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Der Israelit · 1899-11-09 · Heft 89 (9.11.1899) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 89 (9.11.1899)
Date
1899-11-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1847 nvw „und meine Seele sei wie Staub gegen Alle, auch gegen meine Flucher und Verfolger", der edle Stolz und die heilige Begeisterung für die Hoheit seiner Sendung erstarben nicht. Allmorgendlich erging es in der Stimme Jakobs up^n ara na wmwi bi» nm „Heil uns, wie schön ist unser Theil, wie lieblich unser Loos, wie köstlich unser Erbe, heil uns, daß wir bekennen dürfen früh und spät, morgens und Abends: Höre Israel, der Ewige unser Gott, der Ewige ist einzig." Aus den herzergreifenden Gebeten, die in der Stimme Jacobs in Israels majestätischer Thorasprache ertönen, können wir die heiligsten Ahnungen einer hochgestimmten Seele vernehmen, die nicht engherzig und kleinlich nur an ihre eigenen Bedürfnisse denkt, sondern zum Inhalt ihrer Wünsche das Heil der Gesammtmenschheit macht. Um was fleht die Stimme Jakobs am dringlichsten, was klingt immer wieder durch alle Gebete hindurch, was bildet der Andacht Höhepunkt und Schlußgesang? Denken wir an das herrliche Gebet, in dem jede Synagogenandacht ihren Abschluß findet! wb? nats^ „Möge Gott," so beten wir da zum Allgütigen, „unsere heiligen Hoffnungen verwirklichen, die ganze Welt gestalten zu seinem Reiche, und mögen alle Menschen ihn verehren, daß ihm sich beuge jedes Knie, ihm schwöre jede Zunge." Und an den heiligsten Tagen des Jahres, an Rosch haschana und Jom Kippur, wo die Gebete noch glühender und die Bitten noch dringlicher von Herzen gehen, was ist da der Kerngehalt der Jakobsstimme? "no sn pai Ttw?a bi by vpbx n „So gieb denn Verehrung vor Dir, Ewiger unser Gott, allen Geschöpfen, daß Dir angehören alle Wesen und sich alle vereinen zu einem Bunde, Deinen Willen zu thun mit ganzem Herzen." Die Stimme Jakobs ist Menschenfreundlichkeit, sie giebt sich kund in Erweisung von Wohlthaten. Israels Ahn, Abraham, dessen Haus eine Stätte hingebender Liebe gewesen, hat seinen Kindern die hehre Mahnung ins Herz geschrieben np-tf rtmb Wohlthaten zu üben. Jakob, der in Thrünen rang (Hos. 12, 5) und seiner Habe Zehnt den Armen gab, finden wir allein in der Wüste am Baum von Berseba — allein Träger der Stimme von Menschenfreundlichkeit auf dem weiten Erdenrund, allein ein Zeuge, ein Bote, ein Prophet des Gottes, der in der Stimme der Milde sich ihm offenbarte. Welch ergreifender Anblick! Und Israel, Jakobs Volk? Jahrtausende stand es einsam auf Zions Höh', umgeben von haßzerklüfteten Völkern, tragend das Gesetz der Milde, träumend von der Menschheit Heil — allein Träger der menschenverbrüdernden Botschaft, allein ein Zeuge, ein Bote, ein Prophet völkerverbrüdernden Wohlthuns. Sein Weg durch die Geschichte gleicht der Milchstraße des Himmels, er ist aus unendlich vielen Lichtern zusammengesetzt, die Milde und Menschlichkeit senken möchten in alle Herzen. Wie spricht die Stimme Jakobs, wie bekennt sie sich zur idealen Bewährung des Wohlthuns? Die Weisen haben die ergreifenden Worte, in denen die edle Ruth der zum Scheiden drängenden Noomi ihren Entschluß bei ihr zu bleiben ansspricht, als ein Programm der Menschenfreundlichkeit kündenden Stimme Jokobs auSgedeutet: „Dringe nicht in mich, von dir zu gehen und dich zu verlassen ibu bx '2, denn wo du hingehst, will auch ich hingehen. Meinst du, ich will den Heiden gleich, rauschende Vergnügungen, in Theater und Cirkus aufsuchen? Nein, in die Kammern der Kranken und in die Hütten der Armen will ich mit dir gehen und Wunden heilen und Thränen trocknen fix tmqi, und wo du nächtigst, will auch ich nächtigen. Denkst du, ich will nach des Tages Mühen, wie die Erdenvölker, am wilden Gewoge roher Volkslust mich erfreuen? Nein, gleich dir will ich opferwillige Nachtwacht am Todtenbett halten und dem Sterbenden in der Scheideftunde hingebende Treue bewähren, denn w “ja*, dein Volk mit seinem weichen, treuen Herzen sei nun auch mein Volk, 'pbu und dein Gott, mit der Aufforderung zur Menschenfreundlichkeit, auch mein Gott." Diese Stimme Jakobs ist nicht verrauscht; wo ein guter Mensch aus edlem Mitgefühl, nicht um damit zu prunken, einem Unglücklichen Muth zuspricht, da ertönt sie; wo neben der willigen Gabe der Arme Trost und Linderung, Aufrichtung und Ermunterung erhält, da ist ihr Wesen; wo am Krankenbette ein sanfter Zuspruch aus liebem Herzen Ladung bringt, da ist ihr Hauch. Wie in Synagoge und Lehrhaus die Stimme Jakobs unverändert geblieben, so ist auch urffere jüdische Menschenfreundlichkeit ein heiliges Erbe einer theuren Vergangenheit, gottlob nicht aus unserem Kreise geschwunden. Sorgen wir, daß auch unsere Kinder diese Stimmen Jakobs mächtig und ungeschwächt ertönen lassen, auf daß sich des Propheten Verheißung erfülle: ena» nxw xb rron' -wa nmj vb\ apjr „Nicht fürder wird Jakob zu Schanden und sein Antlitz nicht mehr erblassen; denn er wird sehen, wie sein Walten sortwirkt in seinen Kindern; sie heiligen den Namen des Ewigen und schaffen Verherrlichung dem Gotte Israels!" Zeitungsnachrichten und Earrespondenze« Deutschland. Berlin, 5. Nov. Bei meinem Berliner Aufenthalt führt regelmäßig mein Weg in die Synagoge der Avaß-Jsroel, in jenes Gotteshaus,' das einst unser großer Rabbi Israel Hildesheimer b'D gegründet, als Andachtsstätte W /Me diejenigen, die nach uralter, heiliger Sitte der Väter ihre'Ge-

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