Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1899-11-13 · Heft 90 (13.11.1899) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 90 (13.11.1899)
Date
1899-11-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2448953-2449036--49455-2499985
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1874 den Orthodoxen Reformer, bei den Reformern Orthodoxe genannt werden, weil sie immer zwischen den Parteien laviren, ohne selbst ein Prinzip zu haben) beendet in Nr. 38 eine Artikelserie über die Mischehe. Gegen den pyramidalen Satz „Dort wo die Mischehe nicht zu umgehen ist (??) soll man wenigstens suchen, die Kinder dem Judenthum zu sichern, besonders wo der Vater Jude ist" kann nicht laut genug protestirt werden. Wo die Mutter Nichtjüdin ist, ist das Kind Nichtjude,- und sind im Allgemeinen Proselyten oy bKivnb D’trp sind es solche, die aus Mischehen stammen, noch viel mehr, denn gute onvr werden das nimmer. Es lohnt nicht mit diesem Blättchen zu polemisiren, doch wollen wir den in 8tatu8 quo Gemeinden noch vorhandenen jüdischen Elementen die Augen darüber öffnen, was für Leute sich ihnen zu Führern aufdrängen. Wie«, im Nov. Am 31. v. M. hat sich hier der österreichisch-israelitische Gemeindebund nach jahrelangen Geburtswehen constituirt. Die Erfahrungen, die Sie „draußen im Reiche" mit der gleichnamigen Schöpfung gemacht haben, sollte unseren Glaubens¬ und Gesinnungsgenossen zur Warnung dienen, daß sie dieser Schöpfung zumindest mit Vorsicht näher kommen. Es sind wohl religiöse und cultuelle Fragen grundsätzlich von der Bundesthätigkeit ausgeschloffen; wie der Bund aber Bildungsanftalten, jüdische Geschichtsschreibung, Religionsunterricht fördern, Kenntniffe über das Wesen des Judenthums verbreiten kann, ohne das religiöse Gebiet zu streifen, ist uns unerfindlich. In der ersten Versammlung wurde der Bund als Vertretung in spe der österreichischen Judenschast erklärt. Wir lenken die Aufmerksamkeit der „Machsike Hadaß" in Galizien schon heute auf diese Centralisirungs-Bestrebungen, umsomehr als 30 galizische und 5 bukowinaer Gemeinden dem Bunde bereits beitraten und die Leitung des Bundes selbstverständlich in neologen Händen liegt. Spbvrte« (Böhmen), 6. Nov. (Jonathan Eibenschitz sVortrag, gehalten von Rabbiner Dr. M. L. Stern, Bez.-Rabbiner in Triesch.j) In der heutigen Zeit der Entmuthigung und des Jndifferentismus ist es eine moralische Nothwendigkeit, die markigen und kraftvollen Gestalten unserer alten Helden wieder aufleben zu laffen i'und sie in ihrer ganzen ethischen Größe dem jüd. Publikum vorzuführen, um Muth und Entschloffenheit, Willenskraft und Charakterstärke, Gottesvertrauen und Glaubensfestigkeit aus deren Erinnerung zu schöpfen. Eine solche Heldengestalt ist Rabbi Jonathan Eibenschitz. Und das Bild, das der Verfasser von demselben entwirft, ist ein lebenswahres, anmuthendes, erhebendes. Dr. St ern, bekannt als tiefdenkender Philosoph und geistvoller Effajist stellt auch als Biograph seinen Mann. Das Jugendbild seines Helden zeichnet er mit der Feder, welche er den Schwingen seiner Phantasie entnimmt, da anderweitige ungetrübte Berichte über die Jugendzeit R. J's. fehlen, aber dieses Phantasiebild ist in dem Gesammtcharakter des Rabbi begründet. In lebendiger Darstellung, mit tiefem jüd. Gemüthe wird R. I. als Dalmudjünger geschildert und in dieser Schilderung liegt ein gewisses Heimweh zur alten Schiurstube', zum alten Beth-Hamidrasch, die den Leser anheimelt. Im weiteren Verlauf des Vortrages wird das Verhältniß der Kabalah zur Philosophie wissenschaftlich erörtert und sodann zu den Kämpfen übergegangen, die R. I. wegen seiner angeblichen Anhängerschaft zum Sabbathanismus zu bestehen hatte. In überzeugender Weise setzt der Verfasser auseinander, daß auf R. I. diese Anschuldigung nicht zutrifft, daß diese Sekte sich an ihn herangedrängt habe, ihn fälschlich als den Ihrigen überall ausgab, dazu kommt noch sein lebhaftes Interesse für weltliche Wissenschaften , die seinerzeit von den Eiferern verpönt waren und sein Verkehr mit kathol. Geistlichen, um ihn des Sabbathanismus zu beschuldigen, von welchem er in Wirklichkeit unberührt blieb. Denn seine Amulette, deretwegen er verketzert wurde, ließen sich wohl sabbathianisch deuten — was uns auch die heftige Gegnerschaft R. Jakob Emdens erklärlich macht — die aber in Wahrheit nur als der Ausdruck einer harmlosen, menschlichen Schwäche sich darstellen wie sie selbst den erleuchtestenI Geistern, die sonst frei von jedem Aberglauben sind, anhaftet, wie der Verfasser von Wal len st ein, Napoleon, G ö t h e u. A. beweist. Was heute Suggestion, das geheimnißvolle Palliativmittel ist, durch welches selbst wissenschaftliche Capazitäten allerlei Krarkheiten heilen wollen, das war damals das Amulet, der rettende Glaube und nur der Glaube daran war oft die letzte Hoffnung auf Rettung und Hilfe, und der Glaube wirkte, „denn auch der Glaube kann Berge versetzen." Zum Schluffe rückt der Verfasser Grätz scharf zu Leibe, dem er Schadenfreude an dem Verlauf dieses bösen Spieles vorwirft, der mit gewisser Genugthuung behauptet, daß in diesem Streite sich die Hohlheit jener ganzen Geistesrichtung selbst an den Pranger gestellt und den Untergrund des rabbinischen Judenthums aufgelockert habe. Die Thatsachen beweisen das gerade Gegentheil. Das altrabbinische Judenthum ist auch nach jenem Streite nicht abgestorben, es blühte vielmehr noch lange nachher von innerer Kraft und es blüht sogar mannigsachlnoch heute. Weiters wird R. J's. Wirksamkeit als Rabbiner und Schriftsteller eingehend gewürdigt^und seine Geistes- und CharaktergrößeZgeschildert.^D. V.^zeigt sich auch hier, wie in allen seinen Schriften als Mann von hohem Geiste, tiefem Gemüth und vor-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.