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Der Israelit · 1899-11-06 · Heft 88 (6.11.1899) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 88 (6.11.1899)
Date
1899-11-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1888 neunzehnten Jahrhunderts unser Vaterland Oesterreich unter der glorreichen Regierung unseres unendlich gütigen, weisen, erhabenen Monarchen Kaiser Franz Joseph I. der Schauplatz einer schmachvollen religiösen Verfolgung werde." Prediger Dr. Schmidt begrüßt es mitGenug- Lhuung, daß mehr als hundert Kultusgemeinden bei der Konstituirung vertreten seien, und in wirkungsvoller Ansprache stellte er dem neuen Bunde ein gutes Prognosticon. Nachdem der Vorsitzende noch bekanntgegeben, daß die Polnaer Gemeinde zwei Vertreter entsendet und einzelne Gemeindevorstände aus Böhmen und Mähren ihr Fernbleiben unter Hinweis auf die bedrohliche Situation in ihren Kultusgemeinden entschuldigt hatten (Bewegung), nahm ReichSraths - Abgeordneter Hofrath Ka re is das Wort. „Die Ereignisse, die sich in Oesterreich abspielen", sagte er, „schänden geradezu dieses Jahrhundert. Schaudernd erleben wir Dinge, die an die finstersten Zustände menschlicher Verrohung erinnern. Mangelhafte Intelligenz, eine beklagenswerthe Verderbniß der Charaktere, eine Entfesselung der niedersten Jnstincte haben zu Plünderung, Raub, Brandlegung geführt. Hand in Hand mit diesen planmäßig organisirten Raubzügen geht ein Boyeott, eine schwere wirthschaftliche Schädigung jüdischer Geschäftsleute. (Rufe auswärtiger Vertreter: Der vollständige Ruin! Die Auswanderung.') Man hindert die Leute daran, in jüdische Geschäfte hineinzugehen (Rufe: Man photographiert die Kunden der Juden!) und man erklärt vor den Augen der Behörde den Juden als vogelfrei! Die Regierung hätte im Augenblicke, wo es galt, die Gefahr abzuwenden, sofort einschreiren müssen, und die Bezirkshauptleute müssen ihrer Verantwortlichkeit sich vollkommen bewußt sein. Energisch müsse gefordert werden, daß es mit der bisherigen Duldung schmachvoller Zustände ein Ende habe." Die Resolution wurde angenommen. Herr Sigmund Mäher beantragte eine zweite Resolution, welche die Einbringung eines Gesetzentwurfes verlangt, der subsidiär Gemeinde und Stadt, Land und Staat für die bei Exceffen, Plünderungen, Brandlegungen erstehenden Schäden haftbar macht. In der Begründung hob der Antragsteller hervor, daß die Gemeindevorsteher ihres Amtes ganz anders wallen würden, wenn eine Haftpflicht im angeregten Sinne bestünde. Abg. Tit tin ger pflichtete dem Anträge bei, auch Gemeinderath Brunner, der unter Beifall betonte, daß die Zeit des stillen Duldens vorüber sei, daß man dem Antisemitismus rücksichtslos gegenübertreten und seine Niedertracht stigmatisiren müsse. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. In den BundeSrath wurden achtzehn Mitglieder, Vertreter der CultuSgemeinden von Wien, Prag, Linz, Graz,? Troppau, Teschen, Pilsen, Mährisch-Ostrau, Lemberg, Czernowitz, Krakau und Jamnitz gewählt. Zeitungsnachrichten und Eorrefpondenzen Deutschland. Berlin, 3. Nov. Am Donnerstag den 5. Oktober trat im Bureau des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes das Preisrichterkollegium zu gemeinsamer Feststellung des Ergebnisses des im Mai v. Js. veranstalteten erneuten Ausschreibens, betreffend die „Schulbearbeitung der Grundsätze der jüdischen Sittenlehre", zusammen. Die am Erscheinen verhinderten Mitglieder hatten ihre Voten schriftlich zur Verfügung gestellt. Das Preisrichterkollegium sah sich auch diesmal zu seinem Bedauern nicht in der Lage, einer der sieben eingelaufenen Arbeiten den ersten Preis (150 Mark) zuzuerkennen, dagegen ist es drei Bearbeitern gelungen, den Bedingungen des Preisausschreibens in dem Maße zu entsprechen, daß sie eines zweiten Preises für würdig zu erachten waren. Für die Veröffentlichung und Einführung durch den D.-J. G.-B. erschien keine der Schriften in ihrer vorliegenden Form geeignet, dagegen ergänzten sich zwei der Bearbeitungen, die eine mit dem Motto: „Viel habe ich von meinen Lehrern gelernt, mehr noch von meinen Genossen, am meisten aber von meinen Schülern", die andere mit dem Motto: „Ez chajim" in so glücklicher Weise, daß durch das Zusammenarbeiten der Versasser, das gesteckte Ziel voraussichtlich erreicht werden würde. Demgemäß beschloß das Preisrichterkollegium, dem Ausschüsse des D.-J. G.-B. zu empfehlen, außer den beiden genannten Schriften auch einer dritten, unter dem Motto: „Sprich mit dem Kinde kindlich und verständlich" einen Preis von hundert Mark zuzuerkennen; zugleich möchten die Herren Verfasser der beiden zuersterwähnten Schriften zu gemeinsamer Arbeit aufgefordert werden. Der Ausschuß des D.-J. G.-B. hat den beiden Anträgen entsprochen. Die Oeffnung, der mit Motto versehenen Briefumschläge ergab folgende Verfaffernamen: Die Schrift: „Viel Hab ich von meinen Lehrern u. s. w." rührt von Herrn Rabbiner Dr. Norden in Neustettin, „Ez chajim" von Herrn Rabbiner Dr. Goldberger in Marienbad, „Sprich mit dem Kinde kindlich u. s. w." von Herrn Rabbiner Dr. Rosenberg, Thorn her. Gemäß den Bedingungen des Ausschreibens sind die preisgekrönten Schriften Eigenthum des D.-J. G.-B., dagegen stehen die nicht ausgezeichneten Arbeiten des früheren und des letzten Ausschreibens ihren Herren Verfassern zur Verfügung, sobald sie unter Angabe des Motto's dem Bureau des D.-J. G.-B. diesen Wunsch aussprechen.

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