Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 89 (9.11.1899)
- Date
- 1899-11-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1850 Mißbrauch, der in den „Vorhöfen" mit der Rabbi- Immunität verübt wird. Es ist offenkundige Thatsache, daß der Szigeter Rabbiner den Abdruck seines Briefes telegraphisch verboten hat. Mit einer technischen Manipulation täuschte man aber den ehrw. Absender, daß das Telegramm verspätet eingelangt ist. Es wird sich auch in Bälde Herausstellen, in welch' schmählicher Weise der Name des Szigeter Rabbiners fruktifizirt wurde. Unter seinem Patronate werden förmliche Attentate gegen die ungarische Ordothoxie geschmiedet und er selbst wird eines Tages mit Grauen wahrnehmen, in welche Gesellschaft er hineingerathen ist. Uebrigens wurde der Szigeter Rabbiner trotz seiner offenkundigen Opposition, die man selbst in den Kreisen gesinnungstüchtiger Chasidim entschieden mißbilligt, mit äußerster Schonung behandelt und erst als er sich dazu verleiten ließ, in den Spalten eines Revolverblattes die leitenden Männer der Orthodoxie zu besudeln, wurde ihm auch im Wege der Preffe eine Antwort ertheilt, die allerdings maßvoll und sachlich gehalten ist. Die offizielle Antwort erhielt er freilich von der kompetentesten Behörde, von der Durchsührungskommission und dem rabbinischen Beirathe, die unter dem Vorsitze des Preßburger Oberrabbiners dieser Tage in Budapest eine gemeinsame Konferenz abgehalten. Es wurde nämlich über den Antrag des Vorsitzenden folgender Beschluß einhellig erbracht: Es gehört nicht zu den Gepflogenheiten der ungarländischen Orthodoxie, interne Angelegenheiten in Zeitungspolemiken zu behandeln. Die Kanzleileitung thut unaufhörlich ihre Pflicht und hat auf Zeitungsangriffe nicht zu reflectiren. Die Konferenz betrachtet die Angelegenheit für erledigt und geht zur Tagesordnung über. Es ist nun Ehrenpflicht des Szigeter Rabbiners, und wir zweifeln nicht, daß er sich früher oder später dazu verstehen wird, offen und ehrlich zu verkünden: onjn ’jbo 7BH ’jjn ,'N2N 'bv m. (Wir glauben noch Folgendes bemerken zu sollen. Unsere Zeitung steht im Dienste des gesetzestreuen Judenthums und selbstverständlich bemühen wir uns auch die Angelegenheiten unserer Gesinnungsgenoffen in Ungarn nach bestem Können zu fördern. Wir stehen aber nicht an, auf's Entschiedenste zu erklären, daß wir in publizistischer Beziehung der orthodoxen Kanzleileitung, sowie dem ehrw. Präses Herrn Oberrabbiner L. Lipschütz ganz fern stehen. Die Original- Aufsätze über die jüd. Verhältnisse in Ungarn sendet uns feit vielen Jahren einer unserer bewährtesten Correspondenten, dessen Gesinnungstüchtigkeit und Verläßlichkeit uns gut verbürgt ist. Red.) Frankreich. § dÜC. Den Antisemiten ist es abermals gelungen, einen kleinen Scandal hier zu inseeniren.! Eine Baugesellschaft, in deren Verwaltungsrath zufällig einige Israeliten sitzen, hat in der Rue Canabiöre ein Haus angekauft zu dem Zwecke, um dasselbe niederreißen und an dessen Stelle einen Prachtbau aufführen zu lassen. In dem Hause befindet sich auch das Geschäft des Pastetenbäckers Reurisso, der seinen Laden bis 1910 gemiethet hat. Demselben wurde nur für den Fall, daß er seinen Laden schon jetzt sperrt und sich anderswo ansiedelt, eine entsprechende Entschädigung angeboren, worauf er jedoch nicht eingehen wollte. Die Baugesellschaft mußte nun zu seiner gewaltsamen Delegirung schreiten, indem sie mit der Demolirung des Hauses beginnen ließ. Der Pastetenbacker ließ jedoch die Demolirer durch seine Arbeiter vertreiben. Zugleich rief er seine Nachbarn herbei und theilte ihnen mit, daß die jüdische Baugesellschaft ihn delogiren wolle. Es kam nun zu Ausschreitungen gegen die Juden, wobei mehrere jüdische Kaufläden geplündert wurden. N eutHeton. Der (Lhamrner und der 2chaute. Eine Humoreske aus dem jüdischen Leben der guten, alten Zeit. Von Maurice Mayon. 5) (Alle Rechte Vorbehalten ) „Wir hatten gestern nach dem Abendgottesdienst", erklärte Simon dem aufblickenden Rabbi, „einen Wortwechsel miteinander, und ich ließ mich hinreißen, im Beisein Faißel's jene Worte niederzuschreiben, vergaß sie aber leider in der Aufregung nachher auszulöschen. Ich bitte Dich Faißel, willst Du mir mauchel sein?" „Schöne mase umaten^) das!" grollte Faißel. „Zuerst reißt Du einem die Kowaud^) vom Leib und nachher praist Du um mechiloh 9'). Aber nichts da! Nicht eher will ich es Dir mauchel sein, Bimchiloh gemuroh, bis Du auch diesen Bijusch vollständig gesühnt hast. Du hast auf die Tafel geschrieben, daß Faißel ein großer Chamaur und noch größerer Schaute von Mekaur aus ist, und Du mußt auch dieses Geschreibsel wieder ausmachen, und der Schammes muß auch machris") sein, daß Du es ausgemacht hast." 90) Geschäfte. 91) Ehre. 92) vollkommene Versühnung. 93) verkünden.