Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 87 (2.11.1899)
- Date
- 1899-11-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1814 den er bis heute vergeblich^gesucht hatte, pnn vnvi «n 'INN. Wir haben bereits darauf hingewiesen, daß die Eigenart der Verhältnisse, eS Abraham unmöglich machte, selber daS Land seiner Heimath aufzusuchen, in welchem er noch am ersten eine geeignete Gattin für seinen Sohn zu finden hoffte. Sr mußte sich seines Dieners als Vermittler bedienen. Auch das ist eine Eigenthümlichkeit, die sich auch bis auf diesen Tag bei uns erhalten hat, daß nämlich dritte Personen eine wichtige Rolle für die erste Anbahnung eines EhebündnisseS inne haben. ES ist dies das oft belächelte Institut der „Schadchonim", wie die stehende Bezeichnung für unsere HeirathSvermittler lautet. Diese Einrichtung hat gewiß ihre guten, nicht hoch zu schätzenden Seiten, die gründlicher ins Auge gefaßt zu werden verdient, als es meistens geschieht. Sie kann gewiß zu Mißbräuchen und Ausschreitungen führen und hat thatsächlich schon oft dazu geführt, aber bei welcher guten Einrichtung ist das nicht der Fall? Wenn wir alles Gute von uns weisen wollten, das bei unrichtiger Anwendung schädlich und verwerflich ist, so würden wir kaum etwas Gutes mehr übrig behalten. Man macht dieser Einrichtung den Vorwurf, daß sie das materielle Moment, die pekuniäre Seite des EhebündnisseS zu sehr in den Vordergrund stellt, die Ehe zu einem geschäftsmäßigen Pakt macht und die ideale Seite ganz zurückdrängt. Wenn das richtig ist, so trifft der Vorwurf weniger die Makler, als die von ihnen zusammengeführten Contrahenten. Die elfteren handeln doch im Sinne und Auftrag der letzteren, wenn sie so verfahren, wie sie verfahren. Wenn also wirklich eine materielle Krämergesinnung sich auch bei diesem höchsten, heiligen Anliegen nur allzu empfindlich geltend macht, so kommt dieser Geist durch die Vermittler nur zum Ausdruck; vorhanden aber war er schon vorher. Viele von Denjenigen, die mehr rechnen als fühlen, suchen sich und ihre Umgebung über ihr allzukaufmännisch schlagende- Herz zu täuschen, in dem sie sich Schadchonim als Blitz- und Witzableiter bedienen, als seien diese an aller Begehrlichkeit schuld, während sie selber lilienweiß und engelrein erscheinen möchten. In einer Zeit, die ungemein ideal schwärmt und dabei doch so materiell denkt und handelt, die den Mund von freier Wahl, Neigung und reiner Liebe nicht voll genug nehmen kann, um damit ihrer Berechnung, ihrem Eigennutz und ihrem Selbstinleresse ein fadenscheiniges Mäntelchen umzuhängen, in einer solchen Zeit ist ein Sündenbock dieser Art ununentbehrlich, um sich selber mit Anstand, wenn auch Mp zuyt Schein, zu entlasten. Gäbe eS in einer solchen Zeit keine Schadchonim, als Zielscheibe billiger, scheinheiliger Witz', man müßte sie erfinden. In Wirlichkeit dürfte die Sache denn doch anders liegen. Je heiliger Eltern die Pflicht der Versorgung ihrer Kinder gilt, je reiner, edler die Gesinnung ist, mit welcher sie ihr gerecht werden möchten, desto berechtigter und unerläßlicher ist die Art der Vermittlung durch dritte Personen, wie sie sich bei uns eingebürgert hat. Man mag von der Versorgung unserer Kinder noch so ideal denken, daß sie auch ihre sehr berechtigte materielle Seite hat, deren befriedigende Erledigung doch sehr wesentlichen Antheil an dem Lebensglück unserer zu versorgenden Kinder hat, wird Niemand in Abrede stellen. Nun wirkt aber nichts so störend und lähmend auf die freundschaftlichen, ethischen und alle hier in Betracht kommenden höheren Beziehungen ein, als die Erörterung materieller Gegenstände, speciell als die Behandlung und Erledigung von Geldfragen. Im Interesse einer gewissenhaften Berücksichtigung aller dieser hohen Momente, ist es in hohem Grade wünschenswerth, daß die Erledigung der materiellen Angelegenheiten nicht von den in Verbindung tretenden Familien direkt behandelt wird. Sie erledigen sich viel leichter und glatter durch eine dritte Instanz, die außerhalb des beiderseitigen Familienkreises steht. Wenn auch nicht alle Vermittler den Takt und das Geschick bekunden, durch welche Elieser, der Diener Abrahams, sich auszeichnete, so darf doch nicht übersehen werden, daß wohl selten auch die Mission eines Vermittlers, sonst so delikat und schwierig ist, wie dies bei diesem ersten uns bekannten Schadchen der Fall war. Wenn wir ihm im Geiste auf seiner Reise folgen, wenn wir ihn feinem Herrn den Eid leisten, wenn wir ihn im Gebet versunken um die gnädige göttliche Fügung beten sehen, so leuchtet aus jedem Wort der hohe Ernst wieder, mit welcher selbst der Diener sich die Versorgung Jizchaks angelegen sein läßt. Wir sagen uns unwillkürlich: Wenn selbst der Diener seine Mission mit so hohem, sittlichen Ernst anffaßt, wie mochte sie Abraham selber erst am Herzen gelegen und Gegenstand unablässigen Gebetes zu Gott gewesen sein! Es war füglich nicht der Reichthum Abrahams, nicht die Gewandtheit Eliesers, es war der Beistand Gottes, um den Herr und Diener in heißem Gebete vor Gott gerungen haben und der dann auch nicht ausblieb. Wenn wir in weniger schwierigen Verhältnissen den Beistand Gottes für die Versorgung unserer Kinder so oft vermissen, so mögen sich die ihn Vermissenden denn doch fragen, ob sie auch diese Sorge, nachdem sie zu ihrer Beseitigung das ihrige gethan, so voll und ganz Gott anheim gestellt haben, wie es Abraham bei der Versorgung seines Jizchaks gethan. Daran fehlt es leider in vielen Fällen, und