Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 89 (9.11.1899)
- Date
- 1899-11-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1846 Und weil er ein solcher Gott ist, darum haben die Semiten seine Apostel sein müssen für die ganze Welt, Denn sie haben ein Herz für ihn gehabt von Anfang an" —;bald ist es das nächtliche Ringen Jakobs mit dem Schutzengel Esau <w bv uw, bald wenden sie den Gedanken so, daß sie in Caesarea-Nom eine Hochburg Esaus, und in Jerusalem die Residenz israelitischer Wahrheit erblickend, die großartige und weitaus schauende Antithese aussprechen: „Ist Caesarea froh, trauert Jerusalem, trauert Caesarea, ist Jerusalem froh, siegt eines, unterliegt das andre, ist eines glücklich, so ist das andre zerstört'" Nirgends finden sie aber in der Schrift selbst die grundsätzliche Verschiedenheit der beiden Gegner so klar und doch so deutungsreich ausgesprochen, wie in den einfachen Worten: m 'i' anw apy- *np bpn. „Die Stimme ist Jakobs Stimme, die Hände aber sind EsauS Hände." Freilich besagen die Worte dem oberflächlichen Leser, dessen Sinn nur über die Außenfläche der Bibelworte dahinzugleiten vermag, nichts anderes, als daß der blinde Vater die mit Fell bezogenen Hände für EsauS Hände hält, während ihm der weiche Ton der Stimme als an Jakob erinnernd auffällt. Was lesen aber die Weisen in diesen Worten? Die seelische Naturgeschichte der beiden Partner im Weltenkampfe: Hier der starke rauhe männliche, die Weltmacht anstrebende Esau, dort der nach innen gerichtete, weichen Gefühlen zugängliche Jakob: Israels Weg und Waffe ist Wort und Geist, Roms Größe und Geltung ist Faust und Schwert. Der Geist und was in den Geist gelegt ist, ist Israels beschiedener Theil, die Hände und pohe Gewalt ist Roms erkornes Los. Von der Faust Esaus und ihrer Wirkung können wir schweigen, sie hat die Weltgeschichte mit Blut geschrieben, sie hat Israel so eisern umklammert, daß wir ihre Spuren noch, an feinem Leibe sehen, sie hat so furchtbare Wunden dem armen GotteSvolke beigebracht, unter deren Folgen Israel noch heute schmerzlich zusammenzuckt, und sie ist ja auch heute noch nicht müde geworden, zu zeigen, was sie zu leisten vermag. Der mörderische Dolch ist auch heute noch ihr Griffel, mit dem sie in ehernen Lettern sich der Weltgeschichte aufprägt. Um nur an Naheliegendes zu erinnern, feiert ja auch heute in Böhmen der Geist Esaus, der Geist der Verfolgung und des Hasses Triumph auf Triumph. Von der Stimme Jakobs aber gilt es zu zeugen ihr Wesen klar zu machen und in ihr zu erkennen den Geist, der zu allen Zeiten in Israels Mitte gewaltet. „Die , Stimme Jakobs" ist nach der Agada nn ^p, die stimme des Trauten, sie bewährt sich in nim Lehre, Hdx> Ächtzt,.Md,ErweifurrH von Wohlthaten ->vn Die Stimme Jakobs ertönt in den Bethausern, es ist die Stimme der Thora. Was kündet sie? yco mn „Ihr dürft euch vor niemanden fürchten um n-p1?^ Bfcjwan >a, denn das Recht ist eine Gottessache." Die absolute Erhabenheit des Rechts, die majestätische Größe des Rechtsgedankens, um deretwillen jeder, auch der kleinste Rechtshandel zu einer Gottessache wird, ist eine der Errungenschaften modernen rechtsphilosophischen Denkens, die ihrem Vertreter, dem berühmten Rechtslehrer Thering Ehre und Anerkennung eingebracht hat- Doch schon der Midrasch faßt die Heiligkeit der Rechtsidee, die gar nicht von dem Werth und der Größe des Streitobjectes abhängt, ganz im Sinne des Bibelwortespnst p-rj? „Dem unbedingte Rechte sollst du nachjagen", so auf, daß der Streit um einen halben Pfennig genau so gründlich geführt werden müsse, wie der um Leben und Tod. Und ebenso erhaben ist die jüdische Liebe. Auch sie ist unbegrenzt, denn e-p1™ nbxz tnzxr o~» s-sn „liebenswerth ist jeder Mensch, weil er im Ebenbilde Gottes geschaffen ist." Auch dem Feinde schenke deine Milde! 131 -p-ix Ttr y:sn »a „Begegnest du dem Ochsen deines Feindes, und er droht zu erliegen seiner Last, so darfst du dich ihm nicht entziehen, sondern mußt mit deinem Feinde gemeinsam das Thier entlasten helfen." Und dieses Gebot gilt nicht nur dem Stammesbruder und Glaubensgenoffen gegenüber. Ausdrücklich fügt der halachische Midrasch der Stelle die Bemerkung an: -onc man 2-3312 rrnay nm 'i:a. Dieser Vers spricht ganz eigentlich von einem Heiden, der Götzendienst treibt und dem Juden gegenüber sich feindselig und gehässig gezeigt hat. Die Stimme Jakobs pflanzt als Ideal in die Menschenbrust: „Und es wird sein am Ende der Tage ... da schmieden um die Völker ihre Schwerter zu Pflugschaaren und ihre Lanzen zu Rebenmessern, nicht wir) Volk wider Volk das Schwert erheben, uiik^ sie werden nicht fürder lernen den Krieg . . . Sie werden nicht verwunden und verletzen auf meinem ganzen heiligen Berge, denn voll ist die Erde der Erkenntniß Gottes, wie Wasser den Meeresgrund bedecket." Die Stimme Jakobs ertönt vernehmlich in jüdischen Bethäusern als Stimme des Gebetes. Mitten in Nacht und Noth des Mittelalters erklang diese Stimme frei und königlich aus Mund und Herz des gehetzten Juden, der „Gaffenbuben zum Gespölte" mit schweren Waarenbündel von Dorf zu Dorf hausirte und pries den Ewigen -zv ’»y shv, „der ihn nicht zum Knecht gemacht." Denn ob ihn auch Banden drückten, fühlte er sich frei; er las mit der Mischna ifinftn bv »mn, er fühlte die Freiheit entkeimen der Thora und wußte -2 vb» p*nn p ~\b pw mura pöw „es ist kein Anderer wahrhaft frei, als wer sich mit der Thora beschäftigt"; und ob er auch friedvoll und versöhnlich zu Gott betete bzb 2^3 -pdji