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Der Israelit · 1899-11-16 · Heft 91 (16.11.1899) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 91 (16.11.1899)
Date
1899-11-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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188S ö'wto iödd wieder aufzugraben im Vereine mit Gleichgesinnten, im Kampfe gegen die Kritik, um zu dem sprudelnden alles belebenden Quell zu gelangen, zur wahren Erläuterung der nim. Nur in diesem Sinne habe es der Gründer der Anstalt, fein treuer Schwiegervater, Dr. Israel Hildesheimer ^Ttr, gewollt. Im Weiteren gedachte der Jubilar all seiner ehemaligen Schüler, daß eS ihn immer freue, wenn er in ihnen sorgsame Hüter der.ttoi erkenne, daß seine Lehren und die seiner verehrten Kollegen auf fruchtbaren Boden gefallen. Dies sei der höchste Stolz für den Lehrer und reichlicher Lohn, dies sei auch die sicherste Gewähr für die Erhaltung der 'Liebe zwischen Lehrer und Schüler. Mit frohen Wünschen für die Zukunft schloß er unter Anrufung des göttlichen Beistandes seine schwungvolle, meisterhafte Rede. Nachdem noch ein gemüthlicheS Stündchen fröhlichen Beisammensein verflossen, in welchem so manches Gläschen auf da- Wohl des Verehrten und seiner Familie geleert wurde, traten die Hörer den Heimweg an, nüt dem frohen Bewußtsein einer schuldigen Dankbarkeit genügt zu haben. Möge der Herr Professor rup nws is in Gesundheit und Freude seines hohen Berufes walten zum Heile fürs Rabbinerseminar, zum Segen für pan 'N' p ,/e» du-!2" bn! Frankfurt a M, 5. Nov. Am 30. Oct. sprach im „Verein für jüd. Geschichte und Literatur" Herr Rabbiner Dr. K o t t e k von Homburg v. d. H. über Johannes Reuchlin's Kampf für den Talmud. Es war eine traurige Zeit für die Juden im größten Theil von Europa, namentlich in Deutschland, sie mußten besondere Quartiere bewohnen und Abzeichen an den Kleidern tragen, sie durften nur Geldgeschäfte und Hausirhandel treiben, als der gelauste Jude Johannes Pfefferkorn aus Mähren auftrat und ihre heiligen Bücher denunzirte. 1506 übergetreten, seines Zeichens Metzger, rühmte er sich seiner Kenntniß des Hebräischen, die aber nicht größer war, als diejenige seiner Standesgenoffen. Um einer Bestrafung wegen Diebstahls zu entgehen, soll er sich haben taufen lassen. Nach seiner Taufe wurde er Spitalmeister in Köln. 1507 begann er seine schriftstellerische Thätigkeit mit dem „Judenspiegel", worin er vorschlug, die Juden zum Anhören christlicher Predigten zu zwingen, ihre Bücher zu verbieten und ihnen wegzunehmen, endlich sie aus Deutschland zu vertreiben. Dann schrieb er in rascher Folge: den „Judenfeind", die „Judenbeichte", das „Osternbuch", wobei er in den Dominikanermönchen Unterstützung fand. Von diesen zeichnete sich Ortwin Grazius als besonders judenfeindlich aus, und durch ihre Einwirkung, sowie die Empfehlung der verwittweten Schwester Kaiser Maxirnilian's, der Nonne-Kunigunde,.gelang eS Pfefferkorn, eine am 19. August 1509 in Padua ausgestellte kaiserliche Urkunde zu erwirken, wonach alle dem christlichen Glauben zuwiderlaufende Bücher dem Pfefferkorn ausgeliefert werden sollten. Zunächst ging er nach Frankfurt, Mainz, Bingen, Lorsch, Lahnstein und Deutz und konfiszirte alle jüdischen Bücher. Als in Frankfurt die Bücher dem Feuer übergeben werden sollten, fand Pfefferkorn einen Einspruch vom Erzbischof von Mainz, Uriel von Memingen vor, der den Priestern seines Sprengelstrengstens verbot, sich damit zu befassen, ehe sie von ihm den Befehl erhalten hätten. Pfefferkorn eilte zu ihm nach Aschaffenburg und erhielt die Antwort, das Decret des Kaisers sei wegen eines Formfehlers ungültig, er verlange Gutachten von namhaften Gelehrten, daß die Bücher auch wirklich verdammenswerth wären. Pfefferkorn schlug als Gutachter Joh. Neuchlin, den Erzbischof Victor von Karben vor. Reuchlin, geboren 23. Febr. 1455 in Pforzheim, von seinen Freunden Kadmion genannt, war einer der erleuchtesten Geister seiner Zeit, einer der Väter deS Humanismus. Er, der dem Studium zwei neue Sprachen, die griechische und hebräische, eröffnete, nannte diese eine gottbegnadete Sprache. Einer seiner Hebräischlehrer war Jacob LoanS, Leibarzt Friedrich III. In seinen ersten Veröffentlichungen zeigte er sich noch nicht frei von Vorurthcilen, deswegen mag ihn Pfefferkorn vorgeschlagen haben. Sein Gutachten ging dahin, daß man unter den hebräischen Büchern verschiedene Klaffen unterscheiden müsse: 1) die heilige Schrift des alten Testaments, 3) den Talmud. Daß dieser des Feuers würdig sei, könne Keiner sagen, der ihn nicht verstehe. Wenn sich auch Manches gegen das Christenthum darin finde, so sei doch zu berücksichtigen, daß die Juden als Juden nicht verpflichtet wären, an dasselbe zu glauben, und außerdem wäre sehr viel Nützliches darin enthalten. 3) Schriften über die Kabala (Reuchlins Schoßkind). 4) Commentare zur Bibel, w e Raschi und Kimchi, diese wären auch den Christen zum Verständniß nothwendig. 5) Bücher, die zu dem vom kaiserlichen und päbstlichen Recht gestatteten Cuttus gehören. 6) Bücher über Kunst und Wissenschaft. 7) Fabelbücher und dergleichen, worin wohl Manches gegen den Christenglauben zu finden sei. Er kenne nur Nizachon und Toledoth Jeschu; diese würden aber von der Mehrheit für erlogen gehalten. Sein Gutachten ging dahin, man solle den Juden ihre Bücher nicht nehmen, sondern sie sanftmüthig und gütig zum Christenthum überreden; ferner sollten an jeder Universität zwei Lehrstühle für die hebräische Sprache errichtet werden, wozu die Juden kostenlos ihre Bücher herzu» leihen hätten. Andere der vom Kaiser eingesetzten Gutachter sprachen sich ähnlich aus, die meisten jedoch mehr

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