Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 87 (2.11.1899)
- Date
- 1899-11-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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WWWWWMWMWMIWWD.W. 1815 muß es fehlen, wie die Dinge einmal liegen. Wenn die Rücksicht auf Gott und sein Gesetz, wenn die Anforderungen von Thora und Mizwoth der erste und letzte Gesichtspunkt auch bei der Versorgung unserer Kinder ist, dann können wir auch auf Gottes Beistand hoffen und ihn darum bitten. Wenn wir aber selber in diesem Punkte gleichgültig und leichtsinnig handeln, wenn wir in erster Reihe an die Sicherstellung unserer Kinder durch irdische Glücksgüter denken und erst in zweiter und dritter Reihe, und vielleicht dann noch nicht, die Rückstcht auf Gott und seinen Willen zu ihrem Rechte gelangen lasten, wo sollte man da auch den Muth hernehmen, Gott um seine Gnade und seinen Segen für die Hausesgründung und Versorgung unserer Kinder zu bitten? (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Nürnberg, 30. Oct. Der „Nürnberger Kurier" vom 22. Oe«, schreibt: In Landshut spielt feit einiger Zeit ein sonderbarer Streit zwischen den Metzgermeistern und dem Magistrat. Der letztere hat nämlich kürzlich eine Verordnung erlasten, wonach das Vieh im Schlachthause mittels eines Schußapparates getödtet werden muß. Die Metzger erhoben hiegegen Beschwerde zur Regierung, wurden jedoch abgewiesen. Aber sehr bald mußte die Verordnung vorläufig außer Kraft gesetzt werden, weil eine Kugel beim Gebrauche des Apparates sich verirrt hatte und beinahe ein Unglück veranlaßt hätte. Nach einer Ausbesserung des Schußapparates trat die Verfügung wieder in Kraft. Da nun am Donnerstag die Metzger sich weigerten, ihre Schlachtthiere durch den Schußapparat tödten zu lasten, wurden einige Schutzleute in das Schlachthaus beordert. Als dann beim Erschießen eines Ochsen wieder eine Kugel seitwärts hinausdrang und in die Mauer schlug, begaben sich einige Metzger zur Regierung, um die Einstellung des Schießens zu fordern, die dann auch erfolgte. Oesterr.-Ungar. Monarchie. § Wien. Mc. Trietsch, der Apostel der Kolonisation Cyperns, weilt zur Zeit hier und bemüht sich, das Aktionskomitee für seine Zwecke zu gewinnen. Dr. Herzl hat dem Projekt viele Sympathien gezeigt, aber mit Rücksicht ans die Abneigung des Kongreffes legt er sich große Reserve auf. Von den anderen Mitgliedern des Aktionskomitees sind die meisten an sich dem Projekt der Kolonisation in Cypern günstig, nur wollen sie dieses Projekt nicht mit der zionistischen Bewegung verknüpfen. Trietsch reist von hier aus nach Krakau weiter und setzt seine Propaganda für seine Projekte fort. Wahrscheinlich wird er sich auch an die BorySlawer Erdarbeiter wenden. Eperjes. Daß es auch im freiheitlichen und toleranten Ungarn noch viel Rischus gibt, da» dürste folgender Vorfall beweisen. In dem unweit von hier gelegenen Orte Nagy-Saro» hat sich der jüdische Insasse Samuel Freireich eine Sukkoh erbaut. Sein christlicher Nachbar, Karl Sarost, war jedoch, au» noch unbekannten Gründen, mit diesem Bau unzufrieden und so fiel er mit zwei Nachbarn über die unschuldige Laubhütte des Juden her und demolirte sie vom Grunde aus. Nächster Tage werden nun diese geschworenen Feinde der Sukkoh vor Gericht stehen, das ihnen hoffentlich einen tüchtigen Denkzettel geben wird. Krakau, 26. Oct. (Der Gemeinderath und die Antisemiten.) Der Krakauer Gemeinderath hat heute das Ansuchen der hiesigen Antisemiten. ihnen den Gemeinderathsaal zu einer Versammlung einzuräumen, in welcher die wegen der Polnaer Affäre im Abgeordnetenhause eingebrachte Interpellation und deren Unterfertigung durch Dr. Weigel und Dr. Sokolowski besprochen werden sollte, einstimmig abgelehnt; die auf der Galerie befindlichen Antisemiten demonstrirten gegen diesen Beschluß durch die Rufe; „Pfui dem Bürgermeister und dem jüdischen Gemeinderathe!" Die Administration des „Hotel de Saxe" hat ebenfalls die Ueberlastung eines Saales zu diesem Zwecke abgelehnt. Frankreich.? Bar le Duc. Viel Aufsehen hat hier ein Duell gemacht, das zwischen zwei Offizieren der hiesigen Garnison am 11. October ftattfand. Der Lieutenant Olivier war, weil ihn seine Kameraden im Verdacht hatten Dreyfusard zu sein, von denselben acht Monat lang gemieden, förmlich gesellschaftlich von denselben boykottet worden. Endlich hatte er einen Zusammenstoß mit dem Lieutenant Oherne, forderte denselben und man verabredete ein Pistolenduell. Olivier setzte sich einfach der Kugel seines Gegners aus, während er selbst in die Lust feuerte. Als nach mehrmaligen Kugelwechsel die Secundanten die Affaire für beendet erklärten, verweigerte der Lieutenant Oherne den üblichen Versöhnungshändedruck. Olivier ist Jude und die ganze Affaire ein Beweis dafür, wie weit der Antisemitismus in der französischen Armee schon vorgedrungen ist. England.? London. Der „Board os Guardians" hielt am 9. Oktober feine erste Monatsversammkung ttach den Ferien ab. Wieder einmal mußte sestgesttllt' werden, daß die Kaffe ein arges Defizit ausweist, jetzt