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Der Israelit · 1899-11-09 · Heft 89 (9.11.1899) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 89 (9.11.1899)
Date
1899-11-09
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Armer, der mit leeren Händen wegging, kein Greis, keine Wittwe, die er nicht unterstützt hätte, kein Sammelbogen, auf welchen er nicht eine namhafte Summe gezeichnet hätte. Boskowitz verliert in Herrn Knöpfelmacher r: feinen größten Wohlthäter, das orthodoxe Iüdenthum einer seiner treuesten Söhne. Der tiefgebeugten Wittwe rufen wir zu: Sein Körper ist gestorben, seinIGeist abrr wirb ewig leben, Dänemark. Copenhage«, 37. Ott. lieber einen erfreulichen Fortschritt im religiösen Leben, habe ich Ihnen mitzutheilen. Seit etwa einem Jahre ist hier in unserer Gemeinde mehr Jntereffe zu spüren, die heilige Religion näher kennen zu lernen, die Kinder in religiösem Sinne zu erziehen und zu belehren. Man fing vorigen Winter auf eine ganz praktische Weife an, nämlich durch eine größere gesellschaftliche Feier, die der hiesige Ez-Chajim-Verein veranstaltete; und als dieselbe sehr großen Beifall fand, wiederholten die Vorsteher dieses schönen Vereins zu Purim dar Fest, und nun wurde der Wunsch lebendig, 'öftersich zu versammeln, wodurch natürlich ein weit größerer Zusammenhalt geschaffen wurde. Auch einige Vorträge, die vorigen Winter von unserem Herrn Rabbiner abgehalten wurden, trugen wesentlich dazu bei, die Lust zu wecken nach mehr Belehrung. GS kann nicht geleugnet werden, daß unser seit l1/* Jahren hier thätiger Rabbiner, Herr Dr. Goitein, einen großen Antheil an diesem Aufschwung hat. Nicht bloS durch seine glänzenden, gedankenreichen und doch leicht verständlichen Reden hat er eS verstanden, ein weit größeres Publikum in die Synagoge zu leiten, als es früher der Fall war, sondern durch seine persönlichen Eigenschaften, seine Gelehrsamkeit und vor allem durchseinen aufrichtigen Willen und sein ernstes Bemühen auch andere zu belehren und für unsere heilige Religion zu bewegen. Diese- Vertrauen hat sich gerade in voriger Woche auf sichtbare Weise gezeigt, indem die hiesige Israelitische Religionsschule, die mehr und mehr zurückging, durch ihren Vorstand, Herrn Oberrabbiner Simonfgn, es Herrn Dr. Goitein übertragen hat, eine Art private Ausbildungskurse für solche Herren und Damen, die in Familien die Kinder unterrichten wollen, zu bilden. Hauptsächlich sollen diese Kurse für die reifere Jugend sein, die den Unterricht weiter bringen und in manchejüdische Haus verpflanzen soll. So ist denn zu hoffen, daß das schöne Unternehmen recht gute Früchte tragen möge, und die gediegene Belehrung, für welche Dr. Goiteinguter Name bürgt, nach und nach in recht viele Häuser eindringe. DaS große Publikum aber wird auch in diesem Winter hoffentlich häufig Gelegenheit haben in geselliger Versammlung Vorträge zu hören, die neben der ernsten Pflicht deS Ez-Ehajim-Bereins, auch zur Ermunterung, zum Zwecke des Zusammenhaltes von demselben veranstaltet werden. Australien.? Melbourne. In der hiesigen jüdischen Gemeinde, obwohl sie an Mitgliederzahl ständig gewinnt, ist eS dennoch um religiöse Angelegenheiten recht schlecht bestellt. Die regelmäßigen Gottesdienste an Wochentagen hat man aufgeben müssen aus Mangel an Betheiligung und auch die jüdische Schule ist eingegangen, weil sie sich finanziell nicht halten ließ. Die religiöse Indifferenz ist hier eben zu groß geworden und die berufenen Autoritäten, die Rabbiner und Gemeindevorsteher, statt sich mit dieser Frage zu beschäftigen, interessiren sich nur dafür, wie der Uebertritt christlicher Mädchen zum Judenthum zu verhindern sei. Literarische Notiz. Leitfaden für den Religionsunterricht in der israelit. Schule. Bearbeitet von Nathan Bamberger, Districts-Rabbiner zu Würzburg. Frankfurt a. M. I. Kau ff mann. Wie viele „Religionsbücher" haben wir schon erlebt, seitdem wir die „eingegangenen Neuheiten" für die Redaction des „Israelit" einer Sichtung unterziehen, und „eingegangen" sind wirklich schon viele unter diesen Neuheiten. Hält sich doch heute, wo der Druck so billig und das Papier so schlecht, jeder Dorfschulmeister, namentlich wenn er aus dem Osten stammt und im Westen Unterkunft gefunden, für berechtigt und befähigt ein Religionsbuch herauszugeben. Da wird dann massenhaft Reclame für dasselbe gemacht, jeder Freund und Vetter soll es in seiner Schule einführen, aber es dauert kaum ein Jahr, oft nur wenige Monate, und das neue Buch ist von der Oberfläche des immer bewegten literarischen OceanS verschwunden, nur in den antiquarischen Katalogen der Buchhändler feiert es dann ein beschaulisches Dasein. Wenn deshalb ein Religionsbuch wie das in der Ueberschrift genannte in dem kurzen Zeiträume vom Jahre I880 bis heute bereits die fünfte Auflage erlebt hat, so darf man wohl voraussetzen, daß der Inhalt desselben über die mitwerbenden Erzeugnisse um Haupteslänge hervorragt. Der gelehrte Herr Verfasser hat es nun auch in der That verstanden, in knapper Form und in gemeinverständ' licher Sprache all das zu bieten, was für die betreffenden Klaffen unentbehrlich ist und so ist ihm auch die Anerkennung hoher nicht jüdischer Kreise nicht versagt geblieben. Das Religionsbuch ist das einzige, das vom Königl. Bayr. Staatsministerium unter die Zahl der genehmigten und empfohlenen Schulbücher ausgenommen worden ist. Wir wünschen der neuen im Druck befindlichen Auflage ebensoviele Freunde wie den vorhergehenden.

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