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Der Israelit · 1899-11-06 · Heft 88 (6.11.1899) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 88 (6.11.1899)
Date
1899-11-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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■--■r.-■'--p-Kf/jn?r~T-, MWMWWWWW 1832 sondern in vorliegendem Falle besonders deßhalb, weil unter „dem Stand der Sache selbst" wohl in erster Reihe die pecuniäre Seite der Angelegenheit zur Sprache kam. Wenn man die horrenden Summen kennt, welche die Judenmission sich's alljährlich kosten läßt, so hat man einen Anhaltspunkt dafür, wie hoch wohl der Fang einer jüdischen Seele taxirt wird. — Aber das, was die „Kreuz-Zeitung" aus den Verhandlungen ausplaudert, ist noch immerhin interessant genug, um das Wesentlichste aus ihrem Berichte hier folgen zu lassen: „Mehr denn 100 Taufbewerber haben sich gemeldet. Verschiedene derselben wurden von vornherein zurückgewiesen, weil ihre unlauteren Absichten offenkundig waren: andere traten selbst nach längerem oder kürzerem Unterrichte zurück; einige mußten zurückgeftellt werden. Einem Katechumenen mußte die heilige Taufe verweigert werden, weil er betreffs derselben infolge schwarmgeistiger Beeinflussung') vollständig von der Lehre unserer Kirche abwich und auch keiner Belehrung in diesem Punkte zugänglich war. *) 52 Kinder Israels — 28 Männer und 24 Frauen — konnten in diesen drei Jahren in die christliche Kirche ausgenommen werden, in Berlin 43, in Posen 2, in Czernowitz 7. Unter den Täuflingen finden sich die verschiedensten Berufe vertreten, Kutscher, Tapezierer, Kaufleute, Bankier, Bankbeamte, Buchdruckereibesitzer, Baumeister, Bautechniker, Architekt, Dt. med., stud. math., stud. juris, Privatier. Sie alle haben eS gelernt, im Christenthum ihr Heil zu suchen und zu finden. Res. Sup. Krückeberg führt etwa folgendes aus: Noch immer ist das Volk der Juden für die Wahrheit des Christenthums so unzugänglich als jemals. Wenn es bei den alten Propheten Israels heißt, das Volk ist ein halsstarriges- Volk, so auch noch heute.* * 3 * *) Daß die evangelischen Christen dann wenig Lust und Muth haben, unter ihnen Mission zu treiben, ist nur natürlich D. Geht doch in manchen Kreisen sogar häufig die Rebe: „Jude bleibt Jude, die Taufe habe gar keinen Einfluß"6 7) Aber wir müssen doch entgegnen, 1) Was ist das „schwarmgeistige" Beeinflussung? 2) Zu diesem Satz merkt die „Staatsbürger-Zeitung" an, daß die Resultate recht schwach seien. — Meint sie die Schwäche der Argumente, mit welcher die Mission jüdische Seelen fangen möchte und sogar „fchwarmgeistiger Beeinflussung" das Feld räumen muß? 3) Nur mit dem Unterschied, daß die alten Propheten Israel halsstarrig nannten, wenn es seiner Religion und ihren Satzungen untreu wurden. Die neuen Propheten dagegen nennen das treue Festbalten der Israeliten an ihrer Rel'gion eine Halsstarrigkeit! 4) Dann hat die Halsstarrigkeit auch ihr Gutes. 5) Diese Kresse finden sich sogar auf der Synode vertreten, wasich aus folgendem, ebenfalls von der „Kreuz- Zeitung" registrirten Heiterkeits-Ausbruch ergiebt: „Syn. Redakteur Dr. Heffter erinnert an seine vor drei Jahren an das Consistorium gerichtete Anfrage wegen der auffallend schnellen und stillen Taufe einer jüdischen Lehrerin, die, nachdem sie im Herbst sich das Zeugniß für den jüdischen Religionsunterricht erworben hatte, bereits im Früjahr die Befähigung zum evangelischen Religionsunterricht erhielt, da sie inzwischen getauft war. Generalsuperintendent Dr. Faber habe damals auf die Bestimmung hingewiesen, daß jeder Geistliche zu jeder Judentaufe die Genehmigung