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Der Israelit · 1899-11-13 · Heft 90 (13.11.1899) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 90 (13.11.1899)
Date
1899-11-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1870 Leitung-nachrichten und Eurresppudeureu Deutschland. Berlin, 10. Nov. Der Antisemitismus hat in der Provinz Hessen einen schweren Stoß erhalten durch das Eingehen seines Kasseler Partei-Organs, des dortigen „Antisemitischen Volksblattes". Das Eingehen dieses Blattes ist ein Beweis dafür, daß der Antisemitismus auch in seiner ehemaligen Hochburg überwunden ist. Noch vor fünf bis sechs Jahren erschienen in der Provinz Hessen zwei antisemitische Blätter. In Marburg gab Dr. Böckel, der sich trotz seiner demokratischen Allüren gern den „Bauernkönig" nennen hörte, den „Reichsherold" heraus, welcher den linken Flügel des hessischen Antisemitismus vertrat. In Kassel erschien als Organ des Reichstags- Abgeordneten Werner, das immer reaktionär gewesene „Antisemitische Volksblatt". Böckels „Reichsherold" mußte zuerst ins Gras beißen und sein Inhaber suchte Unterschlupf bei dem im „Reichsherold" so oft bekämpften Bund der Landwirthe. Nun ist auch das Kasseler „Antisemitische Volksblatt" dem doch so milden Herbst zum Opfer gefallen und völlig „entblättert, ragt der Baum des hessischen Antisemitismus in die Luft. In journalistischer Beziehung hat die antisemitische Partei allerdings an ihrem Kasseler Organ nicht viel verloren. Stil und Taktik desselben waren noch niedriger als sein Abonnentenstand. Immerhin aber ist das Eingehen des Blattes ein Schlag für die Organisation der Partei, der sich nicht verwinden lassen wird. Wurde das Blatt auch von der Masse der antisemitischen Mitläufer nicht gehalten, so diente es doch dazu, die Vorstände der einzelnen Ortsgruppen unter sich und mit dem Parteivorstand in Fühlung zu halten und sie mit Agitationsmaterial zu versehen. Fällt es jetzt aus, so muß diese Arbeit auf dem ebenso zeitraubenden wie kostspieligen Wege des brieflichen Verkehr» gethan werden. Die Antisemiten aber, die nicht einmal die Mittel für den Weiterbestand eines öffentlich erscheinenden Organs aufbrachten, werden für diese öffentlich nicht sichtbare Arbeit noch weniger Geld übrig haben. Damit ist auch der Zerfall ihrer meist auf die Wohlgesinntheit der Herren Bürgermeister und sonstiger Ortsgewaltiger aufgebauten Partei- Organisation in die Wege geleitet. Sic transit gloria mundi! — Die nächsten Wahlen dürften die Richtigkeit unserer Beurtheilung der Sachlage erweisen. Die lachende Erbin aber ist die Socialdemokratie. Berlin, 6. Nov. Ueber die Veränderungen innerhalb der Adaß Jisroel Gemeinde werden nach und nach weitere Einzelheiten bekannt. Wir folgen in Nachstehendem einem Berichte der „Israelitischen Wochenschrift": Die Gemeinde Adaß Jisroel hat um den Preis von 350 000 Mark das Grundstück Artilleriestraße 32 erworben, in dessen Garten eine neue Synagoge erbaut werden soll. Die Auflassung ist bereiterfolgt. Der Ankauf ist durch die Freigebigkeit eine- Mitglieds jener Gemeinde, des hochbetagten Herrn Keßler, ermöglicht worden, der 250 000 Mark dazu beisteuerte, überdies ferner 150 000 Mark zum Bau der Synagoge spenden will Die Adaß Jisroel-Gemeinde, die vor einigen Monaten ihren Rabbiner verloren hat und jetzt den Abgang des RabbinatsverweserS Dr. Biberfeld beklagt, der sich völlig dem Studium der Medizin widmen will, wird schon in allernächster Zeit ihr Rabbinat völlig rekonstruirt haben. Neben Herrn Dr. Meyer Hildesheimer, der seit längerer Zeit schon das Predigamt versieht, auch der Leitung des Schulwesens selbstständig vorsteht und nach erlangter Ordination die Stellung eine» Rabbiners bekleiden soll, wird namentlich für die Ausübung der rabbinischen Funktionen und unter völliger Gleichstellung Herr Dr. Esra Munk berufen werden, ein Schwestersohn des seligen Dr. Israel Hildesheimer und Bruder des Provinzial-RabbinerS Dr. Leo Munk in Marburg. Herr Dr. Esra Munk stammt aus Altona, hat das hiesige Hildesheimersche Seminar absolviert, ist seitdem in Königsberg in Preußen thätig und steht jetzt etwa im 33. Lebensjahre. Derselbe hat sich noch nicht fest entschlossen, dem Rufe nach Berlin zu folgen, da er alsdann genöthigt wäre, in Königsberg einen Wirkungskreis, indem er seither glänzende Resultate erzielt hat, aufzugeben. Die Synagoge in der GyPsstraße soll auch nach Fertigstellung deS Neubaus in der Artilleriestraße weiter in Benutzung bleiben. Fürth, 10. Nov. Direktor Dr. Stern hat im Anfang des vorigen Monats seine Stellung als Leiter der israelitischen Realschule zum 1. Januar gekündigt. Er siedelt bereits Ende Dezember nach Berlin über, um dort eine gleichartige Anstalt und ein besseres Pensionat zu begründen. Es ist höchst bedauerlich, daß die geschähe Lehrkraft uns nach nur einjähriger Thätigkeit verloren geht. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wie«, 10. Nov. (Interpellation im Abgeordnetenhause wegen der Broschüre Masaryk's. In der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses haben Abg. Kronawetter und Genossen eine Interpellation an den Justizminister gerichtet, welche die Confiscation der Broschüre des Professors Masaryk über die Nothwendigkeit der Rkvssion des Polnaer Prozesses betrifft. Die Interpellanten verweisen darauf, daß die Broschüre nichts enthalte, als eine Reihe von kritischen Bemerkungen

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