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Der Israelit · 1899-11-20 · Heft 92 (20.11.1899) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 92 (20.11.1899)
Date
1899-11-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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■ 'LLJ 11 »10 gerade durch die religiöse Richtung des Herrn Grand-ßabbin de la France noch gesteigert. Seine religiöse Richtung stellt an ihre Bekenner nicht so starke und zahlreiche Anforderungen als wir es thun. Wenn aber selbst von diesem Standpunkt aus der Niedergang des Judenthums in Frankreich so sreirnüthig bekannt wird, als es tatsächlich geschehen ist, so ist dieses bloße Bekenntniß ein entschiedener ernster Schritt für die anzubahnende Besserung. In seiner öffentlichen Ansprache am jüngsten Jom Kippur hat der gefeierte Redner dem Rückgang des jüdischen Lebens in Frankreich so ergreifenden Ausdruck gegeben, daß der Ort, die Zeit, die Gelegenheit, die große illustre Zuhörerschaft und nicht zuletzt der persönliche Einfluß des begeisternden Redners selbst hinlänglich dafür bürgen, daß diese tiefempfundenen Worte nicht wirkungslos verhallen werden. In der Thal hat kurz nach den Festtagen die Pariser . Zeitschrift „Archives Jsraelite-" diese vielsagende Kundgebung aufgegriffen und sie ihrer großen Bedeutsamkeit entsprechend gewürdigt. Bei aller Anerkennung für das mannhafte Eintreten des Redners, erblickt das genannte Blatt jedoch in dieser Kundgebung nur eine Art Einleitung und Vorrede, einen ersten Schritt, dem nun die anderen entscheidenden zu folgen hätten; sie fordert daher den Herrn Grand-Rabbin auf sich an die Spitze der Bewegung zur Regeneration der französischen Judenheit zu stellen und feinen großen Einfluß dafür in die Wagschale zu werfen. In der folgenden Nummer spricht Herr I. M. Hart dem Redacteur Herrn Prague in tief empfundenen Worten seine und aller Gesinnungsgenoffen Anerkennung für seine Stellungnahme zu dieser bedeutsamen Angelegenheit aus und begleitet diese Anerkennung mit trefflichen Winken und Rathschlägen, um diese Bewegung in richtige Bahnen zu leiten. Anknüpfend an diese Aeußerungen des Herrn Hart verbreitet sich in der Ausgabe des „Archives Jsraelites" vom 26. Oktober Herr Auerbach über den in Rede stehenden Gegenstand mit vieler Gründlichkeit und Sachkenntniß, in einer Darstellung, die ebenfalls reich an Anregungen und instruktiven Rathschlägen ist. — Bei aller Anerkennung dieser Vorzüge vermißt die Redaction der „Archive-Jsraelites" präcise Vorschläge und fügt in diesem Sinne folgende Anmerkung den trefflichen Aeußerungen des Herrn Auerbach*) an: „Unser verehrter Korrespondent hat mit seiner 1) Wir vermuthen, daß die beiden letztgenannten Namen Pseudonyme sind, hinter welchen angesehene Männer von jüdischem Herze» stehen, und bedauern diese Zurückhaltung, weil wir glauben» daß unserer heiligen Sache ein großer Gewinn erwachse, wenn Männer von klangvollem Namen offen für ihre Ueberzeugung eintreten. musterhaften Feder die Bilanz des Judenthums in Frankreich gezogen und hat dabei den Finger in die blutende Wunde gelegt. Aber was er verabsäumt hat, das ist die genaue Angabe der anzuwendenden Heilmittel, um den kranken Körper wiederherzustellen, den religiösen Kreislauf wieder in Thätigkeit zu setzen, um aus unseren Zeitgenossen nicht nur Gläubige zu machen, sondern auch praktische Israeliten, damit die Sittenlehre und die geheiligten Überlieferungen wieder zur Geltung gelangen und uns mit Stolz für den Titel „Jude" erfüllen, mit dem man uns jetzt beschämen möchte. Was wir vor allem von denjenigen, welche mit uns fühlen und wie wir denken erbitten, das ist ein Programm, eine Methode, unr dem Nebel des Unglaubens Einhalt zu thun, den religiösen Formen wieder Ehre zu verschaffen und die jüdische Seele wieder herzustellen, mit einem Wort: die besten Hilfsmittel zu bestimmen, um das gesteckte Ziel zu erreichen. Um das nun auszuführen, erbitten wir die Mitwirkung aller Gutgesinnten und den Beistand der Erfahrung aller derjenigen, welche, wie unser verehrter Korrespondent, sich in das Problem vertieft und in Folge dessen die Pflicht haben, seine Lösung anzugeben." (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 16. Nov. Aus dem Bureau des Deutsch-Israelit. Gemeindebundes schreibt man uns: Auf eine Petition der israelitischen Gemeinde in W. (Provinz Hessen-Nassau) hat das Cultusminifterium mitgetheilt. daß aus seinem Extcaorsinarium auf Grund allerhöchsten Erlasses vom 13. Mai d. I., der gedachten Gemeinde zum Neubau ihres Schulhauses eine Staatsbeihilfe von 7500 M. gewährt worden ist. Diese Thalsache ist um so erfreulicher und dankenswerther. als der gesummte Anschlag für den Neubau 11,500 M. beträgt, so daß die Staatsbeihilfe sich beinahe auf zwei Drittel der Gesammtkosten beläuft. Noch im Jchre 1696 war die Petition „wegen Mangels an verfügbaren Mitteln" abschlägig beschieden warben. Die jetzt erfolgte Bewilligung erweist um so mehr, daß bereits unter der Verwaltung des Herrn Minister Bosse im preußischen Cullus- Ministerium ein den Juden freundlicher und gerechter Geist herrschte. Um so mehr ist darauf hinzuweisen, daß die kleinen jüdischen Gemeinden sich auch in betreff des Erlasses des CultuSministeriumS vom 13. Mai 1893 nicht von vorn herein durch die dort gestellten Bedingungen enimuthigen lassen» sondern innerhalb der-

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