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Der Israelit · 1899-11-16 · Heft 91 (16.11.1899) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 91 (16.11.1899)
Date
1899-11-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1888 Baginsky, er spricht sich über die Verwaltung sehr lobend auS, bittet aber bei Verabreichung von Verbandstoffen etwas sparsamer zu sein. Für bauliche Veränderungen in der Synagoge Lützowstraße werden 1755 M., für elektrische Anlagen in der Synagoge Kaiserftraße 1000 M. und in der Heidreutergaffe 3000 M. bewilligt. Auch in dieser Sitzung wurde wieder das alte Lied von der Heranziehung jüdischer Handwerker bei Gemeindearbeiten gesungen. In geheimer Sitzung wurde Herr Heinrich Eisner zum stellvertretenden Vorsteher gewählt. Bemerken wollen wir noch, daß es sehr intereffant war, als Herr Louis Sachs dem Stadtrath Dr. Weigert den Begriff echt jüdischer Wohlthätigkeit erklärte. Möge es dem edlen Manne vergönnt sein, noch recht viele Jahre zum Wohle dieser großen Gemeinde wirken zu können. Berlin. Dieser Tage überreichten die Hörer des Rabbinerseminars ihrem bewährten Dozenten, Herrn Universitäisproieffor Dr. I. Barth ans läßlich seines 25jährigen Dozentenjubiläums eine prächtige Adreffe. Es war eine herrliche Feier, die immerdar eine süße Erinnerung bleiben wird allen Theilnehmern, da sie beigetragen haben zur Ehrung eine» Mannes, dem, — auf der Sonnenhöhe eines thatenreichen Lebens stehend, — die Krone der Ehre gebührt. Kurz vor 8 Uhr Abends hatten sich die gegenwärtigen Hörer in Festgewändern in dem hellerleuchteten Salon des Jubilars eingesunden. — Herr Rabbinatskandidat Siegfried Galliner, ein Jünger des Herrn Profeffor, ergriff zunächst das Wort zu folgender begeisterten und begeisternden Rede, die Feier eröffnend: „Hochgeehrter Herr Professor! Schon seit längerer Zeit lenkte» wir, die Hörer des Rabbinerseminars, mehr denn sonst unseren Blick aus Ihre Tbätigkeit als Forscher und auf Ihr Wirken als Lehrer. Der Gedanke an die segensreiche SchaffenSfülle und Schaffensfreudigkeit, die nunmehr seit einem Viertelfahrhundert Ihr Leben schmückt, steigert in undie Gefühle der Hochachtung und Verehrung, die wir Ihnen alle Zeit entgegenbringen, und mahnt uns zu der Erwägung, worin denn der Kern Ihrer Lebensarbeit, Ihrer GeisteSihätigkeit liegt. Die hebräische Sprachwissenschaft ist audem Verlangen, die Bibel richtig zu verstehen, hervorgegangen. Darum ist die Erklärung der Bibel deren Hauptaufgabe. Und in der richtigen Erwägung, daß die hebräische Sprache nicht ans sich selbst heraus erklärt werden kann, daß aber die Erforschung der heil. Schrift ohne eine tiefere Erkenntniß der Sprache nicht möglich ist. haben Sie all Ihre Kra't und Begabung eingesetzt, den Charakter and das Wesen der hebr. Sprache durch Vergleichung mit den ihr verwandten Sprachen zu erschließen, und durch die Ergebnisse dieser Arbeit haben Sie auch der Schriftausleaung neue Wege gebahnt. — Und das, was Ihr unermüdlicher Forschergeist als wahr erkannt, das haben Sie mit dem unentwegten Ernste und der' unauslöschlichen Begeisterung eines Mannes, der v n der Heiligkeit und Würde seiner Aufgabe ganz durchdrungen ist, auch gelehrt, in Erfüllung der Pflicht, die da- Prophetenwort uns kündet: (Jes. 50, 4) my? nym dhio7 pp? >7 |ru "isr "Q"1 „Eine Sprache für Jünger hat der Ewige mir oegeben, sein Wort zu erkennen und den Unerfahrenen zu künden." Gleich dem wachsamen Bergmann, der mit der erhellenden Flamme sich hindarchmindet durch den erzreichen Schoß der El de. so erleuchteten Sie, verehrter Lehrer, mit der Leuchte Ihres Wissens den dunkeln, aber reichen Schacht der bibl Bücher, «seit 25 Jahren ziehen Männer hinaus, denen Ihre Lehrthätigkeit erst das rechte Verständniß der heil. Schrift erschlaffen. Erst in Ihren Vorlesungen erscheint uns das Wirken eines Jeremia in rechten, Lichte, da bekommen wir einen Einblick in die Visionen des Propheten Ezechiel da tauchen die Zukunstsideale eines Jesaia in solcher Lebendigkeit vor uns auf, duß deren Verwirklichung unS nahe erscheint Und ob auch die frohen Jubellieder und ernsten Klagegesänge des Psalmendichters unser Gemüth ergreifen, oder ob die liebliche Hirtenpoesie des Hohenliedes unser Herz erquickt, oder ob wir im Geiste K oheleS weisen Betrachtungen folgen, überall ist es die Wahrheit, die wir suchen: überall hnben Sie uns gelehrt, neben der durch Ueberlieferung gewonnenen Erkenntniß daö selbstständige Forschen der Schriftauslegung zu Grunde zu legen. Es sind nicht nur Gefühle der Hochachtung und Verehrung, sondern vor allem Gefühle der Dankbarkeit, die heute unser Herz bestürmen. Und in gesteigertem Maße empfinden diese Pflicht der Dankbarkeit alle diejenigen Ihrer Schüler, deren Studiengang Sie mit besonderem Interesse begleilet und gefördert haben. Unserer Dankbarkeit haben wir in einer Adresse einen Ausdruck zu geben gesucht, und meine .Kollegen haben mir den ehrenvollen Auftrag ertheilt, sie zu überreichen." Der Herr Redner verlas sodann die in klarem Hebräisch abgefaßte Adreffe, worin die Verdienste des Gefeierten UM die Wissenschaft, seine Liebe zu feinen Jüngern und deren Gegenliebe gerechte Würdigung fanden. Hierauf folgte die feierliche Ucbergabe des Prachtstückes unter den besten Glückwünschen des Redners, sowie der gesammten Korona. Es war ein ernster Händedruck, den der Lehrer seinen Schülern gab, aus deren Blicken er kindliche Liebe für sich entnehmen konnte. Und wenn auch sonst die Hörer des Rabbinerseminars für ihren Führer und Meister Gebete zum Höchsten emporsenden, in diesem Augenblicke geschah dies mit besonders innigen Gefühlen. Thränenden Auges, aufs tiefste gerübrt, dankte der Herr Profeffor für die ihn ehrende Kundgabe. Er danke dem Allvater, daß er ihm die Kraft verliehen, fünfundzwanzig Jahre seine Kräfte in den Dienst der heiligen Sache zu stellen und bitte Ihn um weiteren Schutz und Beistand. Vor allem sei es ihm zu thun gewesen, einer zersetzenden Kritik entaegenarbeiten zu können nach den Normen unserer mrtpn mm. Freilich seien für uns noch heute eine beträchtliche Anzahl von Stellen schwierig, und wir könnten sie nicht lösen. Dennoch aber brauchten wir keine Gewaltstreiche anzuwenden, sondern sollten uns mit unseren vvnvv trösten, die auch sehr oft eine geeignete Lösung für eine Schwierigkeit nicht gefunden. Er selbst habe darum nur gesucht — und das sei auch weiterhin sein Bestreben — die uw* miio

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