Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 91 (16.11.1899)
- Date
- 1899-11-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1894 ein Mangel an sachlichen Gründen sich stetin der Gehässigkeit einer KampfcSführung zeigt. Der Erfolg, den der obengenannte Verein feit seinem Bestehen aufzuweisen hat, welcher sich am besten durch die von Jahr zu Jahr wachsende Zahl seiner Einzel-Mitglieder sowie der Synagogen-Gemeinden Westfalens, die sich als solche ihm angeschlossen haben, charakterisirt wird, läßt sich nun einmal nicht wegleugnen, und so mußte denn, wie schon oft in früheren Jahren, den „Orthodoxen" etwas am Zeug geflickt werden, um sie in der öffentlichen Meinung zu diskreditiren. Wie wenig der Kultusminister die Auffassung des „westfälischen Schulmannes" theilt, zeigt sich am besten in dem Dankschreiben, welches derselbe s. Zt. auf das Begrüßungs-Telegramm hin, an den Vorsitzenden des Vereins, Herrn A. Lewertoff gerichtet hat und das die „Allgemeine Zeitung des Judenthums" auf die Aufforderung des Vereins-Vorsitzenden laut Preßgesetz § 11 in Nr. 41 ihres Blattes zum Ausdruck bringen mußte. (Vielleicht ist diese Berichtigung manchemLeserentgangen, siestandnämlich nicht an der Stelle, wo der fragliche Artikel gestanden hatte, sondern unter der Rubrik: „Sprechsaal"). Es sei aber noch besonders darauf hingewiesen, daß der Herr Oberpräsident damals in der Audienz, welche der Vereinsvorstand, sowie Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. G. Lange hatten, nicht nur auch freundlich und liebenswürdig blieb, sondern, sogar in sehr herzlichen, warmen Worten seine Sympathien für den Verein und seine Bestrebungen ausgedrückt hat. Er hob cs ausdrücklich hervor, daß er den Zusammenschluß der gcsetzestreuen Juden seiner Provinz voll und ganz würdige, und daß er gerne bereit sei, ihnen jede Förderung angedeihen zu lassen, zu der er imstande sei, damit sie sich und ihre Jugend vor dem verderblichen Einfluß derjenigen Richtung schützen könnten, die ihre religiöse Gewissenhaft ü keil perhorresciren mußte. Man konnte das aufrichtige Interesse des Oberpräsidenten schon aus den eingehenden Fragen und Erkundigungen erkennen, durch welche er sich über alles aufzuklären suchte. — Der arme, „angesehene, westphälische Schulmann"!! daß er sich auch in solcher Sache irren mußte, die so schnell ihre Richtigstellung erfahren konnte! Es wäre ja zu schön gewesen, wenn Herr Studt sich ganz als ein Mann nach dem Herzen des „angesehenen Schulmannes" gezeigt hätte, er hätte ihm die echte Liebenswürdigkeit und Freundlichkeit den bösen „Orthodoxen" gegenüber sogar gern verziehen und hätte sie auf das Conto der wahren Bildung gesetzt, die ja bekanntlich auch bei dem Gegner die Person und ihr aufrichtiges Streben von der Sache zu trennen weiß und keine Gehässigkeiten, nicht einmal Unliebenswürdigkeit und Unfreundlichkeit kennt. Die Hoffnung, welcher der obengenannte Artikel übrigens Ausdruck giebt, theilen auch wir voll und ganz; wir sind überzeugt, daß der so überaus gerechte Sinn des neuen preußischen Kultusministers keine Forderung der Billigkeit unerfüllt lassen wird, auch wir erhoffen für die Zukunft eine Förderung des jüdischen Religionsunterrichts durch denselben und dürfen wohl getrost für alle Fragen, die das Judenthum berühren, dasselbe Wohlwollen von dem Minister Studt erwarten, das wir bei dem Oberpräsidenten gefunden haben. — Wie die Leser des „Israelit" sich erinnern werden, geht der „Verein zur Wahrung der religiösen Interessen des Judenthums in der Provinz Westfalen" schon seit mehr denn Jahresfrist damit um, die Eröffnung eines streng len-Restaurant in Dortmund zu veranlassen. Bisher ist trotz aller Anstrengung des Vereins-Vorstandes, die Sache zu beschleunigen, leider ein greifbares Resultat nicht erreicht. Im Sommer waren Verhandlungen schon fast bis zum Abschlüsse gelangt, ja es war schon ein geeignetes Lokal in Aussicht genommen, aber nachdem der Vorstand schon vieles andere zurückgewiesen hatte, wurde er schließlich von dem betreffenden Restaurateur im Stiche gelassen. — In neuester Zeit sind wieder Unterhandlungen mit anderen Herren ausgenommen, wir haben auch die Hoffnung, daß wir nun endlich zum Ziele gelangen werden, trotz der Schwierigkeiten, welche dem Vorstand sogar von mancher befreundeter Seite gemacht wurde, da man schon oft die vom Vorstand in Aussicht genommenen Herren durch den Hinweis auf eine größere Subvention, die ein anderer Verein geben wollte, und die bisher ausblieb, im letzten Augenblick von der Sache abbrachte. — Um aber nichts zu unterlassen, was wir für die Realisirung dieses Projectes thun können, bitten wir unsere Freunde, dem Vereins-Vorstand oder Herrn Rabbiner Dr. G. Lange V'J in Marburg geeignete Herren, die ein Restaurant gründen und es unter Aussicht des Herrn Rabbiner Dr. Lange ’ J stellen würden, namhaft zu machen, damit wir für den Fall, daß die jetzigen Unterhandlungen resultatlos verlaufen, mit solchen in Verbindung treten können. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Prag. (Sonderbare subjective publieiftische Auffassung.) Das verbreiteste und meist gelesene cechische Blatt „Närodni Politika“, gedruckt auf „jüdischem" Papier, gefüllt mit „jüdischen" Inseraten, bringt alle die seuerigen Begebenheiten, welche seit Aufhebung der Sprachenverordnungen über die Juden Böhmens und Mährens hereinbrechen mit