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Der Israelit · 1899-11-09 · Heft 89 (9.11.1899) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 89 (9.11.1899)
Date
1899-11-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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^Z£F??Kv9S&r*'s''- '• ••»f^>- •' - 185t /’ /' Welch ein Erfolg des Antifemittsmus'. Mehrere Städte in Flammen, arme jüdische Familien irren wie sinnlos umher, Säuglinge müssen aus der Wiege geriffen werden, um sie vom Flammentode zu retten. Die einzige Zufluchtsstätte, wo ein bedrücktes Gemüth sich Linderung verschaffen kann, die Synagoge brennt, Wohlhabenheit ward über Nacht zur Dürftigkeit, rauchende Balken und ausgeplünderte Geschäftsläden und Wohnungen zeigen die Stätte der Verwüstung. Das ist das Bild des praktischen Anttsemitismus. Der Brand von Gaja, Ußfky und Holleschau wird endlich Klarheit verbreiten über eine Politik, welche öffentlich zum Klaffenkampfe schüren läßt. Es ist nicht möglich, daß täglich eine Schichte der Bevölkerung als eine Schlingpflanze geschildert wird, welche dem starken Baume ihre Säfte entzieht, ohne daß endlich die künstlich erzeugte Verbitterung, sich zuGewaltthätigkeiten Hinreißen läßt. Angesichts solcher Erscheinungen ist e« nicht nur Pflicht der Regierung diese Rückfälle in die Barbarei des Mittelalters mit aller Macht zu verhüten, sondern auch des liberal und freiheitlich gefeierten, gebildeten Christen, der durch seine Bildung Antheil nimmt an der überkommenen Gedankenarbeit vergangener Geschlechter, den Kampf gegen diese antisemitische Unholde mit allen Waffen des Geistes aufzunehmen. Es ist nicht genug den Rückschritt zu bedauern, die Opfer derselben zu bemitleiden und dabei den Abscheu von der Verfolgung um des Glaubens willen in die Brust zu verfchüeßen. Es ist Pflicht eines jeden aufgeklärten Christen, zu dem schwer verletzten Sittengesetz sich zu bekennen, den Muth seiner Ueberzeugung nicht nur zu haben, sondern auch zu bethätigen. Unsere österreichischen Glaubensbrüder, die in feierlichen Protesten gegen die abscheuliche Ausgeburt des Haffes, der Blutlüge und in öffentlichen Versammlungen auf das energischste Stellung genommen, haben das Ihrige gethan, wie auch der am 31. October in Wien versammelte „Allgemeine österreichische Gemeindebund", in welchen 150 jüdische Gemeinden Oesterreichs vertreten waren, eine große Zahl Israeliten, welche vermöge ihrer öffentlichen und Vertrauensstellungen als Repräsentanten der österreich. Judenheit erschienen, beschlossen hat, sich an die österreichische Regierung, an alle autonomen staatlichen Verwaltungen, an alle anständigen, rechtlich denkenden Kreise der Bevölkerung aller Confesfionen die dringende Mahnung zu richten, jenem verhetzenden unheilvollen Treiben mit aller Energie entgegenzutreten, eS weiter nicht zu dulden, daß eine Million österreichischer Staatsbürger ihres Glaubens willen geächtet werden, es nicht zu dulden, daß am Schluffe de- 19. Jahrhunderts Oesterreich unter der glorreiche» Regierung des unendlich gütigen Kaisers Franz Joseph I. der Schauplatz der schmachvollen religiösen Verfolgung werde. Möge der Allgütige, der Beschützer Israels, unseren bedauernswerihert österreichischen Glaubensbrüdern seine Hilfe angedeihen lassen und in die Herzen ihrer christlichen Mitbürger die Nächstenliebe pflanzen, so daß sich solche Schandthaten, wie die in Gaja und Holleschau, nicht mehr wiederholen. Hermann Löwinger—Frankfurt a. M. Zeitungsnachrichten und Eorrespondeuze« Deutschland. Mainz, 6. Kislew. Herr und Frau Freiherr Wilhelm Carl von Rothschild zu Frankfurt a. M. begehen heute das Fest ihrer goldenen Hochzeit. Wir möchten unserem Glückwünsche durch folgenden Gedanken Ausdruck verleihen. Unsere Weisen werfen die Frage auf: warum sprach Abraham bei der Entsendung des Elieser nur von dem Gotte des Himmels, der ihn aus dem Vaterhause genommen, während, als er den Knecht beschwor, er vom Gotte des Himmels und der Erde sprach? Die Antwort lautet: Abraham hat die dem Gesichtskreis der Menschen entschwundene Herrschaft Gottes auf Erden wieder zur Anerkennung gebracht, deßhalb war Gott, als er den ersten der Väter aus seinem Vaterhause nahm, in gewissem Sinne nur Gott des Himmels; nach der langen segensreichen Laufbahn Abrahams hingegen, war die Gotteserkenntniß auf der ganzen Erde verbreitet, im Munde aller Geschöpfe; der Stammvater konnte daher, als er sein Haus bestellte, mit freudigem Herzen vom Gotte des Himmels und der Erde, der für Gott wiedergewonnenen Erde, reden. Die Anwendung auf Herrn Baron Willi von Rothschild liegt Inahe. Als derselbe vor länger als einem halben Jahrhundert sein Land, seinen Geburtsort und sein Vaterhaus verließ, um in ein Land zu ziehen, das ihm von der göttlichen Vorsehung als künftiger Aufenthalt angewiesen war, da war es in jüd. Kreisen um die wahre Erkenntniß Gottes in vielen Ländern gar schlecht bestellt. Eine Bewegung, die unter dem Namen „Reform" der Judenheit ihr Judenthum zu rauben suchte, übte allüberall ihren zersetzenden Einfluß und es schien, als wenn Niemand da wäre, der der verheerenden Gewalt einen Damm entgegenzusetzen vermöchte. Da war es Willi von Rothschild, der als vornehmer Mann, als Freiherr, als Aristokrat, getrennt von Land, Geburtsort und Vaterhaus, sich nicht scheute, mit dem kleinen Häuflein verachteter, verfolgter und verkannter Gesetzestreuen zu gehen, sich der kleinen unbedeutenden, aus wenigen Mitgliedern bestehenden Frankfurter Religionsgesellschaft anschloß. Tag und Nacht fleißig

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