Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 88 (6.11.1899)
- Date
- 1899-11-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1834 ten. Reicher Dank suchte den vortrefflichen Redner für seine Darbietung zu belohnen. Am 23. d. M. veranstaltete derselbe Verein einen Recitations-Abend und gewann hierfür Herrn Alfred Auerbach—Frankfurt a. M. Derselbe stellte sich die Aufgabe, an einigen Muster- und Meisterwerken unseres Dichterfürsten Jehuda Halevy aus Kastilien (108t»), uns denselben in seiner ganzen Größe, seiner Begeisterung für den heiligen Glauben, für sein Volk und desien Heiligthümer, in seinem Seelenadel, seinem reichen, hohen Gefühl und seiner reinen erhabenen Denkweise vorzusühren. War hierzu die Auswahl mit den besten llebersetzungen schon eine glückliche und verständnißvolle, so war auch die Vortragsweise eine wahrhaft musterhafte und wirkungsvolle. Herr Auerbach zeigte sich hierbei als Künstler auf diesem Gebiete, ausgestaltet mir angenehmer, kräftiger Stimme, aber auch mit dem nöthigen Verständniß und Gefühl für das, was den Dichter so mächtig bewegte und erregte; der Recitator trug die herrlichen Schöpfungen mit Innerlichkeit und Treue vor, versenkte sich in die Stimmung und Situation des Dichters und riß sein Publikum mit in den Jdeenkreis, in die Begeisterung des Dichters für des Volkes erhabensten Güter, die Theilnahme für dessen Leid und die Hoffnungen für dessen Zukunft. Dabei versäumte Herr Auerbach nicht, durch eine Charakteristik die Lebensgeschichte des großen Dichters, ferner durch Vergleichungen zwischen den einzelnen Dichtungen in ihrer periodischen und ursächlichen Entstehung das Verständnis zu erleichtern. Das Ganze war eine herrliche Leistung und von gewaltiger Wirkung auf das sehr zahlreiche Publikum. Davon zeugte auch der stürmische, nicht enden wollende Beifall. Wir wünschen dem jungen Künstler ferner recht gute Erfolge. Oesterr.-Ungar. Monarchie. -ck- Ans Mähren, 29. Dct. Die Demonstrationen der tscheschischen Bevölkerung in Mähren nehmen immer größere Dimensionen an. In den Städten Boskowitz, Proßnitz, Sierau, Holleschau, Wallachisch-Weseritsch und Wsetin hat die Bevölkerung sich zu Ausschreitungen gegen unsere Glaubensgenoffen verleiten lassen, welche insbesondere in Holleschau ganz ernster Natur waren. In letzterem Orte, in welchem die intelligente stavische Bölkerung die Aufwiegelungen inscenirten, haben die Demonstranten sich nicht mit dem usuellen Zertrümmern der Fensterscheiben begnügen lassen, sondern sie zündeten ein Gebäude an, entwendeten Geld und Geldeswerth und bedrohten sogar das Leben der jüdischen Bevölkerung. So groß war die Wuth des Pöbels, daß derselbe selbst dann nicht auseinanderging, als die Gendarmerie von der Waffe Gebrauch machte und drei Personen tödtete. Zur Sicherheit des EigenthumeS und des Lebens der jüd. Bevölkerung wurde ein Trupp von 70 Mann Militär dorthin delegirt. Viele Familien haben sich aus Holleschau geflüchtet, so der Rabbiner Dr. Freimann, welcher sich nach Breslau und der Stiftsrabbiner David Frankfurther, welcher sich nach Nikolsburg begab. Auch der Schaden, den der Pöbel in anderen Städten anrichtete, ist bedeutend. vermischtes. London. Wie es heißt, hat Professor Schächter in Kambridge einen Ruf an das Jewish Theological Seminary erhalten. Der große Gelehrte würde dort in der rhat einen ansgebreiteten Wirkungskreis für seine Thätigkeit finden, um so mehr, da ihm das Direktorium dieser Anstalt übertragen werden soll. Feuilleton. Der (Lhammer und der Schaute. Eine Humoreske Mts dem jüdischen Leben der guten, alten Zeit. Von Maurice Ma«ou. 4) (Alle Rechte Vorbehalten.) Faißel, welchen das Traumleben der letzten Zeit vollständig geblendet hatte, sah in Simon nicht den wohlmeinenden, aufrichtigen Freund, sondern nur das Hinderniß, welches zwischen ihm und dem verträumten Glücke stand. Eine unbändige Wuth bemächtigte sich seiner, als er einsah, daß er von Simon die Gewährung seiner Bitte nicht zu erwarten habe. Er richtete sich voller Ingrimm auf und mit vor leidenschaftlicher Erregung bebenden Lippen versetzte er: „Glaubst Du etwa, weil ich Dich „Rebb" nenne, bist Du schon berechtigt, mir Diwre musor^) zu sagen und mich zu schmähen? Wir kennen uns ja schon von früher her, als der Schimaun nicht mehr jachsen^) war als der Faißel. Du willst mir also das Loos nicht geben? Warum brauchst Du dann so viele Deworim betelim^) dazu? Sieh' Schimaun! Du behauptest zwar, ich sei ein Schaute, doch nicht Schaute genug, um nicht den Mekaur hadowor zu erfahren, weßhalb Du mich dauche^) bist. Aus Kinoh sino^) willst Du mir kein Loos 60» Moral. Raison. 67) Vornehmheit. 0«) Unnütze Worte. 09) ZurÜckweisen. 70) Reid und Haß.