Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 89 (9.11.1899)
- Date
- 1899-11-09
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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1863 g^HTri" W* der sich über die Einwanderer deutscher Abstammung folgendermaßen äußert: „Wohin ist ihr Deutschthum gekommen? Sie streifen es ab, sobald sie aus dem Vaterlande kommen. Wo es gut ist, da ist mein Vaterland, sagen sie und vergessen, da sie eine Heimath haben, daß Vater und Mutter und sie selbst Deutsche sind. Ja. es ist so weit gekommen, daß ein Mann von deutscher Abstammung in einer öffentlichen Versammlung von Engländern laut verkündet: Was die Wanzen für ein Haus sind, das find die Deutschen in der Allgemeinheit; man muß sie austreiben mit Dampf. — Das ist Wahrheit und keine Uebertreibung. Wo sind die vielen deutschen Missionen, die mit deutschem Gelbe sich nach Südafrika senden ließen? Keiner von ihnen gehört der deutschen Gemeinde an. Hunderte und Tausende sind verloren. Wäre nur die Hälfte derselben treu geblieben, — cs würde anders stehen, um das Deutschthum in Afrika. — Zwischen den Holländern und Engländern besteht eine Kluft, die wohl nie über brückt werden w:rd. Kommt zu elfteren ein Fremder und sagt: Ich bin ein Deutscher, so wird er freudig willkommen geheißen, wogegen der Engländer nirgends Gastfreundschaft findet." Das merkwürdige ist nun, daß die Juden, denen ihre Feinde das Deutschthum conscquent absprechen, demselben selbst im Auslände treu bleiben und zähe an ihm festhalten. „Bemerkenswerih ist," fügt Herr Pastor Wegener hinzu, „baß olle Juden sich in Südafrika als Deutsche ausgeben. Man mag daher noch so viel versuchen, drin Transvaal-Bauern klar zu machen: Ich bin kein Jude, sondern ein Deutscher, — die Antwort lautet: Na ja, das ist daffelbe. Im Großen und Ganzen aber erfreut sich der Deutsche, wie schon angedeutet, doch ziemlichen Ansehens." Ob dieser Thalfachen gerieth damals die hiesige „Tägliche Rundschau" ganz aus dem Häuschen. Eln Leser schrieb ihr: „Wie die uns stammverwandten plattdeutschniederländischen Buren, deren Präsident Krüger sich mit dem Fürsten Bismarck plattdeutsch unterhalten konnte, so ist auch ein uns ebenso nahestehendes Volk Europas des Glaubens, daß Juden Deutsche und — Deutsche Juden sind; es sind dies die Schweden. Ein schwedischer Maler, den ich 1821 in München kennen lernte, erzählte mir, daß der gemeine Mann in Schweden, d. h. die schwedischen Bauern, Handwerker und Arbeiter die Juden nicht Juden, sondern „Tysker" d. i. Deutsche nennen; ein Tysker ist ein Jude. Das naive, ungebildete Volk muß also dort glaubcu, daß alle Deutsche — Tysker d. h. also Juden sind, da eben nur Juden als Tysker gelten. Eine Vorstellung, die einem )eden Deutschen die Nöthe des Zornes und der Empörung in die Wangen treiben muß! Die Benennung erklärte sich mein Gewährsmann dadurch, daß die meisten in feiner Heimath ansässigen Juden au» Deutschland, Polen und den russischen Ostseeprovinzen eingewandert seien, und sich als Deutsche ausgegeben hätten, oder weil sie die deutsch-jüdische Mischsprache gesprochen hätten, für Deutsche gehalten worden seien. So wird im Ausland die Bezeichnung „Deutsch" in Mißeredit gebracht! Wer will ermessen, wieviel die „deutschen" Juden überall im Ausland zu der Feindschaft beigetragen haben, der wir uns fast rundherum zu unserem Staunen bei unseren Nachbarvölkern zu erfreuen haben! Ja, das ist auch noch eine Seite der Judenfrage über die sich ein eigenes und sehr lehrreiches Kapitel schreiben ließe." Mit dem letzten Satz sind wir vollkommen einverstandkn. In der That über diese Seite der Judenfrage ließe sich ein eigene» Kapitel schreiben. Die Vollblutgermanen geriren sich zu Hause als alleinige Generalpächter des Deutschthum», um es im Au»' land ver leugnen zu können und dort gelten die Juden als Deutsche Mi' excellence! Ein Kenner de» Ausland» stellt da» Ansehen der Deutschen dort als im Großen und Ganzen erfreulich hin, die Feindschaft gegen die Juden insinuut dagegen dem Ausland Feindschaft gegen die Deutschen, um diese Feindschaft den Juden auf's Kerbholz setzen und lehrreiche Kapitel ankündigen zu können. Die Juden in Transvaal mögen mit ihren Sympathien auf Seiten der Engländer oder der Buren stehen, in beiden Fällen befinden sie sich in guter Gesellschaft. Da» ist eine billige Forderung des Freisinns, deren Ben örgelung einer „Freisinnigen Zeitung" zu mindestens höchst eigenthümlich ansteht. Oesterr.-Ungar. Monarchie, ob. Aus Mahren, 5. Nov. Aus Boskowitz kommt eine Nachricht, die nicht verfehlen wird, bei allen gesetzeStreuen Juden tiefe Betrübniß zu erwecken. sSu silbst starb nämlich vorige Woche Herr Moritz Knöpfelmacher in Folge eine» tückischen Leiden». Derselbe hatte sich aus kleinen Anfängen durch emsigen, rastlosen Fleiß zu einem wohlhabenden Manne emporgrschwungen. Sein unentwegtes Festhalten an der Religion der Väter, seine ungeheuchelte Frömmigkeit haben ihm ein ewiges Denkmal gesichert. Trotz seines Reichthums hing er mit seltener Zähigkeit an den allen Gebräuchen, eine Erscheinung, die bei uns zu Lande, namentlich bei unseren Glaubensgenoffen zu den größten Seltenheiten gehört. Wa» aber außerdem bei ihm besonders lobend zu erwähnen ist, sind seine außerordentlichen Wohlthätigkeitsakte, die er über seine Verhältniffe betätigte. Die Summen, die er für humane Zwecke verwendete, macht jährlich einige lausend Gulden. Da war kein