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Der Israelit · 1899-11-16 · Heft 91 (16.11.1899) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 91 (16.11.1899)
Date
1899-11-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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188t Vater verbindet, dünkt den anderen als drückende, nicht rasch genug abzustreifende Fessel, was den einen Gegenstand heiliger, ewiger Verbindlichkeit, gilt den anderen als eine Ausgeburt finsterer Vergangenheit, die den mächtig sich regenden Schwingen jeden Zeitgeistes zu weichen habe, die einen erblicken eine Feuer- und Wolkensäule, wo die anderen nichts als eine Vogelscheuche finden. Können die Vertreter dieser extremen, sich geg.nseitig ausschließenden Anschauungen auf die Dauer in einem und demselben Raume, einem und demselben Gemeindeverband leben, ohne sich zu stoßen, ohne den Frieden zu gefährden, der doch jedem theuer ist? Freilich sagt jede Majorität, wie wollen den Frieden, den Gemeindefrieden, wir wollen zusammen weiterleben und wirken, aber "paAnsSro, für meinen Lebenswandel laste ich mir keine Vorschriften machen, wenn er Dir auch zuwider ist. Ist bei dieser Klausel der Friede, den man so ostentativ im Munde führt, auch wirklich denkbar? Bei diesem schreienden Gegensatz der Gesinnung in jeder Brust, bei diesem Gegensatz, der in jedem Wort, in jeder Thal zu Tage tritt? Wenn zwei Völker um den Besitz eines Fetzen Landes Kriege führen und der Stärkere hat mit seinen zahlreicheren Bataillonen und Kanonen den Schwächeren überzeugt', daß das Recht auf seiner Seite ist, so folgt dann diesem Kriege ein Friedensschluß. Aber alle Friedensschlüste waren bis auf diesen Tag nur verlängerte Waffenstillstände, alle trugen den Keim zum nächsten Krieg schon von der ersten Stunde an in sich, weil der Gegenstand des Streites nicht beseitigt war, sondern dem unterdrückten Schwächern nur Hände und Mund geknebelt waren, damit er sein Recht nicht geltend machen könne. Der Starke sagt dann zum Schwachen: Wir wollen Frieden schließen, wollen von nun ab Hand in Hand mit einander gehen, ich behalte mir nur die Kleinigkeit vor: inub daß ich Deine Jntereffen verletze, dein Recht beuge und die Gewalt entscheiden laste, aber sonst leben wir in Frieden. Ist das ein Friedensschluß, wenn er auch hundertmal diesen Namen führt? Wenn zwei oder mehr Leute zu einem geschäftlichen Unternehmen unter einer Firma sich vereinigen, es stellt sich aber im Laufe der Jahre heraus, daß die Ansichten und Tendenzen der einzelnen Theilhaber bezüglich des Geschäftes, des Ankaufs und Verkaufs verschiedener Ansicht sind; jeder handelt zwar nach seinem besten Ermessen, das aber schnurstracks dem zuwiderläuft, was die anderen Campagons für angemessen halten, wenn diese geschäftlichen Differenzen sich von Tag zu Tag wiederholen und die Mißstimmung darüber auch die privaten, persönlichen nichtgeschäftlichen Beziehungen zu trüben droht, die Herren möchten aber unbeschadet ihrer geschäftlichen Meinungsverschiedenheiten friedlich, wenigstens außerhalb des Geschäftes mit einander verkehren, gibt es dann ein anderes Mittel, jden Frieden wiederzuerlangen und ungestört zu erhalten, als das Aufgeben ihrer geschäftlichen Verbindung? So lange sie durch ihr Geschäft verbunden sind, und sich die Ansichten aneinander stoßen, ärgert sich der eine über den andern; der Aerger überdauert die Geschäftszeit und läßt auch seine Bitterkeit dort zurück, wo man ihn nicht wünscht, im Familienverkehr, in der Begegnung auf der Straße und allenthalben sonst. Von dem Augenblick an, der ihre geschäftliche Verbindung aufhebt, können sie wieder gute Freunde werden, wie sie es früher waren, von diesem Augenblick an haben sie das, was sie bis dahin schmerzlich vermißten — den Frieden. Sollte das, was im täglichen, geschäftlichen Leben uns so geläufig und selbstverständlich ist, in unserem Gemeindeleben wirklich so unerhört und unverständlich sein? Man kann nicht ehrlich mbj> wdj sagen, so lange als Pferdefuß noch ein nrbm folgt. Will aber jede Partei ihr Princip nicht aufgeben, so gibt es keinen anderen Ausweg als den, welchen Esaw und Jakob eingeschlagen; es geht dann jeder seinen eigenen Weg und diese Trennung bringt den Frieden; nein sie bringt ihn nicht erst; sie ist der Friede. Zeitungsnachrichten and Sorrespondenze«. Deutschland. ER. Berlin, 5. Nov. (Repräsentantenversammlung der jüd. Gemeinde.) Herr Commerzienrath Friedländer referirte über die Friedhofs-Commission, welche mit einem Ueberschuß von 6083.73 Mark abschließt, Herr Leonhard Sachs giebt Bericht über die Centralstelle für Armenwesen, derselbe ergiebt einen Ueberschuß von 299.55 Mark. Ueber die Thätigkeit der Armenkommission wird ein längerer Bericht gegeben, aus welchem wir hervorheben, daß die Unterstützung der Wittwen an die Waisencommission übergeben und für diese 2000 M. abgezweigt wurden. Dem Fonds für verschämte Arme wurden 296 Unterstützungen in Beträgen von 30 öiä 500 Mark entnommen und zwar größere Unterstützungen je eine ä 500 mb 400 Mark, acht ä 300 M., vierzig ä 150 M., vier ä 120 M., 97 9, 100 M. Die Gesammtsumme der Verausgabungen der Armenkommission betrug 144,360 M. und schloß mit einem Defizit von 854 M>, welches dechargirt wurde. Ueber das Krankenhaus referirte Herr Prof.

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