Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1899-11-16 · Heft 91 (16.11.1899) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 91 (16.11.1899)
Date
1899-11-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448953-2449037--49475-2500006
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

XIm Jahrgang. Erste Beilage j» J& 91 des „Israelit". Zeitungsnachrichten und Eorrefpondenzen. Deutschland. Mainz. Von befreundeter Hand wird uns eine gedruckte Einladung zu einer Hochzeit vorgelegt, welche mit folgender Bemerkung schließt: „Wir bitten höflichst, etwaige telegraphische Gratulationen nbl'öscn -n wollen und den Betrag dafür an den Later der Braut (Adresse) zur „Unterstützung ungarischer zu senden." Diese Einrichtung wird sich gewiß des Beifalls vieler unsrer Leser erfreuen, und empfehlen wir dieselbe zur Nachahmung. Wer mit uns den Mißbrauch empfindet, der bei Hochzeiten mit Telegrammen getrieben wird, wird auch, abgesehen von dem guten Zweck, der durch die sonst nutzlos ausgegebene Summe gefördert werden kann, diese Neuerung mit Freuden begrüßen. Wir erinnern nur daran, daß vor noch nicht langer Zeit, die Anzahl der jüdischen Hochzeitstelegramme sogar im Reichstag zur Sprache kam, als cs sich um die Sonntagsruhe handelte und die tteberbürdung der Telegraphenämter am Sonntag durch jüdische Hochzeilsdepeschen erwähnt wurde. So itngehörig dieser Tadel damals auch war, auf diese Weise wird jeder Anlaß dazu für die Folge entzogen werden und Zwecken zugewendet werden, bei welchen hinterher keine öffentliche Bemänglung zu gewärtigen ist. Berlin. (Wie man sich die Glückwünsche der Allg. Ztg. d. Judenthums sichern kann). Die „Allg. Ztg. d.Judenthums" schreibt in Nr. 44 wörtlich: „Wer mit der etlichen Ueberzeugung, ein gläubiger Christ zu sein, Übertritt, der bleibt in unseren Augen ein achtenswerther Mann, der nur seinem jGewissen und keinen äußeren Rücksichten folgt, wenn auch sein Gewissen einen wesentlich oou dem unsrigen verschiedenen Inhalt hat. Mag er glücklich sein in dem neuen Glauben. In unseres Vaters Hause sind viele Wohnungen." Der Jude, welcher zum Christen, hum Übertritt, ist ganz gewiß von einem verhängnisvollen Jrrthum befangen. Der Jrrthum ist um so verhängnißvoller, je ehrlicher er ist. Man könnte nun begreifen, wenn jüdischerseits an einen solchen Uebertritt überhaupt Wünsche geknüpft werden, daß sich dieselben darauf concmtriren, der Jrrthum möge als solcher erkannt und dieser Erkenntniß gemäß verfahren werden. Füglich ist ein Religionswechsel doch etwas mehr als ein Wohnungswechsel. Das Glück, das hier dliirUebergetretenen gewünscht wird, dürfte aber wenig geeignet sein, ihm das Irrige und Verfehlte seines Schrittes zum Bewußtsein zu bringen. Aber des Wohlwollens der „Allg. Zeitung des Judenthums" ist der getaufte Jude wenigstens sicher. Ob ihn der Beifall der Zeitung des Judenthums aber für seinen Bruch mit dem Judenthum zu entschädigen vermag? Wir bezweifeln es. Frankfurt a. M. (Späte Titelverleihung.) In der jünasten Nr. der „Allg. Ztg. des Judenthums" (Seite 524) verleiht ein Mitarbeiter Rabbiner Samson Raphael Hirsch den Doktortitel, den er bei Lbzeilen niemals best ffen hat. Diese Auszeichnung ruft mir ein ergötzliches Geschichtchkn in» Gedächtniß zurück, das ich aus Hirsch's eigenem Munde gehört habe. — Als derselbe sich beim Antritt seiner Stelle in Oldenburg der Regierung zum ersten Mule vorstellte, redete ihn der betreffende Beamte als Dr. Hirsch an. Der Angeredele bemerkte, daß er keinen Doktortitel besitze. Im Lause der Unterhaltung gebraucht der Regierungsbeamte wiederholt diese Bezeichnung und wiederholt erinnerte ihn Hirsch, daß er keinen Anspruch auf Führung des Titels habe. „Sind Sie wirklich kein Doktor?" „Ganz sicher nicht, Excellenz." „Nun dann gratulire ich mir, daß ich wieder einmal mit einem Manne zu ihun habe, der kein Doktor ist. Ich habe nämlich diesen Titel auch nicht und das kommt heute so selten vor, daß Sie meine ursprüngliche Ungläubigkeit und meine jetzige freudige Überraschung gewiß begreiflich finden. Aus Westfalen. Anläßlich der Ernennung unseres früheren Oberpräsidenten zum Kultusminister brachte die Nr. Sl der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" einen Artikel aus der Feder eines „westfälischen Schulmannes" über den neuen preußischen Kultusminister, dessen Stellung zum „Verein zur Wahrung der religiösen Interessen des Judenthums in der Provinz Westfalen", dabei auch berührt wurde. Es heißt darin u. A.: „auch die Orthodoxen unserer Provinz suchten ihn vor zwei Jahren auf, auch da war er liebenswürdig und freundlich. Als ihn aber dann die Orthodoxen gelegentlich ihrer Jahres- Verfammlung antelegraphirten, hat er natürlich au f die se widerwärtige Zudringlichkeit nicht geantwortet." Es ist wohl unnöthig auf diese letzte Bemerkung einzugehen, man kann einem jeden unbefangenen Leser das Urtheil darüber beruhigt überlassen, ob nicht gerade diese Schimpferei — denn anders ist diese unfeine Auslassung ja gar nicht zu bezeichnen — das Widerwärtigste ist, was geboten werden kann. — Es bestätigt sich hierbei die alte Erfahrung, daß

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.