Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 88 (6.11.1899)
- Date
- 1899-11-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1831 haben; denn gewöhnlich möchte Jemand den Makel, den er selber besitzt, anderen anhängen. Ebenso wer sich durch Frechheit, Grausamkeit, Menschenhaß und das Fehlen jeder Regung von thätiger Menschenliebe auszeichnet, gibt in herrorragender Weise zu dem Bedenken Anlaß, daß er von den Gibeoniten abstamme. (Bon diesen sind un» Charakterzüge dieser Art überliefert.) 3) In erster Reihe sei man darauf bedacht, die Tochter eines Thoragelehrten zu heirathen und seine Tochter einem Thoragelehrten zu verheirathen. Hat man keine Tochter eines Thoragelehrten gefunden, so heirathe man die Tochter eines über feine Zeit hervorragenden Mannes, hat man keine solche gefunden, so heirathe man die Tochter eines Gemeindevorstehers, hat man auch solche nicht gefunden, so heirathe man die Tochter eines Armenkaffe-VerwalterS, hat sich auch diese nicht gefunden, so heirathe man die Tochter eines Kinderlehrers; niemals aber verheirathe man seine Tochter mit einem rohen, unwisienden, jeder jüdischen Bildung baren Menschen" u. s. w. Die wenigen Proben dürften genügen um die Art und Weise zu kennzeichnen, mit welcher nach altjüdischer Gepflogenheit der Versorgung unserer Kinder Rechnung getragen wird und die tiefe Kluft, zu veranschaulichen, welche zwischen ihr und unserer Anschauung besteht. Wie bei Vater Abraham ist auch hier die Rücksicht auf die Familie der erste Gegenstand der Erwägung. Zahllos sind die herrlichen Fingerzeige und Rathschläge, welche unsere heiligen Urkunden nach dieser Seite hin enthalten, von welchen hier nur diejenigen erwähnt wurden, die religionsgesetzliche Verbindlichkeit erlangt haben. Diese bewährte jüdische Anschauung will aus der Herrath kein Geschäft machen. Sie weist diese niedrige, krämerhafte Gesinnung weit von sich und vertritt den idealen Standpunkt, daß das Geld, welches die Frau dem Manne mit in die Ehe bringt, ein Besitz ist, der dem Mann von Rechtswegen nicht einmal zukommt. Ist das Weib das rechte, des wackeren Mannes würdige Gefährtin durch das Leben, dann repräfentirt sie selber einen Werth, gegen den alle Schätze ihrer Mitgift keinen Vergleich auShalten. Und ist sie es nicht, dann können alle Millionen, die ein solches Weib in die Ehe brächte, den Mangel nicht ersetzen, der ihm und mit ihr dem Manne, der Ehe und dem ganzen Hause anhaftet, das sie gemeinsam gründen und erhalten wollen. Diese wenigen Züge dürften genügen, jedem die Ueberzeugung nahe zu legen, um wie vieles leichter die Versorgung unserer Kinder wäre, wie sie gesicherter und gesegneter sich gestaltete, wenn sie sich innerhalb der hier gezeichneten Bahnen bewegte. Wohl ist der Einzelne nicht in der Lage den Unsegen zu bewältigen, der auf der Art und Weise lastet, wie unsere Zeit ihre Kinder zu versorgen anstrebt. Aber es ist und bleibt doch ersprießlich durch die Betonung dieser altjüdischen Art "'undI Weisender Versorgung unserer Kinder die Sehnsucht danach zu wecken, sie durch eine Erziehung in diesem Sinne zu befriedigen und sie, wenn auch nur um einen Schritt, ihrer Verwirklichung zu nähern. Zettttttg-rrachrichterr imb Torrespondenze« Deutschland. Berlin (Judenmission). Die gegenwärtig hier tagende Brandenburgische Provinzialsynode hat sich in ihrer vierten Sitzung wieder einmal ^mit der Judenmission beschäftigt. Biele von uns wissen eS gar nicht, und wenn sie es je gewußt haben, so vergeffen sie es immer wieder, daß es in dem Staate Friedrichs des Großen, in dem angeblich jeder nach seiner Fa^on selig werden kann, noch immer ansehnliche Kreise giebt, die ihre Art selig zu werden, uns Juden gar zu gern aufdrängen möchten. Aufdrängen ist eigentlich nicht der rechte Ausdruck; denn Aufdringlichkeit ist ja eine Spezialität von „unsere Leut", wenigstens wenn eS sich um alte Hosen und ähnliche höhere Güter der Menschheit handelt. Aber wenn es sich um Lappalien und Bagatellsachen handelt, von welchen das zeitliche und ewige Lebensglück abhängig ist, wenn es sich um Tausch- und Wechsel der Religion handelt, so sind die Juden noch weit zurück. Nicht nur, daß sie keine Proselyten machen, keine Missionäre auSsenden, um ihre Religion auszubreiten, sie verstehen sich auch ungemein schlecht auf derartige Tauschgeschäfte, wenn sie ihnen selbst von den hohen und höchsten Predigern, Superintendenten und General-Superintendenten der Judenmission offerirt werden. Daher kommt es, daß die letztere so schlechte Geschäfte macht, daß selbst die „Staatsbürger- Zeitung" die Resultate als recht schwach bezeichnet." Es handelt sich um die Thätigkeit der Judenmission in den letzten drei Jahren, worüber Herr Superintendent Krückeberg berichtete. DaS uns vorliegende Referat der „Kreuz-Zeitang" übergeht leider die Darstellung über „den Stand der Sache selbst", weil sie denselben angeblich als bekannt voraussetzt. Ob diese Kenntniß wirklich so allgemein ist, dürfte doch diskutirbar sein. Für uns, die wir ihn nicht kennen, wäre es von Interesse gewesen, ihn zu erfahren. Nicht nur deßhalb, weil uns das, was die „Kreuz-Zeitung" verschweigt, im Allgemeinen mehr interessirt als das was sie sagt,