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Der Israelit · 1899-11-16 · Heft 91 (16.11.1899) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 91 (16.11.1899)
Date
1899-11-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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oder weniger für Vernichtung der Bücher. Pfefferkorn schrieb darauf den „Handspiegel" und warf Reuchlin vor, nicht die geringste Kenntniß des Hebräischen zu besitzen und von den Juden bestochen zu sein. In der Frankfurter Ostermesse 1512 bot er selbst das Buch seil. Als Antwort schrieb Reichlin den „Augenspiegel", um den sich nunmehr der ganze Streit drehen sollte, der Deutschland in zwei Lager spaltete. Er behauptet dann, der getaufte Jude habe nicht weniger al- 34 Mal gelogen und betrachte die ganze Geschichte nur als Geschäft. Nun legte sich die Cölner Universität ins Mittel. Der Ketzermeister Arnold von Tungen und der Dekan Hoogstraten nahmen sich Pfefferkorns an, Reuchlin wurde nach Mainz vor Gericht geladen, appellirte aber an den Papst Leo X. Dieser übertrug die Entscheidung dem Bischof von Speyer. Gegen dessen, für Reuchlin günstiges Urtheil appellirte Hoogstraten wieder an den Papst, der eine Kommission von 18 Prälaten zur endgültigen Entscheidung ernannte. Am 2. Juli 1516 fiel das Urtheil zu Gunsten Reuchlins aus, das nur noch der Bestätigung des Papstes bedurfte, der aber die Entscheidung aussetzte. G.^oß war der Jubel. Der Nürnberger Senator Willibald Purkheimer schrieb eine Schrift zu Reuchlins Verteidigung, Luther versicherte ihn seiner Ergebenheit, im Vordergrund aber stand Ullrich von Hutten, der auch an den „Briefen der Dunkelmänner" eifrig mitarbeitete. Dies sind angeblich an Ortwin Grazius in schlechtem Mönchslatein gerichtete Briefe voll der einfältigsten Fragen, wovon der Redner einige interessante Proben gab. Zu Reuchlins Vertheidigern gesellte sich auch Franz von Sickingen. Inzwischen war der Streit um die jüdischen Schriften längst in den Hintergrund getreten, es handelte sich jetzt darum, ob die aufkeimende Wissenschaft das Recht haben sollte, ihre Ansichten frei zu vertreten. Der Streit bereitete die Gemüther für die Reformation vor. Inzwischen war aber in Rom ein vollständiger Umschwung der Meinungen eingetreten. Papst Leo glaubte der Bewegung der Geister nur durch Festigkeit Herr werden zu können. Fieberhaft war die Thätigkeit der Dominb kaner und wirklich wurde am 23. Juni 1520 .die Speyerer Entscheidung aufgehoben, der ..Augenspiegel" als ein ärgerliches, für fromme Christen anstößiges, den Juden unerlaubt günstiges Buch für den Gebrauch untersagt und sollte vernichtet werden. Reuchlin wurde ewiges Schweigen auferlegt und er außerdem in die Kosten des gesammten Prozesses verurtheilt. Der Ausgang hat den Dominikanern nichts genützt und Reuchlin nichts geschadet. Er lebte unangefochten und in hohen Ehren bis an sein Lebensende. Wir Juden aber weihen dem Manne, der zu seiner Zeit allein unter Millionen die Fahne des Judenthums hochhielt, der seine heilige Sprache lehrte und mit Gefahr des eigenen Lebens für seine Bücher eintrat, ein treues nimmer wankendes Gedenken. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Dahier hat sich ein israelitischer hochdeutsch-orthodoxer Bethaus-Verein, „Adaß-JeschurUN" genannt, gebildet. Der Zweck des Vereins erhält aus § 1 der Statuten : „Der israelitische hochdeutschorthodoxe BethauS-Verein „Adaß Jeschurun" hat den Zweck und die Aufgabe, durch Anstellung eines solchen Predigers, welcher in orthodoxm israelitischen Gemeinden Deutschlands schon gewirkt hat und von dort gut empfohlen sein muß, sowie durch die Errichtung einer Talmud-Thora-Schule, dahin zu wirken a) daß in Wien ein solches Judenthum geschaffen werde, welches moderne Bildung mit strengem Festhalten an den Gottesgesetzen — für die Auslegung der Letzteren ist der Codex „Schulchan Aruch" maßgebend — in sich vereinigt; b) daß speziell für Heilighaltung des Samstags als Sabbat unter den Wiener Juden Propaganda gemacht wird, selbstredend, ohne daß damit der staatlich verordneten Sonntagsruhe Eintrag geschieht; c) unter den Wiener Juden Propaganda zu machen, Geschäftsbeziehungen zu Palästina und Syrien anzubahnen, sowie jährlich Wallsahrtsreisen nach Jerusalem zu unternehmen, um damit das Interesse für Palästina neu zu beleben." England.? London Unter den neu nach Afrika eingeschifften Truppen ist wieder ein jüdischer Soldat Namens Barnett, Gemeiner im Essex Regiment. Ein anderer Maurice Jsaacs, der als Soldat im zweiten Bataillon der Noval Füsiliers acht Jahre in Indien gedient hatte, und nachdem er zur Reserve übergeireten war, eine Stelle im Local Gouvernement Board gefunden hatte, ist jetzt wieder zu den Waffen geeilt, obwohl sein Chef in dieser Behörde, der ihn sehr liebgewonnen, ihm die zum Loskauf nöthigen 400 Mark schenken wollte. In den Treffen bei Fargukas; Farm am 30. Oktober wurden von jüdischen Soldaten die beiden Lanciers Korperale William Mageß und I. Morris verwundet, während die beiden Gemeinen Samuel Glooer von dem King Rogal Rifles und Samuel Rainn vom Leicester Regiment vermißt werden. — Aus Galatz schreibt man, daß sich dort angeblich jüdische Freiwillige in großer Zahl angeboren haben, um gegen die Leistung des Kriegsdienstes bei der englischen Armee in /diesem Feldzuge das Recht zu erwerben, daß die Ueberlebenden in Cypern kolonisirt werden. Es sollen 100 junge Leute unter diesen Bedingungen sich angeboten haben,-ß falls^das Ganze nicht ein Tric des Herrn Frietsch, des Propagators der jüdischen Kolonisation in -Cypern ist.

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