de- Kirchenregiments einholen müsse, wobei er auf die Schärfung de- Gewissens hingewiesen werde. — Der ange-ogene Fall, der mir inzwischenz.als durchaus verbürgt daß auch das Volk der Juden unter dem Befehl und der Verheißung des Herrn steht: „Gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker." Und es giebt doch auch eine ganze Menge wirklich treuer bekehrter jüdischer Christen. Dagegen ist ja auch zugegeben, daß von manchen Geistlichen eine laxe Handhabung der Taufe bei Juden der Meinung, „Jude bleibt Jude", Vorschub leidet. Auch ich habe in meiner feelsorgerischen Praris Juden getauft, bin aber immer mehr dazu gekommen, die jüdischen Taufbewerber auf den Weg der geordneten Judenmission zu verweisen. Wir Geistlichen sind viel zu sehr beschäftigt, haben auch Mangels ausreichender Erfahrung meist nicht den psychologischen Scharfblick uni unlautere von lauteren Motiven zu unterscheiden. Darum halte ich es für alle Berliner Geistliche für das einzig Richtige, die Bewerber auf die Judenmission hinzu weisen. Der Judenmiffionsprediger ist dazu da, bekommt auch einen ganz anderen Blick. Aber diese sogenannte wilce Judenmission ist daran schuld, wenn man von den getauften Juden stellenweise eine so schlechte Meinung hat. Ich richte an das Konsistorium die Bitte, zu prüfen, ob es nicht Mittel giebt, einer solchen mißbräuchlichen 3l:t entgegenzutreten. — Die Judenfragc, so bemerkt Sun. Krückeberg weiter, geht durch die ganze Welt. Auch solche, die nichts von ihr wissen wollen, werden im tie'ften Grunde ihres Herzens nicht darum herumkommen. Was das Judentum zu bedeuten hat in der Gegenwart, das haben wir in diesem Jahre besonders gesehen, wo man um einen anscheinend unschuldig vernrtheiten Juden das Weltall lange Zelt erregt hat, während man um die Lausende armenischer Christen, die in den blutigsten Metzeleien hingeschlachtet wurden, kaum einen Finger gerührt hat.") Mag man dem nun zustimmen oder nicht; eine wirkliche Lösung der Juden frage wird erst dann eintreten, wenn die Juden wirklich aufrichtige, lebendige Christen sein werden',." Wenn die Mission mit demselben Aufwand von Jntelligienz Juden zu bekehren sucht, mit der hier über ihre Thätigkeit referirt wird, so; braucht es nicht lauter Halsstarrigkeit zu sein, was sie gegen diese Heilswahrheiten und ihre Verbreiter immun macht. -d- München, 2. Nov. Damit der „Schutzverein gegen unlauteren Wettbewerb" in seinem segensvollen Wirken nicht aus der Uebung komme, hatte die III. Handelskanrmer des Landgericht München I. sich wieder einmal mit einer Klage des genannten Vereines gegen den Inhaber der Firma H. Tietz, Herrn Oscar Tietz, auf Grund des Gesetzes zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes zu beschäftigen, bestätigt worden ist, beweist doch, daß es Fälle giebt, die nicht in das amtliche Negister kommen. Es muß dock hier in Berlin eine Möglichkeit vorhanden sein, recht schnell aus einem Juden einen Christen, wenigstens dem Namen nach, zu machen. Das Gerede dauert fort. Es wäre von Wich tigkeit, wenn von amtlicher Stelle die Kontrole auf das Strengste ae'ban'öbabt würde. Es muß doch eine Laufliste geben. (Ruf: „Taufschein!") - Dr. Heffter„Jaden Taus schein hat doch der Jude! (Große Heiterkeit.-" 6) Gegen wen wird dieser Vorwurf erhoben, gegen die Juden oder Christen? 7) Dieser Satz klingt etwas schwarmgeistig. Die Judenfrage wird aufhören, wenn die Juden keine Juden mehr sind, heißt ungefähr soviel als : Die orientalische Frage wird aufhören, wenn es keinen Orient mehr giebt, so gewiß wie Schlaf dabeste Mittel gegen Schlaflosigkeit ist.

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