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Der Israelit · 1899-11-16 · Heft 91 (16.11.1899) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 91 (16.11.1899)
Date
1899-11-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1886 diese Gefahr beseitigt, so daß die lange Fehde mit einer Versöhnung der feindlichen Brüder schloß. Ob diese Versöhnung eine aufrichtige, herzliche oder nur eine augenblickliche, zur Schau getragene und wenig tiefgehende seitens Esaw war, darüber gehen die Ansichten der Weisen auseinander. Nehmen wir aber auch einmal an, daß die Begegnung wirklich jeden Brudergroll aus Esaw's Herzen gebannt und dieses dem Bruder in wirklicher Anhänglichkeit nunmehr entgegen schlug, so fteht es doch außer allem Zweifel, daß Esaw'S ganze sonstige Gesinnung und Handlungsweise, soweit sie sich nicht auf den Bruder bezog, so sicher dieselbe geblieb-n war, wie wir dies auch von Jakob wissen. Jakob blieb auch nach dieser Begegnung der a'bmx cew an b»x, der gerade schlichte, fromme Mann, der seinen Lebensberuf und sein Lebensglück innerhalb des heimisch?» ZeltcS, des Kreises seiner Familie suchte und fand, ganz so wie Esaw auch der m» L>'x, der jht tyx blieb, den es hinaus in Feld und Wald und ins Leben zog, wo er Thiere und Menschen in seine Netze lockte. Daß bei einem solch schroffen Gegensatz ein friedliches Zusammenleben für die Dauer ausgeschlossen war, konnte dem Scharfblick keinem der beiden Brüder entgangen sein, ca dtjk rotr ow no md nv nn NN'. Wohl wäre es gut, wohl wäre es schön, wenn Brüder von Abstammung und Geburt auch Brüder in der Gesinnung sein und so auch einträchtig zusammen wohnen könnten! Aber das war hier ausgeschlossen, wenn auch der alte Bruderzwist redlich verwunden war. Ihr persönliches Zusammenleben hätte auf Schritt und Tritt, täglich, stündlich den alten Gegensatz zu Tage treten lassen und hätte so dazu geführt, den errungenen Frieden wieder zu stören. Ein solches Wiederaustodern des alten Zwistes hatte Jakob als der schwächere mehr zu fürchten, als Esaw, aber nicht nur aus Rücksicht für seine körperliche Erhaltung, sondern noch mehr im Hinblick auf die sittliche Gefahr, die der fortwährende Verkehr mit einem solchen Bruder für die ganze Jakobsfamilie bedeutete. Welch' fortwährender Versuchung hätte Jakob seine Kinder durch den friedlichen Verkehr mit einem reichen, gefürsteten Onkel ausgesitzl, wie es Esaw war! Diese eine Erwägung mußte für Jakob genügen, sich von dem Bruder räumlich zu trennen. Esaw war für ein gemeinsames Zusammenleben der beiden Brüder, aber unter dem ausdrücklichen Vorbehalt, daß er seinen ungebundenen Lebenswandel auch in Gesellschaft Jakobs weiter führe. Das scheint der Sinn der vier Worte sein, in welchen Esaw den Wunsch eines friedlichen Zusammengehens mit Jakob kleidet; -p;ib rnbxi mbji nyc; noxi Er sprach: „Wir wollen vorwärtsziehen und zusammen gehen, aber ich werde meinen Dir entgegen gesetzten Wandel weiterführen." (1. V. M., Cap. 33, V. 12). Jakob lehnt dieses so höflich, wie entschieden wiederholt ab und beharrt dabei, nicht mit vem Bruder zusammen zu leben. Esaw kehrt daher am selbigen Tage noch zu feinem Wandel zurück, den er während der kurzen Zsit des brüderlichen Zusammentreffens wohl nicht hervortreten ließ, und geht nach Sclr. Jakob aber, als wollte er jede Möglichkeit je mit seinem Bruder wieder zusammen zu kommen ausschli-.ßen, baut sich ein Haus und läßt sich mit seinen Heerden dort dauernd nieder, pi nraa vd: apr: niw is*nb w Km cm rrcc open atr x'p p by mrs >-irr»y mjpobi jtq ib Wer von den beiden Brüdern war hier der friedliebende? Auf den ersten Blick war es Esaw, der nun mit Jakob für alle Zet'-en zusammen leben will und diesen Wunsch wiederholt recht angelegentlich zum Ausdruck bringt. Jakob dagegen, der dieses Anerbieten zurückweist, erscheint als derjenige, der auch nach der eben erfolgten Versöhnung der Trennung das Wort redet und nicht verlegen um Gründe für diese Trennung ist. Wer aber der Sache näher auf den Grund geht, wird zum gegentheiligen Resultate kommen. Für das Zusammenleben der Brüder ivar allerdings Esaw, für den Frieden war aber Jakob. Was Esaw von Jakob trennte, war der Gegensatz der beiderseitigen Gesinnungen und Lebensanschauungen und der daraus resultirende Gegensatz ihres ganzen Thuns und Lassens. Diese ihre Denkungsart und Handlungweise wollte keiner der beiden Brüder auch für die Zukunft aufgeben. Hätte unter diesen Verhältnissen ihr Zusammenleben nicht eine fortgesetzte Veranlassung gegenseitigen Anstoßes und Aergernisses gegeben? Miteinander hätten die Brüder ohne Reibung nicht friedlich leben können, einer hätte den andern genirt und in seiner Entfaltung gestört. Aber nebeneinander konnten sie den schwer errungenen Frieden auch in Zukunft wahren. Wenn Esaw in Se'i'r und Jakob in Sukkoth weilt, so stören sie sich gegenseitig nicht und können der neugeknüpften bundesbrüderlichen Versöhnung auch in Zukunft sich erfreuen. Das ist so sonnenklar und selbstverständlich, daß es darüber kaum eine Verschiedenheit der Ansichten sollte geben können, und dennoch! Genau wie damals die feindlichen Brüder stehen sich heute jüdische Brüder mit einer Gegensätzlichkeit der ganzen Lebensanschauung einander gegenüber, für die es keinen Ausgleich giebt. Was den einen heiliges Vätererbe ist, gilt den andern als ein „überwundener Standpunkt", was die einen als göttliche Satzung verehren, weisen die anderen als menschliches Machwerk weit von sich, das Band, welches die einen mit ihrem himmlischen

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