der Präparandenschule. Fromme Wünsche gelten eben nichts in der israelitischen Wirklichkeit. Unser Denken und unser Handeln soll wohl auf den Flügeln der Ideale schweben, doch rechnen müssen wir mit vorhandenen Thatsachen. Diese nun einmal bestehenden Thatsachen fordern als dringende Nothwendigkeit, sowohl die Verstaatlichung, als auch den idealen und financiellen Ausbau der orthodoxen Lehrerseminare, damit solche einem jeden neologen Seminare Concurrenz bieten können. Doch der Verstaatlichung der Seminarien und auch der Errichtung jüdischer Volksschulen stellen sich Schwierigkeiten 'entgegen, die^nicht mit Geld und gutem Willen zu haben sind. Es giebt nämlich äußerst selten einen religiösen Lehrer, der das Rectorats- Examen bestanden hat, denn hiezu ist u. A. eine dreijährige Thätigkeit an einer Mittelschule erforderlich, und da bekanntlich Juden an den Mittelschulen in der Regel keine Anstellung finden, so dürften geeignete Kandidaten mit der Laterne zu suchen sein. A Bei der ganzen Angelegenheit ist schließlich noch ganz besonders in Erwägung zu ziehen, daß gerade die orthodoxen Seminare ein fast unüberwindliches Arbeitspensum zu bewältigen haben. In den drei Jahren sollen sie dasselbe leisten, was jedes Königl. Seminar in drei Jahren leistet und außerdem sollen sie ihre Schüler zu „jüdischen" Lehrern, Nothrabbinern, Schächtern und Vorbetern heranbilden. ES wäre also die Frage zu ventilieren, ob ein 4jährigeS Pensum nicht wünschenSwerth fei, bei welcher Frage zu bedenken ist, daß den meisten Lehrern nachher Gelegenheit zur weiteren „jüdischen Ausbildung" fehlt. Die Geldfrage darf hierbei keine Rolle spielen. Handelt es sich doch um Hebung der Religiösität in rabbinerlosen Orten, wo eine tiefere Ausbildung des Lehrers eine bessere Leitung der Gemeinden bedeuten würde! Saly Geis. Nürnberg, 2. Nov. Gestern und heute tagte hier die VII. freie Konferenz der bayrischen Rabbiner, die wie ihre Vorgängerin aus allen Landestheilen, mit Ausnahme der Rheinpfalz gut besucht war. Es nahmen persönlich theil die Herren Rabbiner Dr. Bamberger—Burgpreppach, N. Bamberger— Würzburg, Dr. C ohn—Jchenhausen, Dr. Eckstein— Bamberg, Dr.Goitein—Burgkundstadt, Dr.Groß— Augsburg, Dr. Kohn—Ansbach, Dr. Meyer— Regensburg, Dr. Neubürger—Fürth, Dr. Stein— Schweinfurt, Dr. Wachenhetme r—Aschaffenburg, Dr. Weinberg—Sulzbürg, Dr. Werner—München, Dr. Ziemlich—Nürnberg. Die übrigen Herren waren geschäftsordnungsgemäß vertreten. Der Vorsitzende des geschäftsführenden Ausschusses, Dr. Cohn— Jchenhausen, widmete bei der Eröffnung der Konferenz dem jüngst Heimgegangenen Rabbiner Bamberger— s. A. Bad Kissingen einen warm empfundenen Nachruf. Die Konferenz wurde von Dr. Ziemlich als Vorsitzender und Dr. Cohn als dessen Stellvertreter geleitet; als Schriftführer fungirten Dr. Bamberger und Dr. Weinberg. Außer über aktuelle, wichtige Zeitfragen verhandelte die Konferenz zunächst über die vor zwei Jahren beschlossene Abfassung eines Religionsbuches. Der Referent der Kommission, Dr. Kohn, berichtete in Stellvertretung des am 2. Nov. amtlich nach München zurückberufenen Dr. Werner über den Fortgang der Arbeit, die Dr. Groß in nicht ferner Zett fertig zu stellen hofft. Die bis jetzt vorliegenden Theile des Buches seien vorzüglich und entsprechen vollkommen dem von der Münchner Konferenz s. Z. gegebenen Aufträge. Dr. Meyer referirte über die staatsrechtliche Stellung der Rab-

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